Bitte kein Blur: Das hat Club-Gegner St. Pauli drauf

Stefan Jablonka
Stefan Jablonka

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16.5.2020, 20:56 Uhr
Wer ist obenauf? Diese Frage wird am Sonntag auf dem Geister-Kiez beantwortet. In diesem Sinne: Augen zu - und durch! 

Wer ist obenauf? Diese Frage wird am Sonntag auf dem Geister-Kiez beantwortet. In diesem Sinne: Augen zu - und durch!  © Foto: Sportfoto Zink

So ist die Lage: Die Corona-Pause kam für den FC St. Pauli unter sportlichen Aspekten betrachtet zur Unzeit. Das Team von Trainer Jos Luhukay hatte sich gerade aus einer Talsohle herausgearbeitet und war vier Partien ungeschlagen geblieben. Die Kiezkicker sammelten in dieser Phase nicht nur den 2:0-Derbysieg beim Hamburger SV, sondern in Summe acht Zähler und belegen mit 30 Zählern - einem mehr als der Club - den zwölften Platz.

Corona-Pause spielt Hamburgs Holland-Kante in die Karten 

Top & Flop Mit Dimitrios Diamantakos (acht Tore, zwei Vorlagen), Henk Veerman (acht Tore, eine Vorlage) und dem quirligen Ryo Miyaichi (sieben Vorlagen, ein Tor) verfügt St. Pauli über eine der gefährlichsten Angriffsreihen der Liga. Der niederländische Zwei-Meter-Hüne Veerman wäre Mitte März noch wegen einer Schulterverletzung verhindert gewesen. Die Blessur konnte der Angreifer nun aber auskurieren. Dafür erwischte es Christopher Buchtmann. Der Mittelfeldspieler, der seit acht Jahren für den Kiez-Klub aufläuft, in dieser Saison jedoch meist nur Lückenfüller war, musste sich an der Achillessehne operieren lassen und fällt lange aus.

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Becker oder Behrens: Wer ist der bessere Elmshorner?  

Im Fokus: Er gilt als St. Paulis Top-Talent: Der wie Club-Kapitän Hanno Behrens aus Elmshorn stammende Finn Ole Becker besticht im defensiven Mittelfeld durch strategische Fähigkeiten, Ruhe am Ball und Passsicherheit. Allerdings lässt es der U20-Nationalspieler in dieser Saison wie die gesamte Mannschaft noch an Konstanz mangeln. Beim Derbysieg gegen den HSV holte ihn Luhukay nach nur 33 Minuten vom Platz. "Er war nervös, glaube ich, der Junge ist noch nicht so lange dabei", zeigte der Coach aber Nachsicht mit seinem Juwel.

Das Hinspiel: Viktor Gyökeres hatte die Gäste bei der Begegnung in der Hinrunde in der 23. Minute auf kuriose Weise in Führung gebracht: Weil der Linienrichter beim einleitenden Pass eine Abseitsstellung angezeigt hatte, ging die Club-Abwehr nur noch zögerlich zu Werke. Referee Lasse Koslowski schloss sich zunächst seinem Assistenten an, gab den Treffer nach Ansicht des Videobeweises dann aber doch. Hanno Behrens gelang mit einem abgefälschten Schuss der Ausgleich (51.). In der Nachspielzeit verhinderte Christian Mathenia gegen den durchgebrochenen Borys Tashchy das 1:2, musste seine Rettungstat aber mit einem Kniescheibenbruch teuer bezahlen.

Flexibiliät Marke Bornemann 

Wer/Was ist neu? Der frühere Nürnberger Sportvorstand Andreas Bornemann blieb seiner zaghaften Einkaufspolitik auch beim FC St. Pauli treu und verzichtete in der Winterpause auf jegliche Neuzugänge. Ob im Sommer neues Personal dazustoßen wird, ist angesichts der Corona-Krise fraglich. "Der wichtigste Schritt war, wieder beginnen zu dürfen, und darauf bewegen wir uns im Moment erst zu", sagte der 48-Jährige der Hamburger Morgenpost und ergänzte: "Selbst für den Fall, dass wir starten, bleiben noch so viele Fragen unbeantwortet." Es sei schwierig, ein klares Bild von der Zukunft zu zeichnen, "da gilt es, flexibel zu bleiben".

 

Und sonst so? Von der speziellen Atmosphäre, die das Hamburger Millerntor sonst umgibt, wird diesmal kaum etwas zu spüren sein. Fans sind keine zugelassen, es wird ein Geisterspiel sein. Und ob die stimmungsgewaltige Einlaufmusik ("Hells Bells" von AC/DC) überhaupt abgespielt werden wird, wenn die Teams aus den Katakomben ins Stadion kommen, ist fraglich. Auf das Ertönen des Song 2 von Blur könnten zumindest die Spieler des 1. FC Nürnberg gut und gerne verzichten. Die Melodie dröhnt stets bei einem Treffer der Heimmannschaft aus den Stadionlautsprechern. 

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