Ein Segelflug durch die Geschichte

70 Jahre Aero Club Fürth: Von der Hardhöhe bis nach Seckendorf

8.9.2021, 09:12 Uhr
In den Anfangsjahren starteten Flugzeuge des Aero-Club Fürth vom internationalen Industrieflughafen auf der Hardhöhe.

In den Anfangsjahren starteten Flugzeuge des Aero-Club Fürth vom internationalen Industrieflughafen auf der Hardhöhe. © Foto: Eugen Preu (+)/übermittelt von Ronald Preu

Nichts zu hören, außer das Rauschen des Windes. Ein sanftes Rütteln, kaum spürbar, der Zeiger des Variometers zuckt leicht.


Die Seele des Vereins beim Aero Club: Bernd Tauber


Ein Tritt ins Seitenruder, den Steuerknüppel nach rechts. Majestätisch gleitet das Segelflugzeug in die Kurve und folgt der Thermik, die Flieger und Pilot sanft nach oben hebt.

„Flieger grüß mir die Sonne!“ - das doppelsitzige „Janus B“-Segelflugzeug hebt hinter dem Schleppflugzeug ab.

„Flieger grüß mir die Sonne!“ - das doppelsitzige „Janus B“-Segelflugzeug hebt hinter dem Schleppflugzeug ab. © Foto: Andreas Goldmann

Die Bussarde haben diese Stelle natürlich längst entdeckt und kreisen ohne Kraftaufwand neben dem Flugzeug. "Das macht für mich die Faszination des Fliegens aus", schwärmt Robert Thoma, Vorsitzender des Aero-Club Fürth (ACF), über diese Art von Naturbegegnungen. Diesen alten Traum vom Fliegen erfüllt der Verein seit nunmehr 70 Jahren. Und genau 60 Jahre ist dessen Heimat der eigene Flugplatz bei Seckendorf im Markt Cadolzburg.

Gegründet wurde der Aero-Club von zehn Flugbegeisterten – es waren ehemalige Weltkriegspiloten und Techniker – eigentlich schon am 9. September 1950, kurz nachdem das nach dem Krieg in Deutschland geltende Flugverbot aufgehoben worden war. Den Flugbetrieb nahm man allerdings erst 1951 auf und sieht das als eigentliche Geburtsstunde an.

Aus England auf der Hardhöhe gelandet

Die ersten Starts absolvierte der ACF noch auf dem internationalen Industrieflughafen auf der Fürther Hardhöhe, wo der Verein in einer zerbombten Halle eine Heimat gefunden hatte. Zunächst ausgestattet mit drei Segelflugzeugen, folgte 1955 mit einem eigens aus England eingeflogen Doppeldecker "de Havilland Tiger Moth" ein erstes Motorflugzeug zum Starten der Segler. Die zunehmende Bebauung der Hardhöhe erschwerte die Fliegerei bereits, das Ende zeichnete sich ab.

Mit der endgültigen Einstellung des Flugbetriebes im Jahr 1957 waren die Fürther Segelflieger plötzlich heimatlos und mussten schließlich nach Schwabach-Nasbach ausweichen. "Auf dem Gelände gab es gar nichts. Wir mussten die Flugzeuge an jedem Tag auf- und abrüsten und durch die Entfernung hat der Verein viele Mitglieder verloren", weiß Robert Thoma zu berichten.

Nur kurz in Schwabach

Als das Gelände vier Jahre später vom Militär beansprucht wurde, war der ACF 1961 erneut zum Umzug gezwungen. Schnell war klar, es sollte wieder in die Heimat, nach Fürth gehen. Fündig wurden die Flieger in Seckendorf, wo noch im Herbst die Gründungsmitglieder Willi Sturm und Herbert Scheuerlein erstmals mit einem Segel- und einem Motorflugzeug auf jener Wiese landeten, die noch heute die Heimat des ACF ist.

"Infrastruktur hatten wir da auch noch keine", so Thoma, "außer einer kleinen Wellblechhütte, wo wir ein paar Werkzeuge lagern konnten." Dabei blieb es aber nicht und weitere Meilensteine waren der schrittweise Ausbau des Platzes mit zunächst einem Hangar. 1985 folgte eine zweite Flugzeughalle mit Flugleitung und Schulungsraum, um den wachsenden Flugzeugpark unterstellen zu können. Legendär waren auch die Flugtage, die der Aero-Club jahrelang regelmäßig abhielt. Spektakuläre Kunstflugvorführungen, Rundflüge und sogar Überflüge der Lufthansa "Ju 52" gehörten dabei zum Programm. Heute sind die Flugtage Geschichte – ein Opfer immer größerer Auflagen und dem in keinem Verhältnis mehr stehenden Aufwand für den Verein.

Brandaktuell ist dagegen weiterhin die Pilotenausbildung. Seit kurzem mit einer Fluglehrerin bildet der Aero-Club aktuell sechs Nachwuchspiloten und -pilotinnen aus, die sich den Traum vom Fliegen erfüllen möchten.

Orte als Namenspaten

Dazu kann der Verein auf einen Park moderner Flugzeuge zurückgreifen, die zum Teil auf die Namen der umliegenden Orte getauft wurden: "Wir wollen damit Verbundenheit und Dank ausdrücken und so zeigen, dass wir hierher gehören", sagt Thoma. Die modernen Segelflugzeuge sind auch ein Argument, um Mitglieder zu binden, die sich sportlich betätigen wollen.

"Wir liegen thermisch hier nicht gerade günstig und müssen zu guten Fluggebieten wie der Schwäbischen Alb erst hinfliegen, wo man dann leichter lange Strecken zurücklegen kann", erklärt der Vorsitzende. Trotz dieses Nachteils hat es der ACF 2011 für zwei Jahre in die 1. Segelflug-Bundesliga geschafft und mit Jürgen Wisbacher auch einen Bayerischen Meister im Doppelsitzer gestellt.


Mutter und Sohn steigen ins Cockpit


Inzwischen widmen sich die Seckendorfer Flieger wieder mehr ihrem Vereinsleben und sehen sich dabei auf gutem Kurs. Der Verein hat knapp über 100 Mitglieder und der Vorsitzende Thoma stellt zum Jubiläum fest: "Der Aero-Club steht nach 70 Jahren gut da."

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