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Als Brungs gegen Braunschweig Köpfchen zeigte

Meisterprüfung bestanden: Nürnbergs Torgarant war 1967 Gold wert - 29.10.2020 11:45 Uhr

Mit dem Fuß, mit dem Kopf, mit Torgarantie: In der bislang letzten Nürnberger Meistersaison 1967/68 machte sich Franz Brungs in Braunschweig als Doppeltorschütze um den Club verdient.

14.02.2013 © NN-Archiv


"Wir waren in Braunschweig von Beginn an da, hochkonzentriert, hatten uns da schon zu einem Spitzenteam entwickelt." Franz Brungs erinnert sich gut an den 16. September 1967. An den Tag, an dem sein Club abermals andeutete, dass er die Eintracht in dieser Spielzeit vom Fußball-Thron stürzen sollte. Anerkennung fand dies nicht nur bei der Bundesliga-Konkurrenz

Der überzeugende 3:0-Auwärtserfolg - der FCN grüßte nach ihm mit 11:1 Punkten von der Tabellenspitze - animierte nach Abpfiff sogar die Heimfans zu fairem Applaus. Und dies, obwohl oder gerade, weil der Club ein guter Bekannter der Blau-Gelben war. In der Vorsaison noch hatte die so gekleidete Eintracht durch ein 4:1 gegen urlaubsreife Franken an gleicher Stelle den Meistertitel festgezurrt. In einem Spiel, in welchem dem von Abstiegssorgen bereits befreiten FCN nur die Statistenrolle blieb. Einem Match, wie der heute 83-jährige Brungs sagt, in dem es aus Club-Sicht lediglich hieß: "Das Spiel noch und dann ist Pause".

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Nürnberg und Braunschweig - zwei Traditionsvereine, die sich früher an der Tabellenspitze duellierten. Nach einer langen Pause ohne Bundesliga-Partie trafen sie im Abstiegskampf der Saison 13/14 aufeinander, den letztendlich beide verloren. In der zweiten Liga jubelte in den vergangenen Spielzeiten meist die Heimmannschaft. Kurzer Hinweis noch: Das 1:6 aus der letzten Saison, eine der derbsten Club-Klatschen überhaupt, fehlt in dieser Bildergalerie.


Das Wiedersehen mit den Braunschweiger Löwen im September 1967 sollte derweil schnell einen völlig anderen Verlauf nehmen. Nürnberg schwang die Peitsche im Löwenkäfig. Die von Max Merkel schon in der Vorbereitung in die Erfolgsspur gesetzten Gäste beeindruckten mit Laufstärke, technischer Finesse und einer zielgerichteten Offensive. Heinz Strehl, Brungs und Schorsch Volkert bildeten diese in vorderster Front. Das Trio gewährleistete auch bei der erfolgreich absolvierten Meisterprüfung in Niedersachsen Vollgasfußball, dem FCN-Bundesligarekordtorschütze Strehl bereits in der achten Minute Ausdruck verlieh.

"Das war ein schwerer, tiefer Boden dort. Die Braunschweiger Abwehr war etwas schwerfällig. Sie hat mit unseren schnellen Leuten viel Arbeit gehabt", schildert Stumspezialist Brungs, der am Saisonende 25 der 71 Club-Treffer vorweisen sollte, die Folgen. Nürnberg dominierte, Nürnberg attackierte, Nürnberg - und das hieß im Regelfall auch Brungs - vollstreckte. Nachdem kurz vor der Halbzeit der Ball über Volkert und Strehl zum athletischen Angreifer zirkuliert war, trennten diesen nur noch Peter Kaack und Torwart Luffe Wolter vom nächsten Treffer. Mit einer Körpertäuschung narrte Brungs erst den Verteidiger, mit einem Lupfer anschließend den Keeper (39.). An Braunschweigs Defensivkraft kann sich Nürnbergs Torbeauftragter noch gut erinnern: "Der Kaack. Ein Unangehmer, ein Manndecker. Mein Lieblingsgegner. Bei dem wusstest Du immer, da gibt's schön auf die Knochen", erzählt Brungs - in seiner mit rheinischem Witz gewürzten, reduzierten Art. Auch neben dem Platz blieb der Mann, der in Honnef geboren wurde und in Nürnberg lebt, ein blendender Unterhalter.

Im zweiten Durchgang nahm die große, bunte Club-Show ihren Lauf. Der amtierende Meister verzweifelte am künftigen Titelträger. An einer Mannschaft, der Erfolgscoach Max Merkel auch defensiv ratsame Rezepte verordnet hatte. Und vorne? Auch da blieb der FCN gefährlicher. Mehr noch: Er versetzte die Eintracht-Deckung - wie Heinz Röde in den Nürnberger Nachrichten schreiben sollte -"mit schnellem Antritt, langen Pässen und gekonnten Dribblings in einen Dauerschüttelfrost".

Den letzten Freeze-Moment gegen da längst schon dressierte Löwen bescherte Brungs, indem er eine Freistoßflanke von Zick-Zack-Cebinac mit dem Kopf zum 3:0 verwertete (88.). Mit dem Kopf, den er beim atemberaubenden 7:3 gegen die Bayern im Dezember des gleichen Jahres weitere Male gebrauchen sollte. Über 50 Jahre ist die rauschhafte Club-Orgie jetzt bald schon her, als der Blondschopf Beckenbauer und Co. fünf Stück einschenkte. Mit dem Kopf, den er beim Rückspiel in München (2:0) ebenfalls siegbringend einsetze und dem Club im Mai 1968 so seine vorläufig letzte Meisterschaft sicherte. Mit dem Kopf, den er sich im Anschluss vergolden lassen wollte und spätestens da - für alle Zeiten als Goldköpfchen bekannt - zur Nürnberger Legende wurde.

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