Burchert und Megyeri: Wechselspiel im Kleeblatt-Kasten

11.1.2018, 13:42 Uhr
Im Rennen um den Platz zwischen den Kleeblatt-Pfosten hat Sascha Burchert (aktuell) die Nase vorn.

Im Rennen um den Platz zwischen den Kleeblatt-Pfosten hat Sascha Burchert (aktuell) die Nase vorn. © Sportfoto Zink / WoZi

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Am Mittwoch war der erste Tag bei der Spielvereinigung, der die weite Reise in den Süden rechtfertigte: Oben am Himmel strahlte die Sonne, unten auf dem Rasen tobte bei endlich frühlingshaften Temperaturen der Konkurrenzkampf. Sogar die bisherigen Sorgenkinder Philipp Hofmann und Sercan Sararer schossen Tore. Letztgenannter ein besonders schönes, indem er den Ball aus 20 Metern ins lange Eck schlenzte. Beim anschließenden Austraben umarmte er Sportdirektor Rachid Azzouzi zu seinem 47. Geburtstag. Auf Azzouzis Frage: "Was ist mein Geschenk?", antwortete Sararer: "Ich bin dein Geschenk."

Das kann man tatsächlich ein wenig so sehen, denn der begnadete Techniker fällt – wie Mathis Bolly bis zu seiner schweren Verletzung - in die Kategorie "Bonusspieler". Wenn er für ein paar geniale Momente in der Rückrunde sorgen kann, wäre seinem Ausbildungsverein schon geholfen. Nach drei Operationen in der Leistengegend im vergangenen Jahr darf man nicht viel mehr erwarten.

Alles kam anders

Ein fitter Sararer kann allein mit seinem Talent andere im Team verdrängen, die die Hinrunde nicht für Eigenwerbung genutzt haben. Philipp Hofmann und Manuel Torres würden wohl keine Steine in den Weg gelegt bekommen, wenn sie Angebote anderer Vereine hätten. Eine geplante Ausleihe an Drittligist Würzburger Kickers von Benedikt Kirsch, der bei Trainer Damir Buric keine Rolle spielt, ist geplatzt.

Und auch auf der Torhüterposition ist nicht verbrieft, dass alles beim alten bleibt. Doch das dachte man auch schon im Sommer und dann kam alles anders. Der Reihe nach: Für die Saison 2015/16 holten Fürths Verantwortliche Torhüter Sebastian Mielitz. Der Ex-Bundesliga-Keeper aber strahlte nicht wirklich Souveränität zwischen den Pfosten aus, der damalige Manager Ramazan Yildirim lenkte ihn rüde aufs Abstellgleis. Denn zu seiner Verwunderung präsentierte man im Sommer 2016 das Duo Sascha Burchert/Balazs Megyeri.

Mainzer Millionen-Angebot

Bei zweitem war der Plan, dass er erst in Fürth die Nummer eins wird, dann in der ungarischen Nationalmannschaft und schließlich eine ordentliche Transfersumme einspielt. Ein erstes Indiz, dass im Sommer 2017 sein Abschied nahen könnte, war die Vertragsverlängerung mit Sascha Burchert bis 2020. Tatsächlich soll der FSV Mainz 05 vor sechs Monaten drei Millionen Euro für Megyeri geboten haben. Doch der hielt so gut wie lange kein Fürther Torhüter mehr, weshalb man ihn nicht abgeben wollte.

Das wiederum brachte Sascha Burchert, 28, ins Grübeln, der fest mit einem Stammplatz gerechnet hatte. Doch wieder kam alles anders. Megyeri wurde weder erster Torhüter der ungarischen Nationalmannschaft – stattdessen wurde Leipzigs Peter Gulacsi, sein Kontrahent in der Landesauswahl, jüngst vom Fachblatt kicker zum besten Torhüter Deutschlands gewählt — noch bestätigte er in dieser Hinrunde die Leistung der Vorsaison. Im Gegenteil: Es verging kein Spiel ohne einen Wackler.

"Balazs ist in Lauerposition"

Also stellte Buric am zehnten Spieltag Burchert ins Tor, der seither nur ein Spiel verpasst hat. In Spanien fällt das Zwischenfazit des Trainers positiv aus: "Sascha hat seine Sache gut gemacht, er hat die Nase vorne." Ob das so bleibt, liege nur an ihm. Das heißt für Megyeri: "Balazs ist jetzt in Lauerposition, er muss Geduld mitbringen. Wenn du nicht gesund bist, brauchst du auch keine Forderungen zu stellen. Und Balazs war lange nicht gesund."

Dem 27 Jahre alten Ungarn schießt das Blut in den Kopf, als er über seine neue Rolle spricht. Selbstbewusst sagt er in langsamem, aber ordentlichem Deutsch: "Wenn ich wieder fit bin, will ich ganz klar spielen." Zehn Jahre sei er jetzt schon Profi und habe schon "jede Seite" kennengelernt: "Bei Olympiakos Piräus habe ich als dritter Keeper angefangen, bis ich Griechenlands bester Torwart wurde. Dann aber kam ein neuer Trainer und hat gesagt: Du bist zu jung, ich will einen Älteren. Ich hatte also viele ähnliche Situationen wie jetzt in Fürth."

Abschied klingt anders

Er wisse, wie er damit umzugehen habe. Mit fast 28 kenne er die ungeschriebenen Gesetze des Fußballs: "Wenn ein Spieler nicht Vollgas gibt, geht er runter. Ich will jetzt jedes Training besser machen." Hört sich nicht nach Abschied an. Noch nicht. Der Vertrag läuft im Sommer aus. Drei Millionen wird niemand mehr bieten.

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