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Club: Gefühlte Niederlage trübte die Feiertage

Trotz 2:0-Pausenführung reichte es in Freiburg nur zu einem 2:2 - 10.04.2012 07:23 Uhr

Kurz vor der Pause brachte Tomas Pekhart den Club nach einer Ecke mit 2:0 in Front – und alles schien gerichtet für einen Auswärtssieg...

07.04.2012 © Zink


Dabei durfte man objektiv gesehen sogar guten Gewissens konstatieren, dass sich die Lage des Tabellenzwölften im Abstiegskampf keineswegs verschlechtert hat. Hamburg, Berlin und Köln mussten sich ebenfalls mit Punkteteilungen begnügen, Augsburg, Mainz und das mittlerweile abgeschlagene Schlusslicht Kaiserslautern gingen sogar leer aus. Nix passiert also – dennoch überwog in Franken der Frust über ein Remis, das nicht nur die meisten Club-Profis als gefühlte Niederlage empfanden.

Eine Halbzeit lang hatte der 1.FCN im brisanten Duell der punktgleichen Tabellennachbarn eigentlich alles richtig gemacht und eine spielerisch ansprechende Vorstellung endlich auch mit Toren garniert. Schon nach acht Minuten profitierten die couragierten Gäste von einem Blackout des indisponierten Freiburger Innenverteidigers Fallou Diagne, dessen hektischen Querpass Daniel Didavi erlief. Die Stuttgarter Leihgabe fackelte nicht lange und überwand den etwas zu weit vor dem Tor stehenden Keeper Oliver Baumann mit einem gefühlvollen Distanzschuss aus 22 Metern.

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Der zuletzt so imponierende Sportclub wirkte geschockt, Nürnberg lauerte auf Konter, ließ allerdings bei seinen Vorstößen – etwa durch Timothy Chandler oder Robert Mak, der nach den Ausfällen von Alexander Esswein und Adam Hlousek die linke Außenbahn übernahm – die letzte Konsequenz und Präzision vermissen. Auch defensiv zeigten sich die Gäste nicht immer sattelfest und hatten Glück, dass Daniel Caligiuri nach einem Luftloch von Per Nilsson, der wie erwartet den Gelb-gesperrten Philipp Wollscheid vertrat, den Ball knapp am linken Pfosten vorbeispitzelte (29.). Dennoch reichte es zu einer beruhigenden Pausenführung, weil Tomas Pekhart Sekunden vor dem Halbzeitpfiff den Ball nach einer Ecke aus dem Gewühl zum 2:0 über die Linie bugsierte.

Nach vier Niederlagen in Folge stand die Tür zum Klassenerhalt plötzlich wieder weit offen. Doch dann folgte eine zweite Hälfte, in der der Club seine komfortable Ausgangsposition fahrlässig verspielte. Man könnte natürlich reflexhaft die populäre These aufgreifen, wonach Dieter Heckings Mannschaft einfach nicht in der Lage zu sein scheint, über die komplette Arbeitszeit eine konzentrierte, engagierte Leistung abzurufen. Doch jedes Spiel hat seine eigene Geschichte, die den Grund des Scheiterns vielleicht erklärbar macht. Der Knackpunkt dieser Partie war jene Szene in der 52. Minute, als Nilsson Caligiuri im Strafraum mit einem kleinen Schubser aus dem Gleichgewicht brachte. Wohl kein absichtliches Foul, aber eben nicht ganz regelkonform. Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer pfiff, Caligiuri verwandelte, das Stadion tobte. Der Club ließ sich von der hitzigen Atmosphäre spürbar beeindrucken und kam kaum mehr zu Entlastungsangriffen. „Der Ausgleich“, gestand Didavi später ein, „war nur noch eine Frage der Zeit.“

Makiadi belohnte Freiburgs Energieleistung

Beantwortet wurde sie in der 79. Minute, als ein just vom eifrigen Javier Pinola abgewehrter Eckball Cedrick Makiadi vor die Füße fiel. Der Kongolese hielt aus 16 Metern drauf, Nilsson fälschte unglücklich ab – und Freiburg bejubelte euphorisch die zumindest partiell belohnte Energieleistung einer Elf, die trotz des frühen Verlusts ihres Kapitäns Julian Schuster, der sich im Luftduell mit Pekhart Nasenbein und Oberkiefer brach, erstaunliche Moral bewiesen hatte. Leidenschaftlich angefeuert übrigens von Fans, die sich bei ihrem Support nicht nur auf monotonen „Allez, Allez“-Singsang beschränken.

Während Erfolgstrainer Christian Streich, der in Gestus und Diktion bisweilen an einen alemannischen Dorfpfarrer erinnert, von der Freude schwärmte, die ihm die Arbeit „mit diesen jungen Leuten“ bereitet, gab sich Kollege Hecking weniger sentimental. Das offizielle Statement in der Pressekonferenz dürfte jedenfalls rekordverdächtig kurz geraten sein. „Zwei Halbzeiten, die erste für uns, die zweite für Freiburg. Gerechtes Unentschieden“, analysierte ein sichtlich angefressener Coach im Telegrammstil und hakte den verpassten Befreiungsschlag damit auch schon ab: „Am Mittwoch geht’s weiter, dankeschön.“

Die knifflige Heimaufgabe gegen den FC Schalke 04 (20Uhr) bietet bei der finalen Hatz nach den fehlenden Pünktchen die nächste Gelegenheit, der Abstiegszone etwas zu entfliehen. Selbst bei einer Niederlage, die im Duell mit dem Tabellendritten kaum auszuschließen ist, wird der Club nach menschlichem Ermessen nicht auf den Relegationsplatz abrutschen. Doch in Nürnberg wächst die Angst vor einem nervenaufreibenden Showdown zum Saisonende – genährt von der fatalen Halbzeit-Metamorphose im Breisgau, die erneut erahnen ließ, dass dieser Mannschaft alles zuzutrauen ist. Im Positiven wie im Negativen.

Zumindest Torschütze Didavi vergaß bei aller Enttäuschung aber nicht zu erwähnen, „dass am Ende vielleicht gerade dieser Punkt im Abstiegskampf entscheidend sein könnte“. Und dann wären gewiss auch alle frustrierten Facebook-Freunde wieder versöhnt.

Freiburg: Baumann – Mujdza, Diagne, Ginter, Sorg – Makiadi, Schuster (25. Flum) – Schmid, Caligiuri (79. Santini) – Freis, Guede (46. Reisinger) / Nürnberg: Schäfer – Feulner, Nilsson, Maroh, Pinola – Simons, Balitsch – Chandler, Didavi (69. Cohen), Mak (85. Bunjaku) – Pekhart (80. Hegeler) / SR: Kinhöfer (Herne) / Tore: 0:1 Didavi (8.), 0:2 Pekhart (45.+2), 1:2 Caligiuri (53., Foulelfmeter), 2:2 Makiadi (79.) / Zuschauer: 24000 (ausverkauft) / Gelbe Karten: Makiadi (5), Flum (6), Sorg (2) – Feulner (10), Nilsson, Maroh (3).

Uli Digmayer

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