Laufserie Wegweiser

Auf Natur-Pfaden am Neumarkter Panorama-Felsen

18.6.2021, 06:00 Uhr
Das Gipfelkreuz des Wolfstein im Hintergrund, schreitet Werner Thumann lächelnd dem entspannteren Teil seiner Laufrunde entgegen. 

Das Gipfelkreuz des Wolfstein im Hintergrund, schreitet Werner Thumann lächelnd dem entspannteren Teil seiner Laufrunde entgegen.  © Kevin Gudd

Diese Strecke bringt aus Sicht von Werner Thumann den Begriff Heimatverbundenheit auf den Punkt. Aufgewachsen im nordöstlichen Neumarkter Stadtteil Mühlen, spielte der heute 55-Jährige in seiner Jugend wie die meisten Nachbarskinder am liebsten Fußball und dann Tennis. "Mit Ausdauersport konnte ich nichts anfangen." Das änderte sich zwischen Bundeswehr-Grundausbildung und Studium, in der einst "verhassten Kasernenrunde" erkannte der Diplom-Forstwirt und ehrenamtliche Stadtrat mit Rettungsschwimmer-Schein eine effektive Methode der gesundheitlichen Prävention als Ausgleich zum Büro-Alltag.


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Gelegentliche Yoga-Übungen und die tägliche Rad-Fahrt zur Arbeit gehören ebenfalls zum Programm. Zum Laufen kommt Thumann im Durchschnitt zweimal die Woche, strebt dabei aber keine ambitionierten Trainingsziele oder Wettkampfteilnahmen an. Die Umfänge fallen entsprechend kürzer aus, wenn abendliche Stadtrats-Sitzungen anstehen. Vielmehr rückte bei der Bewegung unter freiem Himmel nicht erst im Corona-Lockdown eine Vorliebe für das Naturerlebnis in den Fokus. "Ich komme besser zum Nachdenken als in der Stadt", sagt Thumann, der Asphalt-Boden so gut es geht zu vermeiden versucht.

Hier geht es zur Lieblingsstrecke von Werner Thumann.

© OpenStreetMap-Mitwirkende

Hier geht es zur Lieblingsstrecke von Werner Thumann. © OpenStreetMap-Mitwirkende

Nebenbei auf Dienst-Patourille

Nur wenige hundert Meter von seiner Gartentür am ehemaligen Elternhaus entfernt locken unterhalb des Wolfstein bereits diverse Wald-, Wiesen- und Schotterpfade. Doch bis dahin geht es zwei knackige Steigungen hinauf. "Ich habe die Anstrengung lieber am Anfang und nutze die Vorfreude auf die pittoresken Abschnitte als Motivation." Freilich müssten die Kräfte sorgsam eingeteilt werden. Solange er sich noch unterhalten kann, sei das Tempo gerade recht. So oft es geht läuft Thumann in Begleitung und gerät dann ins Schwärmen über die ehemaligen Huteanger, die bis vor knapp 20 Jahren völlig zugewachsen waren und nun wieder von Schafen beweidet werden.

Die Öffnung der Flächen stütze die Vielfalt im Ökosystem, weiß Thumann, der hauptberuflich als Sachgebietsleiter im Landratsamt arbeitet und als Geschäftsführer des Landschaftspflegeverband Neumarkt fungiert. "Natürlich streife ich da die Umgebung beim Laufen mindestens mit einem Auge durch die dienstliche Brille." So erfahren zuständige Stellen mitunter auf dem kurzen Dienstweg von Obstbäumen, die einen Beschnitt nötig haben oder zu selten gemähte Feuchtwiesen. Durch die Ablenkung bereitet das auf einer langgezogenen Schleife moderat ansteigende Terrain weniger Mühe, ehe im Westen Burgruine und Gipfelkreuz auftauchen.

Zeitreise ins höfische Leben

Der Versuchung, sich im grandiosen Panorama-Blick auf die Stadt zu verlieren, kann Werner Thumann, der als städtischer Umwelt- und Tourismusreferent trotz der vielen Tages-Ausflügler keine Anzeichen von "Over-Tourism" erkennt, allerdings nur einigen Momenten nachgeben. Denn seine Route windet sich kurz vor dem Aussichtspunkt am Krähentisch in einer scharfen Kehre auf unebenem Geläuf abwärts. Ist diese Konzentrationsprüfung überstanden, geht es zunächst auf Straßenbelag weiter durch den verschlafenen Stadtsteil Schafhof und hinunter nach Labersricht.

Während sich die Beine entspannen, fühlt sich Thumann in seine Jugend zurückversetzt. "Die Familie meines Vaters hat hier auf einem Hof gelebt. Ich war oft zu Besuch." Der Schwung trägt weiter bis zum Pilsach-Leitgraben, der stadteinwärts zur flachen Zielgeraden mutiert. Werner Thumann könnte an diesem Punkt viel über die Verbindung aus nachhaltigem Heimatschutz und Naherholung sprechen, freut sich aber auch ganz banal auf ein Belohnungs-Bier zu Hause, das er über diverse Abkürzungen durch versteckte grüne Oasen im Wohngebiet von Mühlen erreicht.

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