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Das Kleeblatt sagt bye-bye Bundesliga

Konkurrenz punktet und besiegelt den Fürther Abstieg - 28.04.2013 20:38 Uhr

„Der Abstieg ist schon schlimm genug. Aber so einen Negativ-Rekord will keiner in seiner Vita stehen haben“, sagte Bernd Nehrig (rechts) nach dem 16.Heimspiel in Folge ohne Sieg. © Sportfoto Zink


Ein Traum ist zerplatzt. Das fragile Gebilde, das mehr auf vagen Hoffnungen denn auf einer gesunden sportlichen Basis ruhte, ist eingestürzt.

Vor ungefähr einem Jahr hatte sich eine ganze Stadt an einem wahr gewordenen Traum ergötzt, die Spielvereinigung war gerade als 52.Verein seit Bestehen der Bundesliga ins Oberhaus eingezogen. Man feierte den größten Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte – und machte in den folgenden Wochen doch solch gravierende Fehler, dass sie nicht mehr zu beheben waren. Fehleinkäufe, Masse statt Klasse, der Posten des Managers nicht besetzt, ein Präsident, der sich mit allem und jeden beschäftigen musste, ein funktionierendes Kollektiv, das auseinandergerissen wurde und etliche Fehleinschätzungen des damaligen Trainers Mike Büskens: Aus den Aufstiegs-Helden wurden schnell Duckmäuser, die sich anpassten, anstatt ihr System auch in der Bundesliga konsequent zu verfolgen. Der Abstieg ist jetzt nur die letzte Konsequenz einer Anhäufung von Fehlern.

Es droht ein unrühmlicher Rekord

Fürths Geschichte in der Bundesliga ist beendet. Spuren hat man keine hinterlassen. Im Rückblick war der Verein lediglich einer von vielen, die versucht haben, sich mit den Besten einer europäischen Topliga zu messen, aber kläglich gescheitert sind. Unter Neu-Trainer Frank Kramer hat sich das Kleeblatt seit Anfang März zumindest stabilisiert, Kramers Idee vom Fußball mit aggressivem Pressing und schnellem Umschaltspiel ist mehr als nur eine leise Ahnung, und doch: Fürth droht ein unrühmlicher Rekord, der so schnell nicht mehr aus den Annalen der Bundesliga-Historie zu löschen sein dürfte. Noch keine Mannschaft hat es in fünfzig Jahren Bundesliga geschafft, kein einziges Heimspiel in einer Saison zu gewinnen.

Tasmania Berlin, dieser Vorzeigedeppenklub für alle Stammtischparolenschwinger, hat in seinem einzigen Jahr in der Bundesliga sogar zweimal zu Hause gewinnen können. Schlechter war nur Hertha BSC Berlin in der Saison 2009/2010, als die alte Dame nur im ersten Saisonspiel auf der Höhe war. Und nun Fürth: Gegen Hannover unterlag eine Mannschaft, die in dieser Besetzung bald der Vergangenheit angehört, mit 2:3 und vergab damit die vorletzte Chance, einem peinlichen Makel zu entgehen.

Am 11. Mai hat Fürth nun nur noch eine Möglichkeit gegen den SC Freiburg, den Heimfluch zu beenden. Die Protagonisten versprachen gleich am Freitagabend, alles daranzusetzen, „die Sache anständig zu Ende zu bringen“, wandte sich der scheidende Bernd Nehrig in Richtung Fans: „Das sind wir ihnen schuldig.“

Dabei hätte schon gegen Hannover der sehnlichst erhoffte Heimsieg herausspringen müssen, doch war die Partie gegen die Niedersachsen ein Spiegelbild dieser Saison: Fürth hatte genug Möglichkeiten, ließ aber ein halbes Dutzend bester Einschusschancen ungenutzt. Die Gäste dagegen zeigten sich eiskalt vor dem Tor und machten aus viereinhalb Chancen satte drei Treffer. „Am Ende stehst du wie der Depp da“, befand Nehrig nach dem 16.Heimspiel ohne Sieg. „Es haben Kleinigkeiten entschieden. Aber deswegen ist die Bundesliga auch die Bundesliga.“

Spannung herrscht in den kommenden Wochen lediglich noch in der Frage, wer mit dem Kleeblatt in die zweite Liga geht. Neben den bereits bekannten Abgängen gibt es noch einige Wackelkandidaten: Eddy Prib wurde am Freitag erneut von Vertretern der englischen Premierleague-Klubs FC Reading und FC Fulham beobachtet, Mergim Mavraj mit zuletzt plötzlich ansteigender Formkurve und der junge Derby-Held Johannes Geis haben sich in den Fokus anderer Klubs gespielt. Bei entsprechender Ablösesumme wäre wohl auch ein Abschied von Linksverteidiger Rahman Baba mit anschließender Ausleihoption ein denkbarer Weg.

Der Neuaufbau mit einem zu erwartenden radikalen personellen Umbruch wird nun Priorität genießen. „Wir müssen alles hinterfragen und sehr kritisch mit uns selbst umgehen“, hatte Frank Kramer schon kurz nach seinem Amtsantritt von sich gegeben. Diese Einschätzung ist nach dem feststehenden Abstieg aktueller denn je. Die verbleibenden drei Spiele in der Bundesliga sind nicht mehr als ein schlechter Film – ohne Happy End. 

von Florian Pöhlmann

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