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Blick in die Statistik: Kann der FCN überhaupt Abstiegskampf?

Eine Annäherung in Zahlen: Diese fatalen Mankos machen Nürnberg nervös - 03.06.2020 05:48 Uhr

Ein alltägliches Bild: Konstantinos Mavropanos gewinnt einen Defensiv-Zweikampf. Obwohl das sehr häufig passiert, hat der 1. FC Nürnberg die löchrigste Defensive der Liga. © Foto: Matthias Hangst/dpa


Wie Abstiegskampf funktioniert, wissen sie beim 1. FC Nürnberg eigentlich aus Erfahrung. Kaum eine Saison vergeht, in der sie nicht damit beschäftigt sind, gerade auch wieder. Weil aber offenbar nicht alle im Umfeld glauben, dass der aktuelle Jahrgang die notwendige Expertise mitbringt, wurde am Wochenende ein sehr großes Transparent im Sportpark am Valznerweiher aufgehängt.

Andstandslos? Die Club-Defensive blockt den Tadel 

Zu lesen war da unter anderem: "Unser FCN strahlt seit 120 Jahren - zeigt endlich einen Funken Anstand und macht euch dafür schmutzig." Das klingt sehr danach, dass sich da jemand wünscht, dass der 1. FC Nürnberg so Fußball spielt, wie das für Abstiegskämpfer in Deutschland und weltweit vorgesehen ist. Kurz zusammengefasst: kratzen und beißen.

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Abstiegsgipfel und die Förde: Das Restprogramm des FCN

Drei Spiele hat der 1. FC Nürnberg noch, um das Worst-Case-Szenario - den Abstieg in die 3. Liga - zu vermeiden. Dabei ist das Restprogramm alles andere als leicht. Wiesbaden, der VfB und ein Ausflug in den hohen Norden - ein Überblick über die restlichen Club-Gegner!


Das Problem ist nur, dass es wieder einmal nicht so einfach ist. Kratzen und beißen kann der 1. FC Nürnberg nämlich eigentlich ganz gut in dieser Saison, zumindest mit Blick auf die Defensive. Unter den vier Mannschaften, die in der 2. Fußball-Bundesliga die wenigsten Schüsse zulassen, rangieren Arminia Bielefeld (9,7 Schüsse/90 Minuten), der Hamburger SV (10,17) und der VfB Stuttgart (10,29), also die ersten drei der Tabelle. Mitten in diese Reihe platzt aber der FCN (9,81).

Die Verteidigung steht also beim Club in dieser Saison, eigentlich. Auch am Samstag war das so beim 0:0 gegen den VfL Bochum. "Wir haben defensiv gut gearbeitet. Wichtig war, dass wir hinten stabil standen", fasste hinterher Trainer Jens Keller die positiven Aspekte eines unerfreulichen Nachmittags zusammen.

Trotz der passablen Defensivwerte hat kein Zweitligist bislang mehr Tore quittieren müssen als der 1. FC Nürnberg (49 in 29 Spielen). Der Widerspruch ist leicht aufgearbeitet. Der Club lässt zwar wenige Chancen zu, die sind dann aber qualitativ hochwertig, was unter anderem im Spielsystem begründet liegt.

Ballverlust und dann Bumm 

Zwar muss sich der 1. FC Nürnberg nun schon länger - und trotz höherer Ziele zu Saisonbeginn - mit dem Abstiegskampf beschäftigen, dem jeweiligen Gegner ist das aber meist egal. Gegen den Club wird selten so gespielt, wie man das gegen eine Mannschaft aus dem Tabellenkeller erwarten könnte, stattdessen warten die jeweiligen Kontrahenten Spieltag für Spieltag erst einmal ab, was der Club so macht und überlassen ihm das Spiel. Eine recht simple Methode - und eine in dieser Spielzeit recht vielversprechende.

Begräbnisstimmung nach dem 0:0

Meist macht der 1. FC Nürnberg nämlich nicht viel aus seinem Ballbesitz. Die ob ihrer individuellen Klasse immer mal wieder gelobte Offensive verliert den Ball einfach zu leicht und zu häufig. Das führt dann dazu, dass die Defensive zwar den drittbesten Ligawert mit Blick auf die Quote in Sachen Defensivzweikämpfe vorweisen kann, dass dieser schöne Wert aber wenig bringt, weil es einfach zu viele Zweikämpfe sind, die geführt werden müssen. Nur Jahn Regensburg führt in der zweiten Liga noch mehr Duelle pro 90 Minuten (69,4) zur Rückeroberung des Balles als der Club (66,5).

Ungeduldig ins Verderben

Das liegt unter anderem in der Ungeduld begründet, mit der der Club in der Offensive arbeitet. In der Liga schießt nur Erzgebirge Aue anteilig häufiger von außerhalb des Strafraums aufs Tor als der Club. Das Problem: Die Trefferwahrscheinlichkeit bei Schüssen von außerhalb des Strafraums liegt im statistischen Mittel bei knapp vier Prozent, beim 1. FC Nürnberg sind es in dieser Saison dementsprechend 3,9 Prozent. Besonders hervor tut sich in dieser Kategorie übrigens Mittelfeldspieler Johannes Geis, der in der kompletten Saison genau zweimal von innerhalb des Strafraums den Abschluss gesucht hat - bei beiden Gelegenheiten führte er Elfmeter aus.

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Die Ungeduld ermöglicht dem Gegner stattdessen immer wieder schnelle Gegenangriffe, die noch zusätzlich befördert werden durch eine Ungenauigkeit im Passspiel im Angriffsdrittel und die zusammen mit dem Fehlen von Geschwindigkeit der Nürnberger Zentrumsspieler zum Problem werden. Man müsste dem Club also eigentlich zu mehr Geduld raten - das macht sich nur nicht so gut auf einem Transparent.

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Fadi Keblawi und Florian Zenger

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