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Cheftrainer verlässt Falcons überraschend - Junge übernimmt

Die Zukunft ist bei Nürnbergs besten Basketballern schon wieder Vergangenheit - 05.12.2019 05:06 Uhr

Abschied mit einer Träne und einem von der Mannschaft signierten Trikot: Vytautas Buzas stieg bei den Falcons zum Cheftrainer auf, wird nun aber zu Hause gebraucht. © Foto: Thomas Hahn/Zink


Ralph Junge hatte eine klare Vorstellung von der Zukunft. In dieser Zukunft war der Cheftrainer und Geschäftsführer der Nürnberg Falcons nur noch Geschäftsführer. Auf seinem Schreibtisch stapelten sich im April 2018 mal wieder Angebote von Ausrüstern, Strafzettel von nur laut Reisepass erwachsenen Basketballern und Anforderungen der 2. Bundesliga, die nur schwer in Einklang zu bringen sind, wenn die Ablage für Post von interessierten Sponsoren eher spärlich gefüllt ist. "Seit 20 Jahren stehe ich fast jeden Abend und jedes Wochenende in der Turnhalle", sagte Junge und brachte auch gleich noch einen möglichen Nachfolger für sich selbst ins Spiel. Sein Name: Vytautas Buzas.

Buzas war ein Jahr zuvor in Nürnberg gelandet, nachdem ihm ein Verein in seiner litauischen Heimat erst einen Posten als Geschäftsführer angeboten und nach einem Trainerwechsel kurzfristig doch wieder abgesagt hatte. Basketball ist ein Minenfeld, nicht nur in Nürnberg.

Liebe zum Detail und Verständnis für das Spiel

Buzas, dem nach zwei Kreuzbandrissen keine lange Karriere als Spieler vergönnt war, arbeitete bei den Falcons zunächst als Jugendkoordinator, dann als Nachwuchstrainer, parallel als Assistent von Junge, vor allem versuchte er den Spielern die Mentalität aus seinem Heimatland einzuimpfen. In Litauen ist Basketball Religion, aus nicht einmal drei Millionen Einwohnern kommen regelmäßig erstaunlich viele erstaunlich gute Spieler – eine Einstellungsfrage, wie Buzas, der Vorarbeiter, immer wieder betonte.

Seine Leidenschaft, die Liebe zum Detail, das Verständnis des Spiels: All das führte auch dazu, dass die Falcons zu Beginn dieses Kalenderjahres eine erstaunliche Erfolgsgeschichte hinlegten. Am Ende stand der sportliche Aufstieg, dem die Bundesliga die Anerkennung verweigerte, weil sich die Situation auf Junges Schreibtisch nicht radikal verändert hatte, vor allem aber weil es die Stadt verpasst hatte, die passende Infrastruktur bereitzustellen.

"Es ist hart"

Es war der Moment, in dem Ralph Junge zu der Überzeugung kam, dass aus der Zukunft nun gerne mal die Gegenwart werden darf. "Ich denke, es ist der richtige Zeitpunkt für diesen Wechsel. Vytas ist ein hervorragender Coach und ein akribischer Arbeiter, bei dem das Team in guten Händen ist", ließ er wissen, fortan wollte er sich auf die Rolle des Co- Trainers beschränken und mehr auf die Papierstapel konzentrieren.

Ein Plan, der sehr gut aufzugehen schien. Bis vor einer Woche. Dann teilte Buzas seinem Freund und Chef mit, dass er aus persönlichen Gründen zurück nach Litauen muss, und die Zukunft wurde schon wieder zur Vergangenheit.

"Es ist hart", sagt Buzas im Gespräch mit den Nürnberger Nachrichten. "Man hat über Monate etwas aufgebaut, wir sind Freunde geworden und dann sagt man Tschüss." Acht Siege aus elf Spielen hat er in seiner kurzen Amtszeit geholt, das Team war tatsächlich in guten Händen, aber die Familie zu Hause braucht den 31-Jährigen jetzt dringender als die Falcons, die für ihn in zweieinhalb Jahren auch so etwas wie Familie geworden sind. "Sie alle werden ein Teil in meinem Herzen bleiben", sagt Buzas über Spieler, und Mitarbeiter, von denen er sich am Dienstag bei der Weihnachtsfeier verabschiedet hat.

Eine Rückkehr nach Nürnberg ist nicht ausgeschlossen, im Moment aber auch nicht absehbar. Vorerst übernimmt wieder Ralph Junge. "Langweilig", sagt er, "wird es einem hier nie."

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