Auf dem Motorrad mit 300 km/h? "Habe keine Angst"

22.5.2021, 15:39 Uhr
Volle Tribünen wird es beim Start Im Oschersleben nicht geben. Marco Fetz ist trotzdem froh, dass es wieder losgeht.

Volle Tribünen wird es beim Start Im Oschersleben nicht geben. Marco Fetz ist trotzdem froh, dass es wieder losgeht. © Foto: Fetz-Racing

Seine Vorfreude kann Marco Fetz kaum verbergen. Nach einer langen Phase der Unsicherheit startet am Wochenende die neue Saison der IDM 1000, der höchsten deutschen Motorrad-Rennserie. Der junge Rennfahrer geht in seine zweite Saison in der Königsklasse – und das mit einem neuen Team. Im Winter ist er vom Rennstall Suzuki/Laux zu BMW/Wilbers gewechselt. Schon am Donnerstag ist Fetz Richtung Oschersleben aufgebrochen, wo am Sonntag die ersten beiden Saisonläufe stattfinden. Zuvor haben wir mit ihm gesprochen.

Sie fahren lange Strecken mit dem Rennrad, laufen manchmal einen Halbmarathon – wären Sie auch ein guter Triathlet geworden?

Fetz: Das würde ich jetzt nicht unbedingt behaupten, da gehört ja auch noch Schwimmen dazu. Aber meine Grundausdauer hat sich in letzter Zeit schon noch einmal deutlich verbessert. Auch kraftmäßig habe ich über den Winter zugelegt. Für einen Triathlon reicht es aber noch nicht, vermute ich.

Welche Rolle spielt die Ausdauer beim Motorradfahren?

Fetz: Auf unserem Niveau braucht man schon eine gute Ausdauer. Wir haben am Sonntag immer zwei Rennen, die relativ lang sind. Das ist anstrengend. Aber umso fitter ich bin, umso leichter fällt es mir, die Renndistanz zu überstehen. Fitness hilft auch dabei, die Konzentration über 18 oder 20 Runder aufrechterhalten zu können.

Corona ist weg, die Vorfreude groß

Im Winter waren Sie auch an Covid-19 erkrankt. Ist das inzwischen folgenlos überstanden?

Fetz: Ich hatte die Infektion ja schon letztes Jahr im November und hatte einen leichten Verlauf. Glücklicherweise habe ich nicht viel gespürt und konnte nach der zweiwöchigen Quarantäne gleich wieder Sport machen. Meine ganze Familie war ja mit dem Virus infiziert, wir hatten aber alle relativ viel Glück.

In Spanien haben Sie ihr neues Motorrad kennengelernt – wie waren die Eindrücke?

Fetz: Das Motorrad ist schon was anderes als die Suzuki im letzten Jahr, gerade, was die Elektronik angeht. Ich musste mich auch neu auf das Fahrverhalten einstellen. Auch die Teamstruktur ist anders, das Team ist viel größer.

Welche Unterschiede gibt es sonst im Vergleich zum alten Team?

Fetz: Es fängt schon damit an, dass wir das Motorrad nicht mehr selbst vorbereiten und an die Strecke transportieren müssen. Das Team sitzt in Nordhorn, das ist an der holländischen Grenze, da wird die Maschine vorbereitet. Ich muss mich nur noch um meine eigene Anreise kümmern, da fällt viel Arbeitsaufwand weg. Es gibt auch mehr Erfahrung im Team, da sitzt jeder Handgriff. Die sind halt schon lange Jahre in der IDM Superbike 1000 dabei.

Der Spaß hat Vorfahrt

Wie schnell fährt Ihre BMW S 1000 RR eigentlich?

Fetz: Über 300 km/h. In Barcelona hatten wir am Ende der Start-Ziel-Geraden laut GPS 307 km/h. Ich denke, wäre die Gerade noch etwas länger, hätten wir da noch ein bisschen was draufpacken können.

Verdammt hohe Geschwindigkeiten auf nur zwei Reifen – haben Sie manchmal Angst auf der Strecke?

Fetz: Nö, eigentlich gar nicht. Wir wissen ja alle, was wir da draußen machen. Das gehört einfach dazu. Ich fahre jetzt seit zehn Jahren Rennen und für mich ist das eigentlich auch nicht anders als für einen Fußballer, der am Sonntag auf den Sportplatz geht.

Sie wirken ein bisschen wie ein glückliches Ehepaar: Marco Fetz und seine neue BMW S 1000 RR, die er ab diesem Wochenende regelmäßig im Renntempo bewegen wird. Ein paar Meisterschaftspunkte will er dabei auch einfahren.

Sie wirken ein bisschen wie ein glückliches Ehepaar: Marco Fetz und seine neue BMW S 1000 RR, die er ab diesem Wochenende regelmäßig im Renntempo bewegen wird. Ein paar Meisterschaftspunkte will er dabei auch einfahren. © Foto: BMW/Wilbers

Welche Ziele hat Ihnen BMW/Wilbers für die anstehende Saison vorgegeben?

Fetz: Prio 1 ist, dass ich Spaß habe. Das steht an erster Stelle, ohne Spaß wird es schwierig. Die Konkurrenz ist in diesem Jahr extrem stark. Mal sehen, wie das dann auf der Strecke aussieht. Es wäre aber auf jeden Fall cool, und auch möglich, mal unter die ersten 15 oder die ersten Zehn zu fahren.

Die ersten beiden Saisonrennen wurden abgesagt, wird die restliche Saison nun normal stattfinden?

Fetz: Ob alles ganz genau so wie geplant abläuft, das weiß ich nicht. Ich kann nur sagen, dass Oschersleben dieses Wochenende auf jeden Fall stattfindet. Das Rennen danach wäre dann in Most, in Tschechien (11. bis13. Juni, Anm. d. Red.). Da haben wir aber noch keine Infos bekommen. Wir müssen abwarten, was mit Corona ist. Zum Beispiel, ob wir einreisen dürfen, ohne in Quarantäne zu müssen.

Hoffnung auf Zuschauer

Leiden Sie unter dieser Unsicherheit?

Fetz: Nein, ich bin in erster Linie froh, dass es jetzt am Wochenende überhaupt wieder losgeht. Und danach muss man eben von Woche zu Woche planen.

Haben Sie eine Lieblingsstrecke im Rennkalender?

Fetz: Ich fahre eigentlich alle Strecken recht gerne. Ich muss aber zugeben, auf Schleiz freue ich mich besonders, wenn das stattfinden sollte. Der Lausitzring, der ja abgesagt wurde, wäre die Strecke gewesen, die mir persönlich am wenigsten gut gefällt.

Die Rennen sind ja – zumindest vorerst – wieder ohne Zuschauer. Welche Rolle spielt das für Sie?

Fetz: Wenn ich auf dem Motorrad sitze, spielt das für mich eigentlich gar keine Rolle. Man kriegt da ja eh nichts mit und ist komplett in seinem Tunnel. Ich hoffe natürlich, das im Laufe der Saison wieder Zuschauer zugelassen werden, zum Beispiel beim Saisonfinale in Hockenheim im September. Während man fährt, merkt man zwar nichts, aber wenn man mal mittags eine Autogrammstunde gibt, das ist sonst eigentlich schon immer ganz cool. Da sieht man mal ein paar Leute und kann sich unterhalten. Ich denke aber auch, dass im Laufe der Saison wieder Zuschauer kommen dürfen.

Noch arbeiten Sie in Vollzeit. Wagen wir mal einen Blick in die Glaskugel: Werden Sie in fünf Jahren von Ihrem Sport leben können?

Fetz: Schwierige Frage. Aktuell lassen sich Arbeit und Sport noch ganz gut vereinbaren. Es ist schwer vorauszusehen, wie die nächsten Jahre ablaufen werden. Natürlich ist das auch leistungsabhängig. Ich muss die nächsten zwei, drei Jahre Leistung zeigen, keine Frage.


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Aber die Hoffnung besteht?

Fetz: Ja, auf jeden Fall. Es wäre ja schon ein Lichtblick, wenn ich nicht mehr Vollzeit arbeiten müsste und Stunden reduzieren könnte.

Zur Person: Marco Fetz, 21 Jahre, wohnt gemeinsam mit seinen Eltern in Kleinbreitenbronn im Landkreis Ansbach. Die Begeisterung fürs Motorrad hat er mit Vater Günter gemeinsam. Fetz absolvierte 2011 die ersten Rennen im ADAC Mini-Bike-Cup und zeigte schon bald sein Talent, das ihn vergangenes Jahr zum Team Suzuki/Laux in die höchste deutsche Motorrad-Rennserie, die IDM Superbike 1000, beförderte. Dort startet er 2021 für das Team BMW/Wilbers. Parallel arbeitet er als Industriemechaniker im Drei-Schicht-Betrieb bei einem Ansbacher Unternehmen.

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