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Angriff zum Abschied: So tickt Kleeblatt-Gegner SC Paderborn

Trainer Steffen Baumgart verlässt den SCP und setzt wieder auf Offensive pur - 15.05.2021 06:00 Uhr

Verlässt den SC Paderborn nach vier aufregenden Jahren: Trainer Steffen Baumgart hat seinen Vertrag nicht verlängern wollen und wechselt zum 1. FC Köln.

11.05.2021 © Bernd Thissen, dpa


Steffen Baumgart ist immer für einen Spruch gut. Gerade macht seine Aussage Schlagzeile, dass sein SC Paderborn für Pokalsieger Borussia Dortmund die einzig wahre Hürde in diesem Wettbewerb gewesen sei. An mangelndem Selbstbewusstsein leidet der Fußballtrainer nicht. Wenn der 49-Jährige zur neuen Saison sein Amt beim 1. FC Köln antritt, wird ihm das sicher helfen. Die Domstadt ist für einen Coach kein einfacher Arbeitsort. Und doch hat sich Baumgart dafür entschieden - nach all den Jahren an der Pader.


Kleeblatt in Paderborn: Jetzt müssen Ergebnisse her


Im April 2017 übernahm er das Traineramt und führte den SCP von der dritten Liga in die Bundesliga. Nach diesem Jahr aber ist Schluss - und Steffen Baumgart bedankt sich schon vor seinem letzten Heimspiel am Sonntag (15.30 Uhr, Liveticker auf nordbayern.de) gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth stilecht: In der Pressekonferenz vor dem Spieltag ist zuerst nur sein T-Shirt im Video-Ausschnitt zu sehen - mit einem großen Aufdruck: "Paderborn - danke für alles".

Weil sein Kopf deshalb abgeschnitten ist, sieht das ein wenig seltsam aus. Es ist aber auch ein Zeichen: Es geht nicht um ihn als Person, sondern erst einmal nur um seine Botschaft. Überheblich war Baumgart nie. Erst als er zu sprechen beginnt, verstellt er seine Kamera, sodass auch sein Gesicht zu sehen ist. "Das mit dem Shirt", sagt Baumgart dann zuerst, "war schon Absicht".

Für den SC Paderborn ist es - auch wenn keine Fans im Stadion sein werden - ein emotionales Saisonfinale. "Es wäre schön gewesen, wenn da alle hätten dabei sein können. Doch auch so steht außer Frage, dass wir unser letztes Heimspiel gewinnen wollen", sagt Baumgart. Komme, wer wolle. Auch wenn der SC Paderborn sportlich nicht mehr viel gewinnen kann, die Mannschaft wird es dem Kleeblatt - ähnlich wie beim 1:1 im Hinspiel - keineswegs leicht machen.

Mit der Gesamtsituation ...

sind die Ostwestfalen zufrieden. Der SCP steht in der zweiten Liga mit 46 Punkten auf Rang acht im sicheren Tabellenmittelfeld. Im DFB-Pokal-Achtelfinale unterlag der SCP dem BVB knapp mit 2:3. Nach der turbulenten Vorsaison und dem Bundesliga-Abstieg ist die Ruhe in dieser Zweitliga-Runde schon ein Erfolg. Unvergessen ist der Doppel-Abstieg von 2014/15 und 2015/16, als es von der Beletage direkt runter ging in Liga drei. Das sollte sich auf keinen Fall wiederholen - und das ist Steffen Baumgart und seinem Team gelungen.

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In dem ein oder anderen Spiel hat Paderborn zwar auch Punkte liegen lassen. "Die Leistung aber hat fast immer gestimmt", sagt Baumgart. "Wir mussten die Mannschaft erst einmal entwickeln. Für uns haben wir eine vernünftige Saison gespielt, wir hatten nie Probleme nach unten. Wir haben viele unserer Ziele erreicht."

Der letzte Auftritt ...

war ein Paradebeispiel für das Paderborner Spiel. Mit 8:3 (4:2) fertigten die Ostwestfalen den FC Erzgebirge Aue ab - das waren die meisten Tore in einer Zweitligapartie seit dem Jahrtausendwechsel. Die Veilchen hatten bereits früh mit 2:0 geführt - dass das gegen den SCP noch nichts zu bedeuten hat, war in den folgenden Minuten eindrucksvoll zu sehen. Bereits zur Pause lag der SCP mit zwei Toren in Führung. Nach dem Seitenwechsel gab es gar kein Halten mehr.

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Gegen das Kleeblatt soll es ähnlich laufen. "Wir werden unseren Fußball nicht verändern", kündigt Baumgart an, "und auch da versuchen, nach vorne zu spielen. Deswegen gehe ich davon aus, dass es ein offener Schlagabtausch wird." Torwart Jannik Huth und Mittelfeldspieler Sebastian Vasiliadis werden den Paderbornern verletzt fehlen, fraglich sind noch Rechtsverteidiger Frederic Ananou und Innenverteidiger Uwe Hünemeier, die beide anschlagen sind.

Alle Augen auf ...

Steffen Baumgart. Und nicht nur, um zu sehen, ob er nicht doch die ein oder andere Träne verdrückt. Der Coach ist eine Marke: vor allem wegen der Offensiv-Power seines Teams, aber auch wegen seiner authentische Art, seinen kernigen Aussagen und seiner Leidenschaft für den Fußball. Ob Kritik am Videobeweis oder am DFB - Baumgart sagt deutlich, was er denkt. Im glattgebügelten Profifußball eine Seltenheit.

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Sein Abschied in Paderborn, glaubt Baumgart, der seinen Vertrag nicht verlängern wollte, werde ohne Fans in der Arena nicht ganz so emotional sein: "So kann ich mich vielleicht ein bisschen besser aufs Geschehen auf dem Feld konzentrieren." So zumindest der Plan. In der Pressekonferenz dankt er abschließend ausführlich dem Team und dem Team hinter dem Team, natürlich auch den Anhängern. Ob es nach dem letzten Heimspiel noch einen guten Spruch gibt, ist am Sonntag zu beobachten.

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