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Dart soll beim SV Burggrafenhof heimisch werden

Die Pläne liegen nur auf Eis: Der SVB will endlich eine Dart-Abteilung gründen - 07.01.2021 11:09 Uhr

Klaus Mühlbacher vor dem Brett, das immer mehr Männern die Welt bedeutet. Dart soll auch beim SV Burggrafenhof eine Heimat finden, dafür will er sorgen.

05.01.2021 © Foto: privat


Dem Klischee nach handelt es sich bei Dartspielern um Männer ab 40 mit überdurchschnittlichem Bauchumfang und tätowierten Armen. Herr Mühlbacher, wie würden Sie den körperlichen Zustand des Aufgebots Ihrer Mannschaft beschreiben?

Vom Alter her ist alles vertreten, ich sage mal zwischen 20 und 55 Jahren. Und auch alle Körpergrößen und Körperumfänge sind dabei, vom Hager-sportlichen bis hin zum Stämmigen ist alles da, was man braucht. Das Klischee wird also teilweise erfüllt – nur die Tattoos fehlen noch. Die werden vielleicht kommen, wenn wir in den Profibereich einsteigen.


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Darts war früher ein Kneipensport, jetzt ist es im Deutschen Olympischen Sportbund offiziell gelistet. Wie gehen Sie mit Aussagen wie "Dart ist kein Sport" um?

Dieses Spiel ist von einem hohen Maß an Übung und Konzentration geprägt. Jeder, der das mal ausprobiert und sich dann mit Leuten misst, die das auch richtig gut können, wird merken, dass das schon eine Herausforderung ist. Es ist auch mit einem großen Aufwand verbunden, um auf einem hohen Niveau spielen zu können. Natürlich gibt es Leute, die dabei mal ein Bier trinken. Das gibt es immer, das kann man nicht ausschließen. Aber es ist schon ein Sport, den wir im Verein als Sport ansehen – absolut. Wir gehen da mit einem sportlichen Ehrgeiz ran.

Wer beim SV Burggrafenhof hatte die Idee, jetzt auch Dart zu spielen?

Das ist beim Zusammensitzen aus einer Bierlaune heraus entstanden. Es gibt bei uns im Verein das eine oder andere Mitglied, das gerne spielt. Da ist die Idee aufgekommen, das Dartspielen ganz offiziell im Verein zu starten. 2020 haben wir dann wegen Corona teilweise pausiert. Jetzt warten wir eben drauf, dass es wieder losgeht, dann werden wir auch wieder zusammenkommen. Aktuell würde ich es auch noch eher als einen Zusammenschluss von Interessierten bezeichnen und nicht als offizielle Abteilung. (schmunzelt)

Mit 180 in die Vereinszeitung

Wie ist die Resonanz?

Die Idee ist sehr gut angekommen, da es natürlich was Neues ist. Ob man es schon als Sport auf dem Niveau, wo wir gerade sind, bezeichnen kann, weiß ich nicht. Es ist zumindest eine gute Möglichkeit, sich auszutauschen, sich zu treffen und was Neues voranzutreiben. Das kann dem Verein natürlich nur guttun.


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Wollen Sie mit Ihrer Abteilung in Richtung Profisport?

Wenn das mal Substanz annimmt, natürlich. Wenn wir es "gescheit" machen wollen, auf gut Deutsch gesagt, müssen wir das machen.

Gibt es schon erste Höhepunkte, von denen Sie berichten können?

Als ein Spieler die ersten "180" geworfen hat, das ist die maximale Punktzahl, haben wir ihn in unserem Vereinsheft vorgestellt. Er darf jetzt in der Runde ein Spanferkel ausgeben. Das ist die Geselligkeit, die wir erreichen wollen. Das Zusammenkommen und die Gemeinschaft stehen bei uns im Fokus.

Training auf spezielle Ziele

Die Zuschauer bei den Fernsehübertragungen aus England waren vor Corona oft laut und die Stimmung glich einer großen Party. Wie muss man sich in Zukunft die Turniere bei Ihnen im Verein vorstellen?

Das wird bei uns anfangs anders ablaufen. Auf dem Einsteigerniveau, auf dem wir gerade noch sind, ist es eher so, dass man Ruhe braucht, um sich konzentrieren zu können. So "abgezockt" sind wir auf dem Level noch nicht, dass wir jedes Nebengeräusch einfach ignorieren können. Bis man an dem Punkt ist, das zu können, muss man viele Jahre gespielt haben und das Spiel auch wirklich beherrschen.

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Wie läuft das Training aktuell ab? Via Internet?

Die Idee hatten wir schon, dass wir ein Art Online-Training machen. Es hat aber nicht jeder eine Dartscheibe und geeignete Räumlichkeiten. Wenn dann nur drei oder vier Mitglieder mitmachen können, dann ist das für uns als Verein natürlich eher suboptimal. Wir müssen warten, bis wir wieder dürfen.

Wie sieht professionelles Training im Dartsport aus?

Es gibt natürlich verschiedene Übungsmöglichkeiten. Man kann sich auf verschiedene Würfe spezialisieren, beispielsweise nur auf "Doppel", "Triple", verschiedene Zahlen oder Zahlenfolgen. Bei uns im Verein wirft sich jeder ein, dann wird gespielt und man schaut, wie es läuft. Bei uns ist aktuell eher der Spielmodus im Vordergrund.

Nur acht Millimeter breit

Gibt es jemanden im Verein, der Erfahrung hat oder wer leitet die Abteilung an?

Es gibt ein, zwei Mitglieder, die da bereits Erfahrung haben. Die haben auch schon mal vereinsmäßig gespielt. Die werden das nach Corona federführend vorantreiben.

Was macht Dart für Sie so besonders?

Besonders ist an dem Sport diese Perfektion, die dahintersteckt. Man muss schon ein Faible dafür haben. Dieser Sport verlangt Konzentrationsfähigkeit, motorische Fähigkeiten und Konstanz. Wenn man sich beispielsweise den Triple-Ring anschaut, der ist nur acht Millimeter breit. Das Feld zu treffen, fordert natürlich ein gewisses Maß an Präzision, nicht nur die Kraft für den Wurf.

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Welche mittelfristigen Ziele haben Sie sich gesetzt?

Zuerst wollen wir die Abteilung vollständig etablieren. Wenn Corona nicht wäre, wären wir bestimmt schon weiter. Natürlich wollen wir auf kurz oder lang in den Wettkampfbetrieb einsteigen. Wenn die Motivation so hoch bleibt, wenn wir wieder regulär trainieren können, wollen wir auch mal in einer Liga spielen.

Preisgelder sind hoch

Wo sehen Sie den Dartsport in den nächsten Jahrzehnten?

Nur wenn wir mit einem deutschen Ausnahme-Spieler mal einen "Boris-Becker-Effekt" erreichen könnten, könnte ich mir vorstellen, dass sich was tut. Deutschland ist ein großer Markt und letztlich geht es auch um die Vermarktung. Das sieht man auch anhand der Preisgelder. Dass sich an dem Sport selber was ändert, glaube ich nicht.

Könnten Sie sich vorstellen, dass Dart ein ähnlicher Hype wird wie beispielsweise Klettern?

Warum nicht? Vielleicht ist das Dartspielen aber auch eine der Sportarten, die man zu Zeiten von Corona gut zu Hause machen kann. Vielleicht gibt es in Zukunft digitale Turniere, das muss sich natürlich jetzt erst entwickeln. Der Trend geht aktuell gezwungenermaßen eher zum Heimsport – leider.

Klaus Mühlbacher, 50 Jahre alt, ist in Langenzenn aufgewachsen und seit seinem 18. Lebensjahr Mitglied beim SV Burggrafenhof, der damals nur eine Fußballabteilung hatte. Mittlerweile sind vier weitere Abteilungen hinzugekommen, Dart soll die sechste werden. Der SVB hat aktuell 600 Mitglieder. Mühlbacher ist Geschäftsbereichsleiter in einem Nürnberger Industriebetrieb.

JASMIN PAULER Fürther Nachrichten

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