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"Aktuell kein Angebot": Bleibt Ewerton dem Club treu?

Beim Absteiger gibt es weiterhin viele Fragezeichen - 16.05.2019 06:00 Uhr

Gemeinsam in die Zweite Liga? Wohl eher nicht: Eduard Löwen, Matheus Pereira und Ewerton (von links) werden wohl nicht mehr zusammen für den 1. FC Nürnberg spielen. © Foto: Daniel Marr/Sportfoto Zink


Die letzte Arbeitswoche der Saison verbringt Ewerton überwiegend mit Reha-Übungen. Vor zwölf Tagen, beim Spiel in Wolfsburg, hatte er sich einen Muskelfaserriss in der Leistengegend zugezogen und kann seiner Mannschaft seitdem nicht mehr helfen.

Am Samstag, beim 0:4 gegen Mönchengladbach, merkte man ihr in etlichen Szenen an, dass sie ohne ihren besten Innenverteidiger auskommen musste. Ewertons Stabilität und vor allem Ruhe fehlten. Auch dank ihm sah der Club in der Rückrunde zwar häufig besser aus, war aber trotzdem nicht gut genug.

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"Die Legende wird wieder auferstehen!", propagieren die Nürnberger Ultras nach Abpfiff, die Profis auf dem Platz rufen über T-Shirts die "Mission Wiederaufstieg" aus: Der 1. FC Nürnberg reagiert trotzig auf den nun sicheren neunten Abstieg der Vereinshistorie. Die Bilder aus dem Stadion – ein Grenzgang zwischen den Gefühlswelten!


Also wird Ewerton ab Sonntag erst mal richtig Urlaub machen und spätestens Mitte Juni, wenn die Vorbereitung beginnt, wieder in Nürnberg sein. Ober auch nicht.

Bloß keine Versprechen

Sein Vertrag läuft noch ein Jahr, auch die meisten anderen sind über den 30. Juni hinaus gebunden. Lediglich Torwart Patrick Klandt, Edgar Salli und Ivo Ilicevic müssen sich woanders umschauen; Robert Bauer, Timothy Tillman (mit Kaufoption), Yuya Kubo und Matheus Pereira sind ja nur geliehen und kehren zu ihren Vereinen zurück, wobei der Brasilianer offenbar darüber nachdenkt, noch eine Spielzeit zu bleiben.

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Unter Cluberern: "Ich will eine Dauerkarte für die zweite Liga!"

Manche Club-Fans planen schon für die zweite Liga. Man könne das Auswärtsspiel in Kiel ja hervorragend mit einem Kurzurlaub verbinden, hört man sie kurz nach Abpfiff reden. Da sitzen andere Cluberer noch völlig traurig und nachdenklich auf dem Bordstein vorm Stadion, den Kopf auf die Hände gestützt. Die Reaktionen nach der deutlichen Abstiegs-Niederlage sind gemischt. Wir haben nachgefragt.


Dass er eigentlich Sporting Lissabon gehört, muss nicht viel heißen, so ein Arbeitspapier ist generell nicht mehr viel wert. Jürgen Bühler, der Berater von Ewerton, möchte deshalb auch gar keine Versprechen abgeben. Es gefalle seinem Schützling und dessen Frau wirklich ausgezeichnet beim Club, auch die Stadt sei lebenswert, sagt Bühler, "aber zum jetzigen Zeitpunkt kann ich nichts garantieren".

Zum jetzigen Zeitpunkt heißt: dreieineinhalb Monate vor dem Ende der Transferperiode. Ewerton ist kürzlich 30 geworden, "es geht um die Zukunft des Spielers", sagt Bühler, in so einem Alter spekuliert offenbar nicht nur Ewerton auf seinen womöglich letzten, sehr gut dotierten Vertrag. Bühler redet erst gar nicht um den heißen Brei herum, ist wohltuend ehrlich. Die meisten seiner Kollegen sind das nicht.

Loyalität: Ein lästiges Gebot

Stattdessen werden medial Spekulationen geschürt und Gerüchte gestreut, um den Marktwert eines Fußballers nach oben zu schrauben. Wenn‘s ums große oder auch nur etwas größere Geld geht, ist Loyalität nur ein lästiges Gebot.

Bühler sagt das nicht, meint es aber. Selbst Wappenküsser haben sich schon von heute auf morgen verabschiedet, weil es anderswo mehr zu holen gab. Sollte zudem die Ablöse stimmen, hätten letztlich beide Seiten etwas davon, eine klassische Win-Win-Situation.

"Ewerton hat eine sehr gute Saison gespielt", sagt Bühler, "wir können nicht die Augen verschließen." Die Augen verschließen vor einem ebenso dynamischen wie überhitzten, zudem längst globalisierten Markt, auf dem ständig irgendwo eine Tür aufgeht und eine andere zu.

Der 1. FC Nürnberg in Person von Robert Palikuca verweist trotzig auf schriftliche Vereinbarungen. "Verträge sind eigentlich da, um sie zu erfüllen", sagt Palikuca, das gilt auch für Ewerton oder Hanno Behrens, der sehr gerne hierbleiben würde, aber im Interview mit dieser Zeitung auch gesagt hat: "Man soll im Fußball nie etwas versprechen."

Auch Eduard Löwen hat nie etwas versprochen, selbst im Wintertrainingslager in Spanien allerdings noch betont, sich nicht mit einem Wechsel zu beschäftigen, "schließlich habe ich ja auch noch Vertrag." So hat er das, gerade genesen von einer langwierigen Verletzung, im Livechat auf Instagram erzählt, den Vertrag hat er immer noch und im Juni sogar langfristig verlängert.

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Club gegen Sportclub: Das Abstiegstrauma lässt grüßen

Nürnberg gegen Freiburg bedeutet Abstiegkampf. 2013/14 war dies bereits am 11. Spieltag der Fall. In der Vergangenheit trafen die Duelle oft Entscheidungen über die jeweilige Klassenzugehörigkeit. In einem Fall war dies aus fränkischer Perspektive besonders schmerzlich.


Insbesondere bei seinen Ausflügen zur deutschen U21-Nationalmannschaft wird er schon mitbekommen haben, wieviel sein Talent tatsächlich wert sein kann. Sechs bis sieben Millionen Euro soll Eintracht Frankfurt angeblich bereit sein, für ihn zu überweisen.

Ewerton wäre für weniger zu haben, wenn ihn der Club denn ziehen ließe. "Es gibt aktuell kein Angebot", beruhigt sein Berater, was nicht ist, kann bis spätestens 31. August aber noch werden: "Wir kennen alle seine Qualitäten."

Wolfgang Laaß

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