Samstag, 21.09.2019

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50 Jahre LAC Quelle: Kein trauriger Geburtstag

Fürths Leichtathletikverein gehört immer noch zur deutschen Elite - 16.08.2019 15:11 Uhr

Das Trikot fällt immer noch auf: Patrick Schneider, Fürther Nationalmannschaftsläufer, beim Boost Meeting 2016 in Herzogenaurach, das der LAC Quelle mitorganisiert hat. © Foto: Jürgen Rauh/Zink


Die geladenen Gäste waren namhaft, der Anlass war würdig, der Rahmen angemessen, nur der Termin hätte unpassender kaum gewählt sein können. Allerdings hatte ja niemand ahnen können, dass die Quelle AG würde Insolvenz anmelden müssen – in der Woche vor dem 40. Geburtstag ihrer Leichtathletik-Abteilung.

Und als die LAC-Familie zum Fest in der Halle am Finkenschlag zusammenkam, saßen da viele Menschen, die gerade erst erfahren hatten, dass sie ihren Job verlieren. Reinhard Leibold wollte da kämpferisch klingen, so wie man ihn von der Bahn, aus dem Stadtwald oder von Straßenläufen kannte. "Ich weiß, was mir die Quelle und der LAC gegeben haben", rief der unverwüstliche Dauerläufer ins Mikrofon. "Das werde ich nie vergessen." Kämpferisch klang das nicht unbedingt, es klang trotzig.

Zehn Jahre später weiß man, dass sich Leibolds Kampfgeist auf die Abteilung übertragen hat. Die Quelle mag lange versiegt sein, von den Zuwendungen in Höhe von 250 000 Euro, die das Großversandhaus selbst in den letzten Jahren noch überwiesen hatte, wagt die neue, junge Führungsriege kaum zu träumen. Der LAC Quelle aber lebt und feiert im Oktober seinen 50. Geburtstag bei bester Gesundheit. Im Herbst 2009 war damit kaum zu rechnen.

Dennoch hatte man sich damals entschieden, den Namen beizubehalten. "So ein Erkennungsmerkmal gibt man nicht so leicht her", sagte Werner Kaminski, das hat sich seitdem nicht geändert. Kaminski kannte die großen Jahre der Quelle, allerdings als Angestellter des Versandhauses und als Hobby-Läufer. "Mit dem Geldkoffer in der Hand" durfte er, anders als seine Vorgänger, nie "durchs Land ziehen".

Zum Vorsitzenden wurde er 2006 gewählt, als die Quelle den Umfang des Sponsorings notgedrungen hatte reduzieren müssen. "Ich habe den Job nicht unbedingt gesucht", sagte er später. Er hat den Job aber auch nicht wieder abgegeben, als die Zeiten noch düsterer wurden. Mit Angelika Kühn-Maurer und Stefan Schmidt als Vorstandskollegen, mit dem ewigen Bertram Böhm als Berater und Schatzmeister Hans-Jürgen Fihlon suchte er erfolgreich nach neuen Geldgebern, organisierte lukrative Veranstaltungen, blieb innovativ in Problemlösungen und bewahrte den Leistungssportgedanken.

In der deutschen Vereinsrangliste, die den LAC lange Zeit unter den ersten Drei geführt hatte, sprang zwischendurch sogar wieder einmal ein Platz unter den ersten Zehn raus. Und als die Halle am Finkenschlag im Blau der neuen Kunststoffbahn erstrahlte, sagte er mit väterlichem Stolz in seiner Stimme: "Schön ist sie geworden. Es hat sich gelohnt, alles."

Das gilt auch für die Arbeit der Vorstandschaft. Kaminski ist Marathonläufer, vielleicht hielt er deshalb so lange durch – obwohl zwischendurch die Verpflegungsstellen fehlten, obwohl die Leichtathletik immer mehr von der Strecke gedrängt wurde. Doch als Kaminski irgendwann im Ziel saß, musste er unter seiner Wärmefolie ein wenig länger warten, bis ihm jemand den Staffelstab abnahm. Kaminski und Böhm wendeten sich sogar an die Sportredaktion dieser Zeitung – vielleicht auch, um generell darauf aufmerksam zu machen, dass der Hashtag #Ehrenamt gerade mal nicht trendete. Mittlerweile ist Kaminski Ehrenvorsitzender und Ansprechpartner für Julia Hiller, die neue Vorstandsvorsitzende, und Kathrin Höhnemann, Tim Höhnemann und Helmut Vetter aus dem Vorstand.

Sie laufen, springen, werfen wieder

In Dambach laufen, springen und werfen wieder viele Kinder, das blaugelbe Trikot fällt noch immer auf, Talente rücken nach, mit dem 400-Meter-Läufer Patrick Schneider hat der LAC ein festes Mitglied in der Nationalmannschaft, die Halle ist wieder ein Schmuckstück. Es hat sich gelohnt zu kämpfen.

Die Quelle aber ist zu einem Namenszusatz geworden, der längst nicht mehr alle melancholisch werden lässt. Anne Kesselring, die einstige Spitzenläuferin, die ähnlich wie Julia Hiller voll berufstätig noch immer schnelle Zeiten erzielt, wurde gebeten für die Festschrift zum 50. einen Text zu schreiben. Sie hat ein schönes Ende gefunden: "Der LAC Quelle Fürth ist 20 Jahre älter als ich selbst, und viele Gesichter die ihn geprägt haben, kenne ich nur aus Geschichten. Aber wenn manche bleiben und andere dazukommen, dann kann man auch in einem Traditionsverein nach vorne blicken. Happy Birthday, LAC Quelle Fürth." 

SEBASTIAN BÖHM

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