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Club-Geflüster: Söder fehlt, "Leibe" bleibt, die NPD heult

NZ-Sportredakteur Uli Digmayer arbeitet die Club-Woche auf und schaut nach vorn - 23.03.2018 18:07 Uhr

"Da hinten ist doch der Söder?" Tim Leibold konzentriert sich auf die wesentlichen Club-Dinge und verlängert beim FCN. © Sportfoto Zink / DaMa


Wer wird vermisst? Markus Söder. Zumindest von Michael Köllner. Eigentlich hätte der Trainer Bayerns neuen Ministerpräsidenten ja jüngst bei einer Preisverleihung in Amberg treffen sollen, doch ließ sich Söder dort kurzfristig durch seinen Staatssekretär vertreten - was Köllner schon ein bisschen schade fand. Nichtsdestotrotz gratulierte er dem Nürnberger CSU-Mann nach dem Spiel gegen Darmstadt via Pressekonferenz artig im Namen der Mannschaft zur Amtseinführung. Dass einige Club-Profis bei "Söder" bis dato allenfalls an die gleichnamige Hängeleuchte einer skandinavischen Möbelhauskette gedacht haben, ist bestimmt nur ein böses Gerücht.

Großes Kino 

Mitarbeiter der Woche: Tim Leibold natürlich. Allein der auf der Club-Homepage veröffentlichte Videoclip, in dem Leibold seine Unterschrift erst unter einen Mitgliedsantrag setzt, um dann fast beiläufig und mit schelmischem Grinsen anzumerken, dass er "übrigens auch" einen neuen Vertrag unterzeichnet habe, war ganz großes Kino.

Mit seinem Ja-Wort hat der von diversen Bundesligisten umworbene Linksverteidiger just in einer komplizierten Phase der Saison ein bemerkenswertes Zeichen gesetzt, das im Aufstiegskampf neue Energien freisetzen könnte. Das Wohlfühlklima und die Wertschätzung am Valznerweiher waren Leibold offenbar doch wichtiger als ein vermeintlicher Karrieresprung mit unsicherem Ausgang. Wie lange der 24-jährige Sympathieträger tatsächlich noch in Nürnberg spielen wird, bleibt freilich abzuwarten. Auch ein gewisser Marvin Plattenhardt hatte einst seine Vertragsverlängerung öffentlichkeitswirksam via Anzeigetafel im Stadion verkündet - und war dann nach dem Abstieg einer der ersten Profis, die Nürnberg den Rücken kehrten. Allerdings hatte der heutige Herthaner zuvor auch keinen Mitgliedsantrag unterschrieben...

Nervensäge der Woche: Der VfL Wolfsburg. Nach Bayer Leverkusen und dem Hamburger SV sollen nun auch die Niedersachsen recht intensiv um die Dienste von Michael Meeske gebuhlt haben. Nürnbergs in der Branche hochgeschätzter Finanzvorstand scheint aber fest entschlossen, seine Mission am Valznerweiher weiter vorantreiben zu wollen. "Es gibt genügend Aufgaben beim Club, denen ich mich inhaltlich verbunden fühle. Mein Fokus liegt ganz klar auf dem 1. FCN“, beteuerte der 46-Jährige auf NZ-Nachfrage. Überzeugte Ausgliederungsgegner könnten das durchaus auch als Drohung empfinden.

Wenn das letzte Spiel ein Album von Supertramp gewesen wäre, hieße es: "Crisis? What Crisis?" 

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Mittelmaß trotz Margreitter: Die Noten für den Glücklos-Club!

Trotz einer kämpferisch starken Leistung muss sich der 1. FC Nürnberg am Sonntag mit einem 1:1-Remis gegen den SV Darmstadt 98 zufrieden geben. Zu wenig eigentlich für einen Aufstiegsaspiranten. Zufriedenstellend sind die Noten für einen eigentlich fürs Toreverhindern zuständigen Vorarlberger und zumindest die meisten seiner Mitstreiter dennoch.


 Spruch der Woche: "Ich hätte mich selbst verprügelt, wenn nicht noch ein Ball reingegangen wäre." (Rechtsverteidiger Enrico Valentini, der gegen Darmstadt nach gefühlten 87 wirkungslos verpufften Eckbällen schließlich doch noch Georg Margreitter den Ausgleichstreffer zum 1:1 auflegte)

Lügt die Tabelle? Nö, noch steht der Club ja auf einem Aufstiegsplatz und hat zwei Zähler Vorsprung auf den wiederbelebten Dritten Holstein Kiel. Vor ein paar Wochen war sie der einzig wahren Wahrheit aber zweifellos schon einmal etwas näher gekommen.

 Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Was soll besser werden? Die leidige Torflautendiskussion hat Innenverteidiger Georg Margreitter nach 366 jubellosen Minuten ja dankenswerter Weise beendet. Und auch sonst war beim 1:1 gegen einen freilich biederen Tabellenvorletzten aus Darmstadt ein dezenter Aufwärtstrend nicht zu leugnen. In Sachen Chancenverwertung und offensiver Inspiration besteht aber noch Optimierungsbedarf, und auch seltsame kollektive Blackouts wie vor dem 0:1 sollte sich Nürnbergs Abwehr demnächst in Dresden besser nicht mehr erlauben. Vor allem aber darf nach vier sieglosen Spielen einfach mal wieder gewonnen werden. Wurscht wie.

Und sonst so? Dass das Video von der Pressekonferenz vor dem Darmstadt-Spiel mit dem Hinweis auf eine DFL-Aktion gegen Vorurteile und Diskriminierung beginnt, nahm die Nürnberger NPD mal eben zum Anlass, um auf YouTube ein bisschen herumzuheulen. Der Club würde "politisch Andersdenkende" öffentlich diskreditieren und diffamieren, ferner ereifert man sich im gewohnten Jargon über angebliche "Pressehetzer", "Systemmedien" und "Meinungsfaschismus". Hintergrund: Der Verein hatte den "Club Warriors Nürnberg", deren zweiter Vorsitzender bei der rechtsextremen Partei aktiv ist, mit der Aberkennung des offiziellen Fanklub-Status gedroht. Treffsicherer Konter eines Users zum NPD-Lamento: "Die Existenz von Menschen wie euch ist der Grund, dass es solche Kampagnen immer wieder braucht." 

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Club-Courage gegen Darmstadt: Der FCN rettet einen Zähler

Nach drei tor- und sieglosen Spielen war der Aufstiegskandidat aus Nürnberg gefordert, seine erstklassigen Ambitionen wieder einmal deutlich zu machen. Eine Kopfballstafette abstiegsbedrohter Darmstädter brachte den Club in der winterlichen Noris jedoch erst mal aus dem Tritt. Mit viel Engagement erarbeitete und erspielte sich ein vehement angreifender FCN im zweiten Durchgang zumindest einen mehr als verdienten Punkt.


  

Uli Digmayer

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