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Bornemann hält trotz Derby-Pleite an Schwartz fest

Stimmung bei den Club-Fans ist nach 1:2 gegen Fürth endgültig gekippt - 20.09.2016 20:51 Uhr

Nürnbergs Sportvorstand Andreas Bornemann (rechts) spendet Trainer Alois Schwartz nach Spielende Trost. © Sportfoto Zink / DaMa


Schon wieder hatte der Club verloren, zumindest eine Stunde lang vieles versucht – aber es sollte einfach nicht sein. Auch nicht gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth. Schwartz hatte sich gleich zwei kleine Wasserflaschen in die Coaching-Zone mitgenommen, er schien ein heißes Derby erwartet zu haben bei frühherbstlichen Temperaturen, im Polo-Hemd postierte er sich neben der Seitenlinie. Nach ungefähr einer Stunde kam tatsächlich die Sonne heraus, soeben war das 0:2 passiert, ein abgefälschter Schuss segelte hinter Torwart Thorsten Kirschbaum ins Netz. Pech? Unvermögen? Die Schuld des Trainers?

Fortan stand Schwartz häufig mit hinter dem Rücken verschränkten Armen am Spielfeldrand, manchmal fuhr sich der Trainer des 1. FC Nürnberg mit einer Hand durch die Haare. Er schien es nicht fassen zu können, was da so alles geschah, was da so alles gegen seine Mannschaft gelaufen war. Die nach dem 0:2 noch drei, vier gute Möglichkeiten hatte, früher auf 1:2 zu verkürzen.

Wie es Schwartz ging während der nächsten und wahrscheinlich schmerzhaftesten Niederlage in Diensten des einst ruhmreichen Vereins, kann man sich ungefähr vorstellen. Seine Mannschaft hatte vor der Pause eine ordentliche Leistung gezeigt, jeder ist gerannt, jeder hat sich in die Zweikämpfe geworfen, man könne "keinem Einzigen vorwerfen, dass er nicht alles gegeben hat". Das sagte Miso Brecko, der Kapitän, der hinterher versuchte, sich der empörten Nordkurve zu nähern. Nach ein paar Metern drehte er ab.

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Das 261. Frankenderby brachte folgende Erkenntnis: Der 1. FC Nürnberg kann nicht mehr gewinnen. Nach der vierten Niederlage in Serie muss sich der Club vielmehr echte Sorgen machen. Das Kleeblatt verscheuchte in der Nachbarstadt derweil die leichte Herbst-Depression nach dem 0:3 gegen Würzburg. Latte, Freis, Dursun - Steininger und ein zu später Burgknaller. Die besten oder bittersten Derby-Bilder!


Bornemann hält nicht viel von Aktionismus

"Es läuft gerade alles gegen uns", sagte Brecko. Dass es wieder nicht gereicht hat, lag an Kleinigkeiten – die aber, wie es aussieht, nicht erst am Dienstagabend eine fatale Eigendynamik in Gang gesetzt haben. Die Stimmung ist mit der Derby-Niederlage endgültig gekippt, die Arbeit für Schwartz wird in den nächsten Tagen gewiss nicht leichter.

Am Sonntag muss der Tabellenletzte nach Bielefeld, die Atmosphäre dort ist oft hitzig. Dass dann erneut Schwartz auf der Bank sitzen wird, stand schon vor der Derby-Demütigung fest. Sportvorstand Andreas Bornemann hält nicht viel von Aktionismus nach dem sechsten Spieltag, eine erste Zwischenbilanz, sagte er schon vor dem Saisonstart, wird erst nach dem zehnten gezogen, auch der Kaufmännische Vorstand Michael Meeske plädierte bereits am Nachmittag dafür, auch im schlimmsten Fall die Nerven zu behalten.

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"Das ist ein richtiges Brett"

Bornemann eilte nach dem Schlusspfiff umgehend auf den Platz, zu seinen Spielern, zum Trainer, vor allem Schwartz schien Zuspruch bitter nötig zu haben. Sechs Spiele, zwei Punkte, "das ist ein richtiges Brett", sagte Bornemann im Medienraum, "wir brauchen möglichst bald eine kleine Serie", der Sportvorstand spricht von einer "extrem herausfordernden Situation, nicht nur für den Trainer, auch für mich". Und erst recht für die Fans, nicht nur in der Nordkurve. "Wir haben die Schnauze voll", schallte es hinterher durchs Stadion.

"Ich muss doch jetzt auch schauen, dass die Mannschaft nicht auseinanderbröselt", sagte Bornemann noch. Eine große Aufgabe.

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Wolfgang Laaß E-Mail

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