Abstieg ist sicher

Das letzte Bundesliga-Abenteuer des Golf-Club Herzogenaurach

21.7.2021, 09:07 Uhr
Noch einmal mit den Besten messen: Lukas Keplinger und sein Team vom GC Herzogenaurach sind auf Bundesliga-Abschiedstour.
 

Noch einmal mit den Besten messen: Lukas Keplinger und sein Team vom GC Herzogenaurach sind auf Bundesliga-Abschiedstour.   © DGV/Kirmaier, NNZ

Zwölf Kilometer sind für Fußballer eine gute Laufleistung in einem Bundesliga-Spiel. Die Fleißigsten schaffen in 90 Minuten sogar ein bisschen mehr. Bei den Golfern in Deutschlands höchster Spielklasse ist das genauso, nur dass bei ihnen weniger Kilometer besser sind. Denn niemand möchte allzu weit vom Kurs abweichen, um einen Ball aus irgendeinem Gebüsch zu holen. Und das muss man in Herzogenaurach ziemlich oft, wenn der Schlag am Ziel vorbei geht.

Blumenwiesen, Schmetterlinge und über einem die Störche

Der Golf-Club setzt viel Wert auf die natürliche Gestaltung der Anlage, Wildblumenwiesen umrahmen das gemähte Grün. Selbst ein sportlicher Wettkampf auf höchstem nationalen Niveau wird so umrahmt von Schmetterlingen und Vogelgezwitscher. Über einem kreisen zwei Störche.

6400 Meter lang ist der 2003 erbaute 18-Loch-Platz in Herzogenaurach und gehört damit zu den größeren Anlagen der Bundesliga-Teams. Für Hobbyspieler sind die weiten Schläge eine große Herausforderung, die Golfer, die am vergangenen Wochenende zu Gast waren, hatten mit den Reichweiten von teilweise mehr als 500 Metern keine Probleme.

Auch als Zuschauer geht man viele Kilometer

Gerade läuft der Vierer-Team-Wettbewerb, in dem die Golfer in Duos antreten und sich Schlag für Schlag abwechseln. Der gehört mit zwei Einzel-Durchgängen zum Standard-Bundesliga-Wochenende. Die Herzogenauracher sind in ihren blau-rosafarbenen Trikots gut erkennbar, außerdem haben die Spieler des Heimteams jeweils ein paar Zuschauer dabei. Freundinnen und Familie geht Bahn für Bahn mit. So hat man auch als Fan einiges an Kilometern gesammelt an einem Tag.

In der Golf-Bundesliga betritt man die Schwelle zwischen Amateuren und Profis. Jedes Team kann einen professionellen Spieler anstellen, die anderen dürfen mit Golf nicht ihren Lebensunterhalt verdienen, viele sind Studenten. Und sportlich gehören sie zu den Besten in Deutschland.

Im Verein sind mehr als 100 Single-Handicaper

Seit 54 Jahren gibt es den Golf-Club, der schon immer ein sportlicher Klub war. Unter den Vereinsmitgliedern sind mehr als 100 Single-Handicaper, also alles sehr starke Spieler. "Vor zehn Jahren gab es eine Generation sehr guter Jugendlicher. Die hatten sich den Aufstieg in die Bundesliga zum Ziel gesetzt", sagt GC-Präsident Bernd Dürrbeck. Aus der Oberliga kletterten die Herzogenauracher bis in die zweite Liga und 2015 letztlich sogar ins deutsche Oberhaus. "Bis dahin war das alles mit regionalen Spielern machbar", sagt Dürrbeck. "Dann aber kommt ein gewaltiger Niveau-Sprung."

Auf dem Golfplatz in Herzogenaurach sieht man nicht nur gemähtes Grün, sondern auch viele Wildblumen. Diese natürlichen Elemente gehören mittlerweile zum Konzept der Anlage.

Auf dem Golfplatz in Herzogenaurach sieht man nicht nur gemähtes Grün, sondern auch viele Wildblumen. Diese natürlichen Elemente gehören mittlerweile zum Konzept der Anlage. © DGV/Kirmaier, NNZ

Umso erstaunlicher, dass der Golf-Club oben mithalten konnte. Und nicht nur das. Herzogenaurach überraschte Jahr für Jahr. "Zuerst waren wir der Neue in einer etablierten Gesellschaft", sagt Dürrbeck. Mit den sportlichen Erfolgen hat sich der Golf-Club Respekt erarbeitet. Hinter dem Team stand der damalige Vereinspräsident Peter Pantel, der auch als Hauptsponsor die Mannschaft förderte und Spitzenspieler aus ganz Bayern nach Herzogenaurach lockte. Darunter Matthias Schmid, der gerade die Auszeichnung als bester Amateur der British Open 2021 gewonnen hat und jetzt den Schritt zum Profi wagt.

"Wir machen das wirklich als Amateure"

2020 haben die Herzogenauracher Bronze bei den Deutschen Mannschafts-Meisterschaften geholt. Darauf aufbauen aber konnte die Mannschaft nicht. "Es war klar, dass es einen Umbruch geben würde", sagt Dürrbeck. Schmid schafft es zeitlich nicht mehr zu den Bundesliga-Wettkämpfen, zwei Spieler haben die Ausbildung zum Golflehrer gemacht und dürfen nicht spielen, andere wollten aufhören. Ein Ziel war immer, um die Deutsche Meisterschaft mitzuspielen. Nach dem dritten Platz war gefühlt das Maximum erreicht.

Nun hat der Golf-Club neue Ziele. Und die liegen - auch weil ein Hauptsponsor fehlt - nicht im Bundesliga-Team. Die Spieler aus der zweiten Mannschaft haben sich dennoch entschieden, es in der Beletage zu versuchen - mit dem Wissen, nicht mithalten zu können. "Das Budget ist nun um ein Vielfaches niedriger als das der anderen Vereine", sagt der Präsident. "Wir machen das wirklich als Amateure. Doch für uns ist das die sportlichste Lösung. Hätten wir die Mannschaft zurückgezogen, hätten alle einen Gegner weniger gehabt. Außerdem wollten wir unseren talentierten Jugendspielern die Möglichkeit geben, in der Bundesliga Erfahrung zu sammeln." Weiterhin will der Golf-Club den Nachwuchs fördern, dafür gründet der Verein sogar eine dritte Mannschaft.


Herzogenaurach golft mit jungem Team im Abstiegskampf


In der aktuellen Saison läuft es wie erwartet: Das Team verliert auf seiner Abschiedstour durch die Bundesliga Spieltag für Spieltag. Auch auf der heimischen Anlagen hatte der Golf-Club am Wochenende keine Chance. An vier von fünf Spieltagen haben sie den letzten Platz belegt, der finale Spieltag steht noch aus. Der Abstieg in die zweite Liga ist beschlossen. Und selbst dort muss sich Herzogenaurach anstrengen, um die Klasse zu halten. Immerhin steigt mit dem Golfclub am Reichswald der Nürnberger Nachbar auf. "Dann haben wir ein Derby", sagt Dürrbeck. Mehr gelaufen wird im Golf da aber nicht.

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