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Club-Geflüster: Perfektionist Köllner und der "Bredlow-Platz"

Nervensägen, Sprüche und ein Ex-Spieler: NZ-Redakteur Uli Digmayer klärt auf - 22.02.2018 13:05 Uhr

Kann sich eine Spitze gegen den geringen Zuschauerzulauf nicht verkneifen: Club-Trainer Michael Köllner. © Sportfoto Zink / WoZi


Wer wird vermisst? Sebastian Kerk. Wer den Offensivspieler dabei beobachten konnte, wie er am Sonntag nach dem 3:1-Sieg gegen den MSV Duisburg von der Tribüne aus mit sehnsüchtigem Blick die ausgelassenen Freudentänzchen seiner Kollegen vor der Nordkurve verfolgte, musste einfach Mitleid haben. Auch Trainer Michael Köllner weiß um die Seelenlage des Rotschopfs, der sich nach einem furiosen Start mit vier Torvorlagen im dritten Saisonspiel die Achillessehne riss und seitdem einmal mehr in der Reha für sein Comeback schuftet: "Jeden Tag, wenn ich ihn drinnen auf dem Laufband sehe, möchte ich mich als Trainer hinlegen und weinen. So ein Spieler muss einfach auf dem Platz stehen." Vielleicht nächste Saison dann ja dafür in der Bundesliga.

Mitarbeiter der Woche: Ganz klar: Hanno Behrens. In Absenz von Top-Torjäger Mikael Ishak und Kevin Möhwald sprang gegen Duisburg mal eben der 27-jährige Dauerläufer in die Bresche und bereitete dem Club mit dem ersten Doppelpack seiner Profikarriere den Weg an die Tabellenspitze. "Es ist ja gut, dass der Kapitän erkennt, wenn er gefordert ist, und die Dinge dann selbst regelt", befand Köllner schmunzelnd und hielt gleich eine Eloge auf seine hanseatische Führungskraft: "Hanno ist ein echter Leader und der beste Kapitän, den der Club haben kann." Dem bescheidenen Behrens schien der Rummel um seine Person eher unangenehm zu sein: "Wichtig ist, dass wir gewinnen. Wer die Tore schießt, ist doch egal." Und das war  wahrscheinlich auch noch völlig ehrlich gemeint.

Nervensäge der Woche: Moritz Stoppelkamp. Dass der Duisburger über einen strammen Schuss und ein gutes Auge verfügt, weiß man, seit er in der Bundesliga für den SC Paderborn mal aus rekordverdächtigen 82,3 Metern eingenetzt hat. Als Anerkennung für diesen Jahrhundertreffer widmete der Verein ihm auf dem Vorplatz der Benteler-Arena damals sogar eine eigene "Stoppelkamp-Allee". Für sein kurioses Holpertor in Nürnberg zum zwischenzeitlichen 1:2 dürfte Stoppelkamp beim Meidericher SV kaum eine ähnliche Ehrung zuteil werden. Dass an der Wedau stattdessen ein "Bredlow-Platz" geplant sein soll, ist freilich nur ein böses Gerücht.

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Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Was soll besser werden? Rein tabellarisch ist aktuell der Idealzustand erreicht. Dass die Mannschaft nach dem unglücklichen Gegentreffer kurz vor der Pause phasenweise ein paar Probleme bekam, hielt ihr Trainer für verzeihlich: "Solche fragilen Momente sind ganz normal." Prinzipiell aber strebt Köllner stets nach Perfektion: "Hundertprozentig zufrieden bin ich nie, das ist eben so ein blöder Wesenszug von mir." Es gibt also weiterhin viel zu tun am Valznerweiher.

Und sonst so? Der frühere Club-Profi Nils-Eric Johansson, zuletzt in seiner schwedischen Heimat bei AIK Solna unter Vertrag, muss im Alter von 38 Jahren seine Karriere wegen gravierender Herzprobleme beenden. Von dieser Stelle aus die besten Genesungswünsche für den sympathischen Abwehrspieler, der beim Bundesliga-Aufstieg 2001 zu den tragenden Säulen im Nürnberger Team zählte. Allt bäst, Nisse! 

Uli Digmayer

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