-5°

Montag, 08.03.2021

|

zum Thema

Als Türr Nürnbergs Aufholjägern die Tür öffnete

Einmaliges Club-Comeback in Bochum: Der damalige Edeljoker trifft doppelt - 16.01.2021 06:45 Uhr

Und dann die Hände zum Himmel . . . Frank Türr jubelt für den 1. FC Nürnberg, später tat er das dann auch noch für, na klar: Bochum.

02.10.2014 © Foto: Herbert Liedel


Folge 77: Die Geburt einer neuen Mannschaft

"Das war eines meiner ersten Spiele in der 1. Liga. Und ein recht erfolgreiches." Frank Türr - mit dem wir über das entsprechende Match vor einigen Jahren redeten - genießt die Erinnerung an den 21. Oktober 1989, an die Castroper Straße. In der 56. Minute zieht Hermann Gerland den Joker. Der im Club-Käfig genervt umhertigernde Gästecoach bringt Nürnbergs Nachwuchstürmer. Die Ausgangslage ist denkbar schlecht: Just vor seiner Einwechslung hat der 19-Jährige an der Seitenauslinie die dritte Bochumer Bude miterlebt. "Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt" ist ein in der Abwehr desolater Club dabei, völlig zu zerbröseln. Der VfL dominiert die Partie im Grönemeyer-Land deutlich. Mit und ohne "Doppelpass".

Kein Nürnberger rechnet damit, dass der FCN sich zurückkämpfen, den eklatanten Rückstand aufholen wird. Auch nicht Türr, der seit der C-Jugend am Valznerweiher auf Torejagd geht. "Nach dem Verlauf und dem Zwischenstand wäre eine Niederlage selbstverständlich gewesen. Für mich ging es darum, mich zu etablieren, in die Mannschaft zu finden. Jede Spielminute war kostbar. Das Ziel war, sich zu empfehlen, in den Vordergrund zu spielen."

Tiger auf Betriebstemperatur

Dies gelingt dem Franken formidabel. In der 62. Minute ist nach seiner Einschätzung allerdings "auch etwas Glück dabei", als er aus 18 Metern beherzt abzieht. Der abgefälschte Schuss saust in die Maschen. Türr verzichtet auf den Torjubel und ist in der 68. Minute bereits wieder im Zentrum des Geschehens. Der jugendliche Angreifer assistiert dem ebenfalls eingewechselten Thomas Kristl, Anschlusstreffer.

"Tiger" Gerland – aufgrund seiner Herkunft, Verdienste und bodenständigen Art ein Synonym für Bochum – ist jetzt endgültig auf Betriebstemperatur. Er zieht seinen Anorak aus, trommelt mit den Fäusten unaufhörlich auf das Dach der Gästebank. Auch Frank Türr will nun mehr. Der Club drängt nach vorne, hat Rückenwind. Das Drehmoment wird immer sichtbarer. "Man bekommt die zweite Luft, gewinnt das Selbstbewusstsein zurück", erklärte der heute 50-Jährige vor einigen Jahre das am Neuen Zabo weitestgehend unbekannte Phänomen. In der 85. Minute ist es natür(r)lich das Sturmtalent, das mit brachialer Schussgewalt das 3:3 erzielt. Ralf Zumdick – die "Katze" im VfL-Kasten – ist chancenlos. Türr und seine Spielkameraden tollen derweil bei Abpfiff über den Rasen. Aus Freude über die Korrektur eines Drei-Tore-Rückstands - über eine für den FCN seit Gründung der Bundesliga ziemlich einmalige Geschichte.

Kargus unter Dauerbeschuss

Umso schöner macht die Geschichte aus fränkischer Sicht, dass Bochum als Angstgegner gilt. Im Mai 1983 etwa hat der Club im Revier kräftige Schelln kassiert. Bester Nürnberger beim derben 0:6 ist Rudi Kargus. Der Schlussmann steht im Ruhrstadion unter Dauerbeschuss. Mit zahllosen Glanzparaden – inklusive eines parierten Foulelfmeters – verhindert er, dass aus dem halben Dutzend ein ganzes wird. Den ersten Sieg gegen den VfL bewerkstelligt der FCN im Februar 1987. Hansi Brunner ist es, der sich in der 88. Minute an der Sechzehnermarkierung ein Herz fasst und das Spielgerät in den Winkel schweißt. 100 Sekunden später ist der Bochum- Bann gebrochen, der erste Auswärtserfolg für das in dieser Saison vor allem heimstarke Höher-Team amtlich.

Ebenfalls für gute Laune sorgen Jahre später die Sportfreunde Ciric, Saenko und Kluge. Vielleicht animiert von Frank Türr werden auch diese im Pott zu Doppelpackern. Nürnbergs Vorzeige-Mazedonier lässt beim 3:0 im Mai 1999 das kurz darauf folgende Abstiegsdrama als wirre Einbildung erscheinen. Ivan Saenko entscheidet im Februar 2007 die Partie mit zwei Treffern spät. Sieben Monate danach bringt Peer Kluge den FCN zweimal in Front. Der Mittelfeldderwisch ist es auch, der mit einer herrlichen Kopfball-Vorlage "Zwetschge" Misimovic an alter Wirkungsstätte den Schlusspunkt ermöglicht.

+++ Club-Besuch in Bochum: Klauß lässt Lohkemper daheim +++

Bilderstrecke zum Thema

Schluss im Sommer? Mühl und mehr - diese Verträge enden beim FCN

Auf Sportvorstand Dieter Hecking dürfte beim 1. FC Nürnberg im Sommer viel Arbeit warten: Gleich elf Verträge laufen zum 30. Juni 2021 aus - neben einigen Reservisten könnten dann auch langjährige Stammkräfte wie Hanno Behrens, Georg Margreitter und Lukas Mühl den Club verlassen. NZ-Redakteur Uli Digmayer hat die potenziellen Abgänge unter die Lupe genommen.



Sie wollen noch mehr Club-Content? Dann...

... melden Sie sich hier für "Ka Depp - der Newsletter" an

... folgen Sie unserer Facebook-Seite "FCN-News"

... folgen Sie unserer Instagram-Seite "Ka Depp - der FCN-Podcast"

... treten Sie unserer Facebook-Gruppe "Ka Depp - Der Club-Podcast von nordbayern.de" bei

Bilderstrecke zum Thema

Stark als Mannschaft, individuell mit Potential: Die FCN-Einzelkritik

Mit dem Club haben gegen den Tabellenführer aus Hamburg wohl die wenigsten gerechnet. Auf dem Platz war dann aber nicht zu erkennen, welche der beiden Mannschaften an der Tabellenspitze und welche irgendwo im unteren Mittelfeld steht. Auch ohne Trainer Robert Klauß an der Seitenline wusste der FCN als Einheit zu überzeugen, individuell ist zum Teil noch Luft nach oben. NZ-Sportredakteur Uli Digmayer mit den Einzelkritiken!


2

2 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Sport