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96 vor der Brust: Sorgs Club spielt an der Leine vor

Nach vier Jahren bei Hannover 96 zog es den 29-Jährigen nach Franken - 30.09.2019 06:00 Uhr

Trifft im Club-Trikot erstmals auf seinen Ex-Verein aus Hannover: Oliver Sorg. © Sportfoto Zink


Man lernt nie aus, auch nicht mit 29 und über 160 Bundesliga-Einsätzen. Also bekam Oliver Sorg am Freitagnachmittag, in der letzten öffentlichen Einheit des 1. FC Nürnberg vor dem heutigen Auswärtsspiel in Hannover (20.30 Uhr/Sky und im Live-Ticker auf nordbayern.de), ein bisschen Nachhilfe in Sachen Dreier-Kette, die sich bei gegnerischem Ballbesitz ja in eine Fünfer-Kette verwandelt.

Inhaltlich ging es darum, welche Räume der rechte Verteidiger in beiden Varianten zu besetzen hat und welche nicht. "Bleib, bleib!", forderte ihn sein Trainer unter anderem auf, als sich Oliver Sorg zu sehr nach vorn orientierte, auch sonst wurde der einmalige deutsche Nationalspieler von seinem Vorgesetzten ordentlich beschallt. Damir Canadi stand ja nur ein paar Meter entfernt.

Oliver Sorgs Blicke signalisierten mitunter auch ein wenig Verwunderung ob der ständigen Einflussnahme und Korrekturen von außen. Damir Canadi überlässt eben wenig dem Zufall, möchte stets der Chef sein – wie Oliver Sorg so darüber denkt, wird man aber vielleicht nie erfahren.

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Der Sommer-Zugang vom heutigen Gegner redet zwischen Fußball-Platz und Vereinszentrum nur mit seinen Kollegen und Fans und eigentlich nie mit Journalisten. Das hielt er auch zwischen Juni 2015 und Juni 2019 in Hannover so, weil er mit der häufig aufgeregten Medienlandschaft hierzulande einfach nicht viel bis gar nichts zu tun haben möchte.

"Cooler Typ"

Ein von seiner Person ziemlich schmallippig geführtes, über vier Jahre altes Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung ist überliefert, in Nürnberg gab er sich lediglich nach dem Trainingsauftakt Ende Juni kurz die Ehre, bei Club-TV zudem fast achteinhalb Minuten.

Dort, und auch auf diversen Bildern wie kürzlich bei der Aufnahme des neuen Mannschaftsfotos, sieht man einen meistens sehr gut gelaunten jungen Mann, der auch deswegen intern hohes Ansehen genießt. "Sehr ausgeglichen" gibt er sich, sagt sein Trainer, "ein cooler Typ in der Kabine, für die Mannschaft auch sehr wichtig."

 

 

Wie wichtig genau, darüber lässt sich aber selbst nach über drei gemeinsamen Monaten bloß spekulieren. Es ist davon auszugehen, dass Oliver Sorg zum Club wechselte, um ein Anführer zu sein und natürlich unumstrittene Stammkraft, wovon er in jeder Hinsicht noch ein gutes Stück entfernt ist. Vielmehr musste er sich den Platz auf der rechten Seite zunächst mit Enrico Valentini teilen, erst seit dessen Verletzung beim Aufwärmen in Darmstadt ist Oliver Sorg gesetzt. Weil letztlich kein anderer mehr da ist.

Als Pendler zwischen Bank und Startelf läuft er allerdings seiner Form früherer Tage hinterher, die er irgendwann zu Beginn des Jahres verloren haben muss. Nach dem Trainerwechsel in Hannover Ende Januar von André Breitenreiter zu Thomas Doll dauerte es bis zum 24. Spieltag, ehe sie wieder Verwendung hatten für den Allrounder Sorg, dessen Leistungen aber einigermaßen schwankend bleiben sollten.

Auch deswegen ließ 96 seinen Vertrag nach dem Abstieg auslaufen, der Mitabsteiger griff zu. In der Hoffnung, sich ein ablösefreies Schnäppchen gesichert zu haben; ein ausgebuffter Spieler sei dieser Oliver Sorg, "der uns mit seiner Klasse helfen wird, Stabilität in der Defensive zu gewinnen", ließ sich Sportvorstand Robert Palikuca Ende Mai zitieren.

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Wie einige andere auch, scheint Oliver Sorg zurzeit jedoch viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt zu sein, um entschlossen vorangehen zu können. Immerhin, "die Einstellung ist immer da, die bekommt man immer 100-prozentig von mir", sagte Sorg einst dem vereinseigenen Fernsehkanal, eine echte Verstärkung muss er seinem neuen Club, bei dem er einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieb, aber erst noch werden.

"Er freut sich sicherlich darauf" 

Vielleicht ja schon heute, bei seiner Rückkehr an die ehemalige Wirkungsstätte. "Ich denke, dass er genügend Erfahrung hat mit 29 Jahren, sich auf dieses Spiel gut vorzubereiten", sagt sein Trainer in der Pressekonferenz, "er freut sich sicherlich darauf." Vielleicht aber auch nicht. Man wird es wohl nie erfahren.

Wolfgang Laaß

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