Auf dem Weg nach Berlin: Frankens neuer Box-Star tritt zur Titelverteidigung an

Holger Peter
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25.4.2021, 13:10 Uhr
Fokussiert auf sich und den Gegner: Marten Arsumanjan (hier im Kampf gegen Ognjen Raukovic) will sich professionell auf die Titelverteidigung in Berlin vorbereiten.

Fokussiert auf sich und den Gegner: Marten Arsumanjan (hier im Kampf gegen Ognjen Raukovic) will sich professionell auf die Titelverteidigung in Berlin vorbereiten. © privat, NN

Am 28. Mai geht es nach Berlin – wieder einmal für Marten Arsumanjan. Die Erinnerungen an die Hauptstadt sind gut, denn vor knapp einem Jahr holte er sich dort den EU-Titel im Mittelgewicht. Nun will sich der Agon-Boxstall den Gürtel zurückholen – in Person des Kölners Thomas Piccirillo, der sowohl in der deutschen als auch in der Weltrangliste knapp vor dem Franken steht.

Schauen Sie jeden Tag auf die Corona-Inzidenzwerte in Berlin?

Marten Arsumanjan: Nein, mit dem Gedanken, dass der Kampf ausfallen könnte, befasse ich mich überhaupt nicht. Keine Ahnung, wie hoch dort die Werte sind. Ich konzentriere mich voll auf mich.

Trotz Vollzeit-Job?

Arsumanjan: Meine Arbeitgeber sind mir sehr entgegengekommen. Sport hat dort einen hohen Stellenwert. Sie haben mir zugesichert, dass ich drei Wochen vor dem Kampf frei bekomme, um mich optimal vorbereiten zu können. Wir reisen erneut wieder eine Woche vorher an – wegen all der Corona-Regeln.

Rennen Sie jetzt wieder mit Tuncay Kasim durch die Fränkische Schweiz?

Arsumanjan: Nein, im Moment geht es hauptsächlich um die Schlagausdauer – gegen den Sandsack, die Wandpolster und die Pratze. Aber bald soll es mit dem Sparring losgehen. Endlich wieder gegen richtige Gegner kämpfen – das ist das A und O in der Vorbereitung beim Boxen. Denn die Sandsäcke schlagen ja nicht zurück (lacht).

Wie wichtig war der Testkampf gegen Ognjen Raukovic im März?

Arsumanjan: Das war sehr gut, um wieder ein Gefühl für den Wettkampf zu bekommen, zumal Raukovic eine harte Nuss mit einer tierischen Schlagkraft war, der mich über die volle Distanz gefordert hat. Aber auf den nächsten Gegner hat mich das wenig vorbereitet. Raukovic hat sehr defensiv aus der Doppeldeckung heraus geboxt, Piccirillo gilt als Fighter, der stets den Weg nach vorne sucht.

Kommt Ihnen das entgegen? Gegen Raukovic haben Sie sich ja anfangs recht schwer getan ...

Arsumanjan: Ich denke ja. Ich weiß, was auf mich zukommt. Und im Sparring suchen wir jetzt gezielt Boxer aus, die ähnlich wie Piccirillo kämpfen. Und da das im Profilager ein sehr häufiger Stil ist, sollten wir da fündig werden.

Sie sind vom unbekannten Jäger zum Gejagten geworden. Denken Sie oft darüber nach?

Arsumanjan: Das ist für mich kein Thema. Ich werde genauso in die nächsten Kämpfe gehen wie bisher. Seit meiner ersten Niederlage werde ich nie mehr den Fehler machen, einen Gegner zu unterschätzen. Und diesen Titel will ich nicht hergeben. Außerdem ist es ja wieder ein „Auswärtsspiel“ – das Gefühl ist also das gleiche wie vor einem Jahr.

Als Titelverteidiger hätten Sie ja eigentlich Heimrecht gehabt. Aber es fand sich kein Veranstalter. Wie sehr enttäuscht sind Sie deswegen?

Arsumanjan: Es ist schade, ich wäre ehrlicherweise schon gerne daheim angetreten – und natürlich am allerliebsten vor Publikum. Dass in Berlin auch keine Zuschauer erlaubt sind, macht den Ärger vielleicht etwas kleiner.

Was sind denn die nächsten Ziele, falls Sie gegen Piccirillo gewinnen?

Arsumanjan: Wir denken nur von Kampf zu Kampf. Die Ziele werden dann neu gesteckt. Es ist aber cool, dass es endlich wieder weiter geht mit dem Boxen. Um den Jahreswechsel herum war ich schon sehr deprimiert.

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