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Club-Trainer soll bleiben: Bornemann will Köllner befördern

Aufsichtsratschef Grethlein und der Sportvorstand im Interview - 08.05.2017 05:47 Uhr

"Es gibt nicht wahnsinnig viele Gründe, die dagegen sprechen. Sondern viele, die dafür sprechen": Aufsichtsratschef Thomas Grethlein (links) und Sportvorstand Andreas Bornemann glauben an Michael Köllner (unten). © Sportfoto Zink / WoZi


Meine Herren, die Frage, ob Michael Köllner der Trainer des 1. FC Nürnberg bleibt oder nicht, ist eine nicht ganz unbedeutende ...

Bornemann: Deswegen werden wir sie wahrscheinlich auch relativ zeitnah beantworten.

Die Entscheidung ist also schon längst gefallen – pro Köllner?

Bornemann: Es ist kein Geheimnis, dass es nicht wahnsinnig viele Gründe gibt, die dagegen sprechen. Sondern viele, die dafür sprechen.

Was zeichnet ihn als Trainer aus?

Grethlein: Dass er an den Jungen festhält, dass er sie stärkt, dass er das spielerische Element stärker betont. Dass er sehr motiviert und motivierend ist.

Eine Doppelfunktion als Profi-Trainer und NLZ-Leiter können Sie ausschließen?

Grethlein: So muss es laut Statuten und Organigramm sein.

Bornemann: Grundsätzlich ist das Szenario klar umrissen: Wird Michael Köllner befördert, brauchen wir einen neuen NLZ-Leiter und einen neuen Trainer für die U21. Wir erwarten uns allerdings vom Cheftrainer, dass er eine Art Richtlinienkompetenz vorgibt, auch für das NLZ. Er ist also der Cheftrainer aller Trainer und nicht nur der Cheftrainer von 25 Spielern.

Köllner darf den neuen NLZ-Chef mit aussuchen?

Bornemann: Es geht um die Idee, die Ausbildungsidee, die man über eine gewisse Zeit entwickelt hat. Und da muss die neue NLZ-Leitung natürlich zur Idee passen. Wir werden nicht von oben herab irgendjemanden hinsetzen, der sich vielleicht nicht mit den sportlich Verantwortlichen versteht. Idealerweise müssen die beiden eng verzahnt sein und dieselbe Sprache sprechen, wenn sie über Fußball reden. Es muss jetzt aber nicht zwingend noch einer aus der Oberpfalz sein.

Sind Sie nach dem Sieg in Sandhausen erleichtert, obwohl die Gefahrenzone eigentlich noch relativ weit entfernt war?

Bornemann: Auf jeden Fall. Schauen Sie sich doch die Ergebnisse an, die da Woche für Woche so zustandekommen. Da will man genau eines nicht: Dass man selbst noch unter Druck gerät und am letzten Spieltag in Kaiserslautern vielleicht noch einen Punkt braucht. Das muss nicht sein, das wollten wir unbedingt vermeiden. Gut, dass wir es drei Spieltage vor Schluss geregelt haben. Bei den vielen Abgängen, den vielen Verletzten, dem Trainerwechsel, da geht auch immer etwas verloren. Für uns ist es grundsätzlich positiv, dass wir auch mit den jungen Spielern nie akut unten reingeraten sind. Natürlich hatten wir die Tabelle im Auge, genauso hofften wir in guten Phasen, vielleicht noch etwas weiter oben ein Wörtchen mitreden zu können.

Der Trainer geht mit einem sehr guten Gefühl in die neue Saison und ist ausgesprochen zuversichtlich – wie denken Sie darüber? Welche Ziele haben sie?

Grethlein: Über die Ziele werden wir uns verständigen, wenn wir wissen, wie die neue Mannschaft aussieht. Und natürlich auch, wie die neue Liga aussieht, wer neben Darmstadt von oben herunterkommt und wer aufsteigt. Nach heutigem Stand gehe ich schon optimistisch in die nächste Saison. Wenn sich festigt, was wir in den vergangenen Wochen ansatzweise immer wieder gesehen haben, können wir eine gute Rolle spielen.

Ein paar Fragezeichen im Kader

Also könnte die Vorgabe lauten wie im vergangenen Sommer: Im Dunstkreis der Spitzenmannschaften bleiben ...

Bornemann: Wie gesagt: Wir wollen eine gute Rolle spielen. Aber warten wir erst einmal ab, was sich personell noch so tut. Es gibt schon noch ein paar Fragezeichen in unserem Kader.

Etwa?

Bornemann: Kommt Stefan Kutschke zurück oder nicht? Die Verträge von zwei Innenverteidigern (Bulthuis, Hovland, d. Red.) laufen aus, andere Planstellen sind noch offen. Da muss man abwarten, wie wir die besetzen. Was macht die Konkurrenz? Wenn die Sechziger drinbleiben, sprechen wir demnächst wahrscheinlich über eine andere Mannschaft. Auch die Vereine, die gerade oben dabei sind, aber nicht aufsteigen, werden einen neuen Anlauf nehmen. Und, und, und. Das sind ja auch Dinge, die wir nicht beeinflussen können.

Der Aufstieg bleibt also vorerst nicht mehr als eine Vision, ein Traum?

Bornemann: Es hat doch nie jemand etwas anders behauptet, als dass wir gerne wieder die Bundesliga erreichen würden, das muss auch das Ziel sein. Ob es immer Sinn macht, so forsch damit umzugehen, steht auf einem anderen Blatt. Erst recht, wenn man weiß, wie die Voraussetzungen bei uns gerade sind. Es gibt viele gute Ansätze, auch und gerade mit den jungen Spielern.

"Jeder im Verein möchte gerne aufsteigen"

Sie haben sich mit Blick auf diese Saison diplomatischer ausgedrückt als der eine oder andere ihrer Profis ...

Bornemann: Ich habe aber nie gesagt, dass ich das nicht auch will.

Grethlein: Jeder im Verein möchte gerne aufsteigen. Mit den vielen jungen Spielern muss man aber geduldig sein, sie werden ihre Hänger haben, ihre Leistungsdellen. Das sieht man sogar innerhalb eines Spiels, bessere und schwächere Phasen, aber das gehört eben auch dazu. Dann muss man einkalkulieren, Spiele zu verlieren, die man eigentlich unbedingt gewinnen wollte.

Hätten Sie dem Trainer so eine Entwicklung zugetraut? Köllner hat sich ja schon auch ein wenig verändert seit seiner Beförderung Anfang März ...

Grethlein: Ja, stimmt, er hat sich auch ein bisschen verändert. Er strahlt noch mehr Freude aus, obgleich der Druck naturgemäß gestiegen ist. Er war von Anfang an sehr engagiert und fleißig. Wenn wir etwas zusammen besprochen haben, kam am nächsten Tag sofort ein Protokoll von ihm. Ab dem ersten Tag war das top.

Sein Ehrgeiz hat Vorbildcharakter für den gesamten Verein?

Grethlein: Ja, das kann man schon so sagen. Weil er auf Details, auf Kleinigkeiten achtet. Das finde ich immer wichtig. Wenn man hier und da nicht richtig aufpasst, kann das einem auch schon mal auf die Füße fallen. Die Gefahr sehe ich bei Michael Köllner nicht.

Das kann also etwas werden mit Köllner?

Grethlein: Ja, das kann etwas werden.

Interview: Wolfgang Laaß

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