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Freitag, 05.06.2020

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Altenberg will mit diesem Kader in die Handball-Landesliga

Blick in die Zukunft statt Hoffen auf Wiederanpfiff bei den TSV-Frauen - 29.03.2020 16:32 Uhr

Sandra Günthert ist ein Altenberger Eigengewächs. Sie hat das Gefühl, dass der Kader zusammenbleibt, um aufzusteigen. © Foto: Daniel Marr/Zink


Bei der Flut an Meldungen zum Coronavirus scheint dieser Vorfall schon wieder eine Ewigkeit zurückzuliegen: Nach einer Zwangspause mit einem abgesagten Spiel Anfang März wollte der TSV Altenberg in der Handball-Bezirksoberliga der Frauen eigentlich sofort in den Ligabetrieb zurückkehren. Da eine Spielerin aus dem Urlaub in Südtirol einen Schnupfen mitgebracht hatte, wurde das Lokalderby gegen die HG Zirndorf II vorsorglich abgesagt.

Trainer Thomas Fischer durfte nur wenige Tage später in Sachen Corona-Verdacht Entwarnung geben: "Die Spielerin hat sich testen lassen und ist negativ." Somit stand dem Wiedereinstieg in die Runde eigentlich nichts mehr im Weg: Der TSV freute sich auf das Heimspiel gegen Rothenburg. Die Gegner sind Tabellennachbarn: Altenberg belegt bis heute mit einer Bilanz von neun Siegen, einem Unentschieden und sechs Niederlagen Platz sieben, Rothenburg folgt einen Rang dahinter.

Der Sieger hätte einen Schritt aus dem Niemandsland der Tabelle gemacht. Doch dazu kam es bekanntlich nicht: Der Spielbetrieb ruht in den Handballligen – ob und wann er wieder aufgenommen wird, weiß derzeit niemand.

So gerät die Rückschau der sportlichen Leitung möglicherweise bereits zu einer Gesamtbilanz der Spielzeit. Thomas Fischer zeigt sich mit dem Rundenverlauf und der aktuellen Platzierung nur eingeschränkt zufrieden. "Obwohl die Saison als Aufbausaison gedacht war, wollten wir trotzdem unter die ersten Drei der Tabelle kommen. Leider war der Wurm drin und wir konnten nicht ansatzweise unser Leistungsvermögen abrufen."

Aber woran liegt das? Auch hier hat Fischer, der mit Co-Trainer Paul Maidl die Altenbergerinnen betreut, eine Erklärung: "Es hat einfach damit zu tun, dass wir uns selbst nicht vertraut haben. Mit größerem Selbstvertrauen wäre deutlich mehr möglich gewesen." Trotzdem ist der Trainer zuversichtlich, dass sich seine Mannschaft bis zum Ende einer fortgeführten Spielzeit in der Tabelle einige Plätze nach oben orientieren würde.

Raus aus dem Niemandsland

"Im Mittelfeld der Tabelle wäre noch alles möglich. Zwischen Platz drei und acht sind nur wenige Punkte Unterschied, da kann sich noch einiges verschieben." Bezüglich der Planungen für die kommende Runde geht er davon aus, dass der Kader weitgehend zusammenbleibt.

Im Augenblick wisse er nicht, dass sich jemand verändern möchte. Und weiter: "Es wird bestimmt die eine oder andere Spielerin aus der Jugend fest zu uns stoßen. Allein die Suche nach einer zweiten Torfrau bleibt weiter bestehen." Auch das derzeitige Trainerteam, so der Coach, wolle weitermachen.

Eine seiner Stammspielerinnen ist Sandra Günthert. Sie spielt bereits von Kindesbeinen an beim TSV Altenberg. Die 24-jährige Studentin der Wirtschaftspsychologie bekam das Handball-Gen in die Wiege gelegt: Ihre Oma gründete die Handballabteilung, die Mutter war Trainerin und ist im Vorstand. Günthert bezeichnet sich als "Altenberger Eigengewächs" und ist überwiegend auf der Linksaußenposition daheim.

Nach einer OP konnte sie erst im Oktober wieder ins Training einsteigen und musste viel Geduld aufbringen, um den Anschluss zu finden. "Es hat viel Zeit gebraucht, wurde aber von Training zu Training besser", beschreibt sie ihren persönlichen Rückblick. Mit dem bisherigen Abschneiden der Mannschaft könne man insgesamt einverstanden sein, meint Günthert, die auch Jugendleiterin im Hauptverein ist.

Ziel sei es, an der Spitze dran zu bleiben, ohne Aufstiegsambitionen zu hegen. "Unsere Auftritte waren wellenförmig, es war ein Auf und Ab. Es haben Leitfiguren gefehlt, die das Zepter in die Hand nehmen und vorausgehen", findet sie.

Dabei müsse man aber berücksichtigen, dass der Kader mit einem Durchschnittsalter von 22 Jahren noch sehr jung sei und den meisten die Routine fehle. Darüber hinaus mussten – teilweise längere – verletzungsbedingte Ausfälle kompensiert werden. Trotz allem sei die Stimmung in der Gruppe sehr gut: "Wir hatten eine ausgezeichnete Trainingsbeteiligung, alle haben in jedem Training hundert Prozent gegeben. Die Spielerinnen sind sehr zufrieden und ergänzen sich super gut." Mannschaftsabende und der Besuch von Bundesligaspielen des HC Erlangen gehörten zum Standardprogramm vor der Pandemie.

"Niemand will wechseln"

Für Ende April war eine Abschlussfahrt nach Österreich geplant, die jetzt natürlich gestrichen ist. Es verwundert nicht, wenn Günthert verkündet: "Niemand hat die Motivation, zu einem anderen Verein zu wechseln, auch nicht zu einem höherklassigen. Wir wollen hier in den nächsten Jahren etwas aufbauen und streben als langfristiges Ziel den Aufstieg in die Landesliga an." Sie glaube aber nicht, dass der Ligabetrieb in der laufenden Spielzeit noch einmal aufgenommen werde. "Nachdem die Saison in der ersten und zweiten Bundesliga der Frauen abgebrochen worden ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass es im Amateurbereich weitergeht."

So bleibe den Spielerinnen derzeit nur der Kontakt über WhatsApp, wo Bilder, zum Beispiel vom Joggen, hin- und hergeschickt werden. Thomas Fischer, dessen Tochter Lena in der zweiten Liga bei den Freiburger "Red Sparrows" Torhüterin ist, teilt die Skepsis: "Der Spielbetrieb kann frühestens Ende April wieder aufgenommen werden. Ab dann muss man den Vereinen aber erst eine Vorbereitungszeit geben. Das hätte zur Folge, dass die Saison sich möglicherweise bis in den Juli oder August hineinzieht." Das halte er nicht für machbar, auch im Hinblick auf den Start der neuen Spielzeit im September.

HERBERT DRÖSE

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