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Ab in den Block! Valentini ist beim Derby wieder Fan

Gesperrter Nürnberger: Gegen Fürth wird der Zabo-Italiener nur Zuschauer sein - 27.02.2018 10:23 Uhr

Den passenden Schal hat Enrico Valentini bereits, ein Ticket wird sich auch noch finden lassen. © Sportfoto Zink


Seine Kollegen waren erschöpft, wirkten aber doch sehr zufrieden, wie sie da im Bochumer Ruhrstadion Richtung Kabine stapften. Nur einer hatte sein Lächeln offenbar auf dem Platz vergessen. An dem torlosen Unentschieden, das Enrico Valentini auf diesem Platz gerade erlebt hatte, lag das nicht, die Punkteteilung, so durfte man ihn am Tag danach verstehen, die ging schon in Ordnung, dass ihm Schiedsrichter Lasse Koslowski aber für sein erstes und einziges Foul gleich die Gelbe Karte gezeigt hatte, das ging für Nürnbergs Rechtsverteidiger so gar nicht in Ordnung.

Ein Schrei und besondere Nähe 

"Ich habe direkt geschrien: Jetzt darf ich das Derby nicht spielen!", erzählte Valentini am Montagvormittag, als er sein Lächeln wiedergefunden hatte, sich natürlich aber immer noch ein wenig ärgerte über diese 55. Spielminute, als er einen Bochumer Angriff regelwidrig stoppte und sich dabei die fünfte Verwarnung der Saison einfing.

Kein Derby für Enrico Valentini? "Viel bitterer geht es nicht, dass ich dieses Spiel verpasse", sagt der Mann, für den die Begegnungen mit der SpVgg Greuther Fürth, da tritt man seinen Mitspielern sicher nicht zu nahe, noch ein bisschen wichtiger sind. Valentini ist in Nürnberg geboren, er ist gegenüber vom Trainingsgelände des ersten Fußball-Clubs der Stadt aufgewachsen, er hat dort sämtliche Nachwuchsmannschaften durchlaufen, hat den Profis im Stadion zugesehen und er hat früh gelernt, wie sehr die Aufeinandertreffen mit den Nachbarn aus Fürth die Protagonisten beider Vereine, vor allem aber ihre Fans, aufwühlen. "Jeder weiß, was das Spiel für die Region bedeutet", sagt er jetzt, da er plötzlich wieder nur Fan sein darf.

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Torlos in Bochum: Ausbaufähige Vor-dem-Derby-Noten

Es war kein Leckerbissen, erfüllte aber seinen Zweck: Das 0:0 des 1. FC Nürnberg beim VfL Bochum bringt dem Club einen wichtigen Auswärtspunkt, der Vorsprung auf Rang drei ist angewachsen. Die Noten für das Derby-Aufwärmprogramm fallen bis auf ein paar Ausnahmen dennoch recht mittelmäßig aus.


Kein Pflichtspiel hat er bislang verpasst, seitdem er sich im Sommer wieder seinem Herzensverein angeschlossen hat. Dass mit ihm im Hinspiel nach fast 40 Jahren mal wieder ein Nürnberger Derbysieg in Fürth glückte, passt natürlich wunderbar zu dieser Wohlfühl-Geschichte, die noch besser werden könnte, wenn ihnen am Samstag (13 Uhr) im Max-Morlock-Stadion ein weiterer Erfolg gelingt.

Enrico Valentini wird dann nur Zuschauer sein. In Bochum war sein Ärger über die Sperre noch nicht verflogen, da formulierten einige Fans im Internet bereits die Idee, wo Valentini den Samstagnachmittag verbringen könnte: in der Kurve.

Ein interessantes Gedankenspiel 

Ob er sich das vorstellen kann, beim 264. fränkischen Derby im Fanblock zu stehen, so wie damals, als eine Karriere als Berufsfußballer für ihn noch ein schöner Traum war? "Ja. Schon. Definitiv", sagt Valentini und klingt dabei fast ein bisschen aufgeregt. "Ich spiele schon mit dem Gedanken."

Sofern es der Spielplan zugelassen hat, das erzählte Valentini vor dem Hinspiel, hat er auch als Angestellter des VfR Aalen und des Karlsruher SC das Derby oft im Stadion verfolgt, diesmal bleibt ihm gar nichts anderes übrig, als sich auf der Tribüne einen Platz zu suchen. Das mit dem Ticket dürfte eher kein Problem sein und das passende Kleidungsstück hat er bereits im September bekommen, als die Club-Fans nach dem Derbysieg noch im Ronhof Schals mit der Aufschrift "Die Nummer 1 in Franken" an die Fußballer verteilten.

Nur ein schöner Nebeneffekt

Die Nummer 1 in Franken. Im Moment sind die Rollen klar verteilt. Während sich der 1. FC Nürnberg zehn Spieltage vor Schluss als Tabellenführer der Zweiten Liga berechtigte Hoffnungen auf den Aufstieg machen darf, reist mit der SpVgg Greuther Fürth ein Verein über die Stadtgrenze, der am Ende der Saison wohl froh sein dürfte, wenn er sich überhaupt noch Zweitligist nennen darf. Für das Kleeblatt geht es vor allem um drei Punkte, dass dies den Derbysieg mit sich bringen würde, wäre nur ein schöner Nebeneffekt.

So ähnlich sieht das auch Enrico Valentini. Wenn eine Niederlage am Samstag der Preis dafür wäre, dass er mit seinem Club aufsteigen darf, dann nimmt er das gerne in Kauf. "Das Derby ist extrem viel wert", sagt er, "aber ich glaube die Fans wären glücklicher, wenn wir in der nächsten Saison in der Bundesliga spielen würden." 

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Trotz Nullnummer in Bochum: Club baut Tabellenführung aus

Es war ein echter Fight: Der 1. FC Nürnberg kommt mit einem Punkt aus Bochum zurück an den Valznerweiher. Hinten steht die Null, nach vorne hält sich der FCN weitestgehend zurück. Immerhin: Auch nach dieser Partie grüßt der Club als Primus von der Tabellenspitze. Hier kommen die Match-Bilder!


 

Sebastian Gloser Sportredakteur E-Mail

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