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Club nach Pokal-Aus: Eine zweite Halbzeit zum Anknüpfen

Das Positive überwog beim 2:3 im Pokal gegen den FC Schalke 04 - 28.10.2016 05:59 Uhr

Patrick Kammerbauer (links) und Lukas Mühl (rechts) soll beim Club die Zukunft gehören. © Sportfoto Zink / JüRa


"Wir haben Moral gezeigt und uns zurückgekämpft. Es war ein gutes Spiel für die Zuschauer", sagte Guido Burgstaller. Für die Mannschaft hätte es ein richtig gutes werden können, "wenn wir in der ersten Halbzeit nicht so mutlos gespielt hätten", befand der Angreifer, den die zweiten 45 Minuten milde über das Aus in der zweiten Runde stimmten. Auch Tobias Kempe, der nach einem Eigentor des Schalkers Baba mit einem verwandelten Foulelfmeter zum 2:3 die Hoffnungen auf eine Pokalüberraschung endgültig wachgeküsst hatte, war letztlich nicht unzufrieden: "Schalke ist ja keine Laufkundschaft. Unsere erste Halbzeit war zum Vergessen, aber an die zweite können wir anknüpfen."

Patrick Kammerbauer stand lediglich in jener zweiten, in der laut Trainer Alois Schwartz "die Mannschaft ihr wahres Gesicht" gezeigt habe, auf dem Platz. An den beiden vergangenen Spieltagen war der 19-Jährige jeweils in der Schlussminute eingewechselt worden, was als Belohnung für seinen Trainingseifer zu deuten ist. "Er ist ein sehr williger und wissbegieriger Spieler, der ständig im Training Leistung abruft und bereit ist, über seinen inneren Schweinehund zu gehen", lobte Schwartz.

Welpenschutz für Kammerbauer

In der Partie gegen die Königsblauen kam Kammerbauers Hereinnahme schon größere Bedeutung zu, sie war eine personelle Notwendigkeit. In den letzten 19 Minuten konnte der gebürtige Weißenburger den an der Schulter verletzten Hanno Behrens im defensiven Mittelfeld vertreten, tat dies mit ausgesprochener Ruhe am Ball, einem guten Auge und leistete sich noch dazu kaum Abspielfehler. Selbst für ein taktisches Foul an der Strafraumgrenze war er reif genug.

Nur über das Erlebte sprechen durfte er nicht. Kammerbauer genießt wie der ebenfalls 19-jährige Verteidiger Lukas Mühl Welpenschutz und steht per Vereinsdekret noch nicht für Medienanfragen zu Verfügung.

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Als Schwartz damit begann, dem Fußballspielen hauptberuflich nachzugehen, konnte er nicht mit so viel gutgemeinter Fürsorge rechnen. Musste er aber auch nicht. Das Wort der Jungen war in der Öffentlichkeit noch nicht von Belang, und es wurde sicherlich auch noch nicht jede Silbe auf die Goldwaage gelegt. "Ich bin, glaube ich, nie gefragt worden", erinnert sich der heute 49-Jährige an seine Anfangszeiten, als der Stellenwert des Nachwuchses genauso überschaubar war wie dessen Privilegien. Die Massagebank war den altgedienten Recken im Team vorbehalten, blickt Schwartz zurück: „Die Bälle mussten die Jungen tragen und auch noch einfetten.“ Heute bekommen die Spieler ihr Fett weg, wenn sie sich so äußern, dass es Verein oder Mitspielern nicht passt, oder sie in der Öffentlichkeit zu großspurig auftreten.

Verhindern soll dies eine Medienschulung, die mitunter den leidigen Nebeneffekt hat, dass sich die dann geschliffenen Statements kaum noch von denen der ausgebufften Kollegen unterscheiden. "Ich würde mich freuen, wenn man ihn nach seinen ersten Einsätzen normal betrachtet. Man weiß nie, was so ein Hype aus den Spielern macht", wirbt Schwartz für Behutsamkeit. Er lässt aber auch erahnen, dass er große Hoffnungen in ihn setzt: "Patrick braucht schon noch seine Zeit, aber ich glaube, dass er seinen Weg machen könnte."

"Wenn er was abkriegt, steht er wieder auf"

Trotz einer Größe von gerade mal 1,74 Metern sei der Lizenzspieler, der als Backup für die Außenverteidiger vorgesehen ist, sehr kopfballstark. "Er hat keine Angst und haut sich voll rein. Wenn er im Training was abkriegt, steht er wieder auf", lobt der Coach die Nehmerqualitäten des 19-Jährigen. Dessen Variabilität mache ihn zu einem "sehr wichtigen Mannschaftsspieler".

Seiner Vielseitigkeit machte Kammerbauer gestern als Autogrammeschreiber beim Stand des Clubs auf der Verbrauchermesse Consumenta alle Ehre, als er kurzfristig für Dave Bulthuis einsprang.

Ein schüchternes Lächeln ließ erahnen, dass er sich im Dress der Profis schon sehr wohl fühlt. Darüber reden wird er bei Zeiten sicherlich auch noch.

Stefan Jablonka

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