Donnerstag, 01.10.2020

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Atzenhof: Der Traum vom Fliegen lebt im Golfball weiter

Beinahe hätte es den Platz neben dem Solarberg nie gegeben - 13.08.2017 10:00 Uhr

Im Fürther Stadtteil Atzenhof liegt der Platz des 1. Golf Clubs Fürth zwischen Main-Donau-Kanal (rechts) und Solarberg.

© Foto: Knut Pflaumer


"Fürth war eine flugbegeisterte Stadt", weiß Historikerin Renate Trautwein. Sie referierte im Rahmen der Jubiläumswoche zum 25-jährigen Bestehen des Golf Clubs Fürth über die Geschichte des Flugplatzes auf der Atzenhofer Heide. In privaten Werkstätten und in Hinterhöfen bastelten die Fürther eifrig an Fluggeräten. Abenteuerliche Konstruktionen, die vorbehaltlos auf ihre Flugfähigkeit hin ausprobiert worden seien. "Irgendwann wollte man diesen Enthusiasmus kanalisieren." So wurde 1911 die Vereinigung zur Förderung der Fliegerei gegründet. Nur drei Jahre später gewann das Atzenhofer Flugfeld richtig an Bedeutung. Das Militär suchte zu Beginn des Ersten Weltkriegs nach einem Standort für einen Flugplatz in Franken. "Die Entscheidung fiel zwischen dem Hainberg und Atzenhof."

Der Hainberg erschien wegen der weiteren militärischen Nutzung und der "damit verbundenen Schießerei" weniger geeignet, heißt es in Aufzeichnungen von damals. "Für Atzenhof hingegen sprach vieles: Orientierungspunkte wie Eisenbahnlinie, Flüsse und die Kirchtürme von Sankt Michael und Burgfarrnbach", erklärt Trautwein. Das war insofern wichtig, als dass die Piloten noch auf Sicht landeten. Anfangs brachte man die Maschinen noch in Zelten unter. Kurz vor Kriegsende dann waren neun Hallen aufgebaut. Die Versailler Verträge diktierten der Verlierernation aber bald, sieben von ihnen wieder abzureißen, nur zwei blieben stehen. Heute sind sie Wohnungen.

Atzenhof durfte nach 1918 nur noch als Zwischenstation für Kurierflüge zwischen Paris und Prag genutzt werden. Doch schon in den Zwanziger Jahren startete unter dem Deckmantel der zivilen Fliegerei die erneute Ausrichtung aufs Militär. "Aus den Langstrecken- wurden die Bomberflieger, aus den Reklamestaffeln gingen die Jagdflieger hervor." Richtig an Bedeutung gewann Atzenhof dann während des sogenannten Dritten Reichs. Der Flugplatz wurde zum Fliegerhorst, die Tradition der Flugschule wurde fortgeführt, auch Ausländer ließen sich hier zu Piloten ausbilden.

Der Fliegerhorst Atzenhof wurde bei Kriegsende nicht gesprengt, so wie es eigentlich der Befehl der Heeresleitung gewesen wäre. Der Grund: "Der letzte Kommandant verlor die Nerven und ist samt seiner Leute einfach geflohen." Am südlichen Teil des Geländes, Richtung Mühlstraße hin, gibt es unterirdische Stollen, die noch kaum erforscht sind. Über deren Verwendung könne man derzeit noch nichts Verbindliches berichten, verrät Trautwein, die mit der Erforschung betraut worden ist.

Unterhaltung für Soldaten

Den Golfsport brachten schließlich US-amerikanische Soldaten nach Atzenhof, wie aus der Chronik des Vereins zu erfahren ist. Bereits 1947 gab es eine "Recreation Area", ein Erholungsgebiet, im Wiesengrund neben der Vacher Straße, die neben einer Bühne für Shows zur Truppenbetreuung auch zwei Baseballfelder und eine provisorische "Driving Range" zum Üben des Abschlags aufwies.

Das Gelände der Monteith-Kaserne wurde 1960 in Richtung Atzenhof um etwa 5,5 Hektar erweitert. Als der Kanal errichtet wurde, zerschnitt er das Gelände und ein Großteil des Golfplatzes musste dafür geopfert werden. Erst dann entstand der jetzige 18-Loch-Platz. Auch Deutsche durften darauf spielen, allerdings nur mit Genehmigungen des Bundesvermögens- und des Hauptzollamtes. 1991 begann der Truppenabbau der US-Army, bis 1992 waren bereits 4000 der im Nürnberger Raum stationierten Soldaten abgezogen.

Diese Entwicklung ließ einen über lange Jahre hinweg angedachten Plan zur Realität werden, heißt es in der Vereinschronik: Die Gründung eines deutschen Golfclubs und die Erlangung des uneingeschränkten Spielrechtes auf der Monteith-Golfanlage.

Die Gründungsversammlung des "1. Golf Club Fürth" fand am 18. Oktober 1992 im Gasthof Weigel in Kronach statt. In den beiden Folgejahren waren die Fürther Golfer noch die Gäste der verbliebenen US-Soldaten, 1995 und ’96 war der Verein Pächter, ehe er das Grundstück für 9,5 Millionen D-Mark im Bieterverfahren von der Bundesvermögensverwaltung erwarb.

PETRA FIEDLER UND MARTIN SCHANO

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