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Als Thomas Paulus in Aue länger duschen durfte

Eine fränkisch-sächsische Liebesgeschichte mit derbem ersten Date - 19.04.2021 10:36 Uhr

Vorhang auf für einen Abwehrrecken, der in Nürnberg und Aue Spuren hinterlassen hat - im September 2003 in Form eines Stollenabdrucks. Thomas Paulus (vorne) grüßt mit seinen damaligen Nürnberger Spielkameraden Raphael Schäfer und Stefan Kießling aus mal ganz anderen Umkleidekabinen.

31.07.2014 © Iannicelli


Die Partie am Dienstag (18.30 Uhr, Live-Ticker auf nordbayern.de) ist für Thomas Paulus das Aufeinandertreffen seiner Ex-Vereine. Im Sommer 2017 hat der knochenharte Innenverteidiger seine aktive Laufbahn beendet. Nicht in Nürnberg, nicht in Aue, wo man ihn nach acht Jahren nicht mehr haben wollte. Sondern in Regensburg, wo der mittlerweile 39-Jährige inzwischen als Leiter der jahneigenen Fußballschule wirkt. Vor seinem Engagement im Erzgebirge - die Zeit in Aue kennzeichnete Paulus trotz des damals recht unfreiwilligen Abschieds in einem Gespräch mit Tag24 einmal als "die schönsten Jahre" seiner Karriere - hatte der gebürtige Kelheimer eine persönliche Dekade lang die Fußballstiefel für den FCN geschnürt.

Im Sommer 1997 schloss sich der jugendliche Blondschopf Nürnbergs Herz- und Schmerzverein an. Am Valznerweiher durchlief Paulus sämtliche Junioren-Teams. In der Saison 2003/2004 beförderte ihn Wolfgang Wolf zum Profi. Dem damaligen Club-Coach ist der inzwischen ausrangierte Abwehrhüne - wie dieser der Nürnberger Zeitung vor ein paar Jahren erzählte - "ewig dankbar". Sein Debüt in der 1. Mannschaft - ausgerechnet am Fuße des Zeller Berges, seiner langjährigen Arbeitsstätte nach der Club-Zeit - geriet dennoch zum persönlichen Debakel.

Folge 91: Der Trainer spricht

In der Vorsaison hatte der FCN wieder mal seine Erstklassigkeit eingebüßt. Am 14. September 2003, am fünften Spieltag dieser Runde, lief für den Zweitligisten wider Willen anfänglich allerdings alles nach Plan: Der aufgerückte Marek Nikl verlängerte den Ball nach einem Vittek-Schuss in die Maschen. Keine Viertelstunde blinkte als Spielzeit von der Anzeigetafel, da lag der Aufstiegsaspirant beim Aufsteiger dank Krzynoweks linker Klebe mit 2:0 in Front: Durch seinen satten Schuss machte der Pole - Jacek mit Vorname - Nürnbergs Doppelschlag perfekt. Doch nach einer halben Stunde schmolz der Vorsprung: Anschlusstreffer Shubitidze.

Eindruck auf dem Allerwertesten

Die Partie wurde zusehends hektischer, zweikampfintensiver, "Pauli" - so der Spitzname des Mannes, der an der Seite von Thomas Stehle zentral verteidigte - immer stärker gefordert. Kurz vor der Pause zeigte Schiedsrichter Jörg Keßler Aues Matthias Heidrich die Rote Karte, drei Minuten später schickte er auch Paulus vorzeitig zum Duschen. Dieser war Rostislav Broum, als der FCE-Angreifer auf der Veilchen-Spielwiese einen Zwischenstopp eingelegt hatte - auf den Allerwertesten getreten. Der Referee wertete dies als Tätlichkeit, beendete Paulus' Einstand in Nürnbergs Abwehrzentrale noch vor dem Halbzeitpfiff. Eine Sechs-Spiele-Sperre brummte das DFB-Sportgericht dem Youngster im Anschluss auf. Für eine eher ungeschickte als böswillige Aktion. Eine Aktion, über die Paulus nicht gerne redet, die den robusten Innenverteidiger immerhin aber mit den Nassbereichen im Erzgebirgsstadion bekannt machte. Aufenthaltsorten, die Paulus von 2007 an dann meist entspannter besuchte.

Acht Jahre im Trikot der Veilchen: Thomas Paulus im Zweikampf mit Nürnbergs Albert Bunjaku.

31.07.2014 © dpa


Doch zurück zu Nürnbergs Aue-Gastspiel im Herbst 2003: Zu einem Kräftemessen, das auch in der zweiten Hälfte turbulent bleiben sollte. Krzynowek stellte die Zwei-Tore-Führung wieder her. Doch die von Gerd Schädlich trainierten Sachsen kämpften sich zurück, belohnten sich für ihren couragierten Vortrag binnen drei Minuten: Der gewohnt quirlige Skerdilaid Curri verkürzte auf 2:3, Jörg Emmerich bezwang Raphael Schäfer vom Elfmeterpunkt und sicherte dem dreimaligen DDR-Meister so einen verdienten Punktgewinn. Hatte der Club-Motor zu Saisonbeginn noch gestottert - das 3:3 in Aue bedeutete das vierte Remis in Serie in einer Abfolge von sieben sieglosen Spielen - lief er beim Wiedersehen mit den Sachsen auf Hochtouren. Marek Mintal besorgte nach einer Krzynowek-Ecke das 1:0 - der 14. von 18 Saisontreffern des Zweitliga-Torschützenkönigs. Nach einer weiteren Krzynowek-Ecke und Mintals Vorarbeit war es Stehle, der einen ungefährdeten 2:0-Heimsieg festzurrte.

Kos' Kollege

Für Thomas Paulus sollte die Karriere ab 2007 derweil in Aue weitergehen. Dort, wo Tomasz Kos bereits seit 2004 spielte. Der polnische Nationalspieler, der die vormalige FCN-Pressesprecherin Kerstin Dankowski als Freundin mit ins Erzgebirge brachte, erhielt fortan auch auf dem Platz Nürnberger Unterstützung. Knapp 200 Pflichtspiele bestritt Paulus fortan in Aue, wo er sich rasch als Anführer etablierte. Der Niederbayer wurde Publikumsliebling und dienstältester FCE-Profi. Und war bis 2015 aus dem 16.000-Einwohner-Städtchen nicht mehr wegzudenken - aus der Veilchen-Viererkette ebenso wenig wie aus den Duschen.

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Andreas Pöllinger Online-Redaktion, Sport

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