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Als Fürths Viktoria-Kegler mit 50 Fans durch die Republik reisten

Fusionsverein aus Duselscheiber und Viktoria wird 100 Jahre alt - 15.04.2021 12:02 Uhr

Im März 2009 hieß es am letzten Bayernliga-Spieltag „Bundesliga aufgepaßt“, denn der Aufstieg in die 3. Bundesliga Süd war geschafft. Hintere Reihe von links: Sportwart Uwe Fleischmann, Michael Schobert, Jens Maier, Martin Wiegel, Mitte: Bernd Klein, Oliver Schneider, Thomas Bauer, Benjamin Wölfing, vorne: Matthias Schnetz und Patrick Scholler.

13.04.2021 © Foto: privat


Schon ein Jahr nach der Gründung waren die Duselscheiber auch Mitgründer des Bayerischen Keglerbundes. Es war eine Zeit, in der das Kegeln das war, was es in der Wahrnehmung bei vielen noch heute ist: ein Sport, der vor allem die Geselligkeit pflegt, kurzum: ein Kneipensport. So heißt es dann auch in Paragraf 1 der Duselscheiber: "Der Club pflegt den Kegelsport und die Geselligkeit."


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Schon der Vereinsname verrät, dass Selbstironie ein gern gesehener Gast war, wie Uwe Fleischmann, Abteilungsleiter der Viktoria, erklärt: "Der Name ist hier wohl Programm gewesen. Scheiber kommt tatsächlich von Schieben und mit dem Dusel wollten sie sich wohl selber etwas auf die Schippe nehmen."

Der Weg zur Fusion ist nicht selten im Kegelsport, wie Fleischmann berichtet: "In den 70er-Jahren war es noch normal, dass die Kegelbahn an eine Kneipe angeschlossen war. Allerdings änderte sich damals schon etwas die Struktur, aus Kegelclubs wurden Vereine oder man ist einem Verein als Abteilung beigetreten."

So war das auch bei der Viktoria der Fall, die sich 1974 dem TV Fürth 1860 anschloss. Der hatte mittlerweile eine Kegelanlage mit vier Bahnen, eine damals äußerst komfortable Situation: "Vorher waren wir gemeinsam mit den Duselscheibern in der Grundighalle am Schießanger, wo es langsam eng wurde. So kam aber auch bei gemeinsamen Abenden auf der Kegelbahn oder beim Bier danach der Kontakt unter beiden Vereinen zustande."

Spitzenkegler verließen die Duselscheiber

Zwar gab es besonders bei den Duselscheibern durchaus Vorbehalte gegen die Fusion, doch die beiden Vorsitzenden Willi Schnetz (Duselscheiber) und Manfred Lehmeier (Viktoria), beide über Jahrzehnte hinweg die prägenden Figuren ihrer Vereine, überzeugten ihre Mitglieder von den Vorteilen eines gemeinsamen Weges. Besonders die Duselscheiber litten unter dem Weggang einiger Spitzenkegler, hinzu kam die unglückliche Situation in der Grundighalle.

Es sollte sich als zukunftsweisender Schritt erweisen. Sprach man vorher nur vom Kegeln, fiel nun immer häufiger der Begriff Kegelsport. Der Schritt weg vom reinen Kneipensport war getan, die Anlage in Dambach bot und bietet beste Voraussetzungen, um die Kugel rollen zu lassen.

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Etwa zur selben Zeit setzte eine gewisse Professionalisierung ein, mit dem Eintritt in die Vereine legten die Kegler mehr Wert auf das Sportliche, auch wenn die Geselligkeit immer noch eine wichtige Rolle spielte. Dennoch: Es wurde öfter und strukturiert trainiert, die Voraussetzungen, um ein wenig mitzukegeln, wurden schwerer.

Manfred Lehmeier war bereits seit 1972 Vorsitzender der „alten“ Viktoria und blieb es auch nach der Fusion 1978 bei der „neuen“ Viktoria. Die erfolgreichste Zeit des Fusionsprojekts gipfelte schließlich in drei Jahren Bundesliga. Das Fundament dafür war die gute Jugendarbeit. Nachdem es 1991 zum ersten Mal in die drittklassige Regionalliga ging, war vor allem um die Jahrtausendwende Jugend Trumpf.

Erster Nationalspieler

Drei Viktoria-Spieler schafften es mit dem "Verein Fürther Sportkegler" bei der Deutschen U 18-Meisterschaft 2000 in Hamburg auf den dritten Platz, darunter Matthias Schnetz, der 2001 gar zum ersten Nationalspieler des Vereins avancierte, als er für das deutsche U 23-Team auflief und später an der WM in der gleichen Altersklasse teilnahm.


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"Das war unsere Basis für den Erfolg. Mit diesem Stamm sind wir beständig gewachsen", blickt Fleischmann zurück. 2011 gelang schließlich der Sprung ins Oberhaus, wo sich die Fürther drei Jahre hielten, einmal sogar Sechster wurden. "Wir haben uns auch in der Bundesliga als Ausbildungsverein gesehen und wollten Spieler aus der Region binden, denn dass kaum Geld da war, wussten wir", sagt Fleischmann. "Dennoch war der Abstieg am Ende ärgerlich." Das Gefühl damals sei ein ganz anderes gewesen: "Wir kamen von der Bezirksliga, also weit unten. Wenn ich zurückdenke, dass wir zum Teil mit 50 Leuten zu Auswärtsspielen gefahren sind und dort Unterstützung bekommen haben, sind das Erlebnisse, die ich nie mehr missen möchte."

Spiele gegen Rot Weiß Zerbst, den FC Bayern unter den Keglern, oder Fahrten nach Berlin und Wolfsburg zählen zu den Höhepunkten – auch und gerade wegen der Fans. "Das hat unsere Gegner schon beeindruckt", erinnert sich Fleischmann schmunzelnd an die Auswärtsfahrten.

Schwierige Suche nach Nachwuchs

Nach dem Absturz in die Landesliga fährt die Truppe zwar mittlerweile nicht mehr nach Berlin, sondern nach Burgkunstadt, doch das Ziel der Viktoria ist es, bald wieder in die zweite Liga aufzusteigen. Für eine erfolgreiche Zukunft braucht es indes auch wieder personellen Nachschub.

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Doch den in einer Zeit zu finden, in der sich schon vor Corona immer mehr Vereine auflösten, wird nicht einfach. Uwe Fleischmann erkennt bei der jüngeren Generation einen Trend: "Ich habe das Gefühl, dass viele sich nicht mehr verpflichten wollen." Es gebe ein Überangebot an Freizeitmöglichkeiten, sodass es in einem Verein, in dem man gewisse Pflichten und Termine gegenüber den Mitspielern hat, "für den einen oder anderen etwas unangenehm ist. Vielleicht ist das auch ein gesellschaftliches Problem, dass sich niemand mehr verpflichten möchte, sondern so viele Freiheiten wie möglich haben will".

Vielleicht ist es schlichtweg der Zeitgeist, der dem so stark an die eingangs erwähnte Geselligkeit gebundenen Kegelsport so zusetzt. Und doch hat die SKK Viktoria Fürth schon oft genug bewiesen, dass sie nach oben kommen kann. Ganz ohne Glück und Dusel.

Markus Eigler Fürther Nachrichten E-Mail

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