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Abgründiges gegen Freiburg: Das Club-Trauma wird 20

Der Albtraum von 1999! Als Baumann schoss und Golz fast ungewollt parierte - 29.05.2019 13:51 Uhr

Nürnbergs Abstiegs-Albtraum 1999: Kurz vor Schluss vergab Frank Baumann zuhause gegen Freiburg die Riesenchance zum Ausgleich. SC-Schlussmann Richard Golz hält die Kugel fest und blickt fast schon mitleidig zu Baumann auf. © Roland Fengler


"Wir hatten die Partie bis dahin kontrolliert, es brannte nicht viel an", gibt Richard Golz als Zwischenstand durch. Seine Freiburger liegen am 29. Mai 1999, an einem anfangs herrlich-ungetrübten Sommertag, bei einem lethargischen Club 2:0 in Führung. Ali Günes hat sie in Front gebracht und nach einer Kerze am Fünfer, die auch FCN-Keeper Andi Köpke staunend betrachtet, selbst noch nachgelegt. "Ein Ergebnis mit dem beide Teams dennoch leben konnten", erinnert sich der heute 50-Jährige. "Keiner glaubte ernsthaft, dass noch etwas passiert" - besonders die Nürnberger nicht.

Böller der Woche, Folge 27: Jedem Abstieg wohnt ein Aufstieg inne

Vor dem Spiel hatte der FCN den Fans Dauerkarten-Infos für den weiteren Oberhaus-Aufenthalt geschickt, so manche Klassenerhaltsparty war geplant und organisiert. Trainer Friedel Rauschs besänftigende Worte, die er im Gespräch mit dem Stadionsprecher wählte, stellten in der Endabrechnung einen Mittelfeldplatz in Aussicht.

Golz und Co. hingegen, wie die Hausherren nur rechnerisch abstiegsbedroht, waren auf die Kapriolen, die ein letzter Spieltag schlagen kann, vorbereitet : "Wir wussten, dass wir nicht in Sicherheit waren. Der Club wusste es dagegen ganz lange nicht", berichtet der damals kaum geprüfte Schlussmann.

Nicht nur Nürnbergs Spieler, auch die meisten Zuschauer wissen nichts von den Zwischenständen in den anderen Stadien. Eine Ahnung, wie sehr sich die Lage zum Nachteil der Franken zugespitzt hatte, vermittelt Radio-Legende Günther Koch, als er sich live “vom Abgrund“ meldet. Doch erst spät in dieser Partie, nach Marek Nikls Anschlusstreffer, erkennt auch der Club selbst den Ernst der Lage.

Golz macht seinen Job - Lautern lässt sich "abschlachten"

Um 17.17 Uhr ist der FCN der Rettung dennoch nahe: Nach dem Pfostenknaller von Marek Nikl, der für Nürnbergs Traum-und-Traumata-Club in der 86. Minute verkürzt, hat der aufgerückte Frank Baumann Raum und Zeit, um den abprallenden Ball aus sechs Metern ins Tor zu schieben. Er macht es nicht. Richie Golz entscheidet sich für die richtige Ecke, taucht nach rechts ab. Sekundenbruchteile liegen zwischen Bangen und Hoffen. Zwischen Verzweiflung, Wut und Tränen.

Der Ex-Keeper, nordbayern.de sprach mit ihm darüber 2012, hat die Szene noch heute detailgenau im Kopf: "Vom Pfosten kommend war der Ball von meinem Körper gebremst worden. Ich bin dann hingesprungen und habe ihn aufgenommen. Solche Bälle sehen einfach aus, sind es aber nicht. Ich wusste, dass es eine Riesenchance ist. Aber auch, dass ich eine Chance habe".

Kurz nach dem Spiel sagte Golz, dass er den Schuss hätte passieren lassen, wenn er die Folgen seiner Reaktionsschnelligkeit gekannt hätte. Heute weiß er: "Das war ungeschickt formuliert".  Was ihn zutiefst ärgerte, war, dass sich der vermeintliche Champions-League-Aspirant Kaiserslautern "so hat abschlachten lassen, dass Nürnberg der Leidtragende war. Beim Ausgleich und einem weiteren Frankfurter Treffer wären sogar wir abgestiegen".

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In Frankfurt hatte sich eigentlich so gut wie abgestiegene Eintracht gegen unverständlich pomadige Lauterer zeitgleich in einen Rausch gespielt. 80. Minute: 3:1. 82. Minute: 4:1. Dann die 89. Minute:  Jan Age Fjörtoft verhilft kurz vor Spielende der launischen Diva vom Main nach dreistem Übersteiger vor Andreas Reinke zum 5:1-Endstand und einer echten Gefühlseruption: 37 Punkte, Tordifferenz minus zehn, exakt wie der Club - aber wegen vier mehr erzielter Tore schafft Frankfurt sensationell doch noch den Klassenerhalt! In Nürnberg dagegen wird aus blankem Entsetzen traurige Gewissheit: Der FCN ist von Rang zwölf auf Platz 16 abgerutscht und abgestiegen. 

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