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Alleine gegen Stuttgart: Als Pinola auf die Nordkurve zuraste

Der Franko-Argentinier verbindet mit den VfB-Duellen große Erfolge - 21.06.2020 05:41 Uhr

Der perfekte Abschluss eines "tollen Tages": Javier Pinola knipste Stuttgart 2010 durch seinen Last-Minute-Treffer die Lichter aus. Im Anschluss schickte er vom flutlichtbestrahlten Feld Küsse an die Familie und in die Nordkurve.

© Sportfoto Zink


"Es war ein toller Tag. Schon vor dem Spiel hatte ich ein gutes Gefühl", erzählte Javier Pinola nordbayern.de schon vor einiger Zeit. Als der VfB im September 2010 in der noch jungen Saison beim bis dahin sieglosen FCN gastierte, feierte der Vollblutcluberer eine Premiere: "Nie zuvor oder danach hatte ich so eine Chance."

Solo gegen die Schwaben: "Ich bin einfach nur gerannt" 

Pinola spricht von der 90. Minute. Jener Minute, in der er an einem flutlichthellen FCN-Abend die Partie im Alleingang entschied. Sein Club, nach Gelb-Rot für Andi Wolf in Unterzahl, hatte sich in den Sequenzen zuvor couragiert verteidigt. Nach einer Ecke waren die Gäste aus Stuttgart auf einmal ganz weit aufgerückt. Der Ball landete bei Julian Schieber. Die VfB-Leihgabe steckte die Kugel auf den vehement nach vorne preschenden Pinola durch. Der heißblütige Außenverteidiger raste alleine auf die Nordkurve und Sven Ulreich zu - und blieb vor dem Keeper kalt wie eine Hundeschnauze. "Diese Sekunden waren etwas Besonderes, die letzten vierzig, dreißig Meter die längsten meines Lebens", berichtete Pinola im Telefongespräch. Vor seinem Torabschluss, so sagte er damals, sei er "einfach nur gerannt".

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Die letzte Erinnerung an den Aufstiegsanwärter aus Stuttgart, den Nürnbergs immer noch abstiegsbedrohter Lieblingsclub am Sonntag empfängt, ist nur zum Teil eine fröhliche. Doch der FCN hatte schon durchaus Spaß gegen die Schwaben. Wir geben einen Überblick, wie sich der Altmeister in den Begegnungen mit dem VfB seit der Jahrtausendwende so schlug.


Vor der Begegnung hatte sich Nürnbergs Lieblingsargentinier mit Julian Schieber unterhalten. Mit dem Mann, der den Club bereits nach drei Minuten für seinen forschen Offensivdrang belohnt hatte. Nach Pinolas Zuspiel in die Schnittstelle steuerte der athletische Angreifer auf die Gäste-Kiste zu und schob abgeklärt zur FCN-Führung ein. Die Schwaben mühten sich nachfolgend um den Ausgleich. Cacau bewerkstelligte ihn spät. Der Stürmer, der zwischen 2001 und 2003 selbst für den 1. FC Nürnberg auf Torejagd gegangen war, und seine Teamkameraden wollten den Sieg - und kassierten die Niederlage.

 

Fern der Heimat und der Fokus auf dem FCN

"Das war Wahnsinn." Mit diesen Worten erinnert sich Pinola an sein letztes Bundesligator. 37 Jahre ist der Herzensnürnberger inzwischen - und in Argentinien fern der Heimat. Erfolgreich ist Pino freilich immer noch, auch wenn es im Vorjahr im Endspiel der Copa Libertadores gegen Flamengo Rio de Janeiro eine mehr als schmerzhafte Niederlage setzte.

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Javier Pinola steht für Leistungsbereitschaft, Leidenschaft und Liebe zu seinem Verein. Zehn Jahre ging der Pokalsieger von 2007 mit dem FCN durch dick und dünn. Bis, ja bis ein trister Juni-Tag Gewissheit brachte. 2016 feierte Pino seine Rückkehr in die Nationalmannschaft, bei seinem Klub River Plate ist er eine der Säulen. Feliz cumpleaños, du Freund der Stadt!


Zu Jahresbeginn hat der rot-schwarze Raketenmann, der Dauerläufer gegen Stuttgart - in Argentinien nicht mehr auf der Außenbahn, sondern im Abwehrzentrum mit jener unerbittlichen Konsequenz tätig, die ihn schon für den FCN so wertvoll machte - seinen Vertrag bei River Plate bis 2021 verlängert. Dies sei "keine Entscheidung gegen den Club" gewesen, betonte Pino vor nicht allzu langer Zeit im Interview mit der Bild. Und berichtete, dass er - auch wenn er es dieses Mal im Winter nicht geschafft habe, heimzukommen, nach dem FCN und dem Haus in Fischbach zu sehen - in Kontakt sei mit dem Club. Weiterhin. Oder besser gesagt: wieder. 


FCN-Rechenspiele: Die Szenarien im Abstiegskampf-Endspurt


Während unter Sportvorstand Bornemann das emotionale Thema Pinola-Rückkehr zum Verdruss des vehementen Verteidigers ziemlich emotionslos behandelt wurde, hat man sich mit Sportvorstand Palikuca offenbar bereits ausgestauscht über ein Club-Comeback. Darüber, dass man den verdienten Spieler wie die Wolfs, Galaseks, Nüssings und Hintermaiers integrieren wolle in Nürnbergs Herz- und Schmerzverein, der den Menschen in der Stadt und auch Pinola soviel bedeutet.

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Javier Pinola und der 1. FC Nürnberg, das war eine lange (Liebes-)Geschichte, die am 34. Spieltag der Saison 2014/15 um ein Kapitel reicher wurde, aber zugleich ihren vorläufigen Abschluss fand. Mit einer imposanten Choreographie feierten die Clubfans ihren argentinischen Liebling, der beim FCN nun jedoch nicht mehr weiterbeschäftigt wird.


Der Club und das Glück 

In seinem hauseigenen Kraftraum in Südamerika hält sich der FCN-Hero vor einem Bild fit, das Pino-Huckepacker Raphael Schäfer zeigt, zwei glückliche Menschen, den glücklichen Club vergangener Tage. Groß dokumentieren - wie es Pinola mit diesem kleinen Einblick in seine private Muckibude über Social Media tat - muss man die besonders Beziehung zwischen dem 37-Jährigen und dem Altmeister eigentlich nicht. Auch wenn Pino-Berater Marcelo Carracedo das im argentinischen Radio unlängst noch einmal herausstellte. Und in den Raum setzte, dass sein Schützling vor dem Karriereende für die letzten sechs Monate noch einmal zum Club kommen könnte, um einige Partien zu spielen, im Anschluss in eine andere Funktion zu wechseln und wieder in Nürnberg glücklich zu werden. 

"Ein Triumph, den ich immer in meinem Herzen trage"

Es ist einfach so. Seine größten Glücksmomente erlebte der Vorzeigeprofi beim Club. 2007 etwa, als das turbulenteste Kräftemessen zwischen Nürnberg und Stuttgart weder in der Noris noch in Bad Cannstatt über die Bühne ging. Der Pokal-Coup im Berliner Olympiastadion, der größte Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte, ist für Pinola "ein Triumph, den ich immer in meinem Herzen trage". So glücklich war der Franko-Argentinier, der sich seine Heimkehr zum Club so sehr wünscht, wahrscheinlich nur noch, als im September 2010 aus 40 Metern 30 und aus 30 Metern 20 wurden. Als die Fans des Altmeisters ausflippten und zum Abschluss eines tollen Tages Bussis in die Nordkurve flogen. 

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