Den LAC-Athleten droht weiter der Verlust ihrer Heimat

27.12.2017, 16:00 Uhr
Die erst vor zwei Jahren renovierte Halle am Finkenschlag ist der ganze Stolz des LAC Quelle Fürth. Auch ihre Zukunft wäre ungewiss.

© Foto: Jürgen Rauh/Zink Die erst vor zwei Jahren renovierte Halle am Finkenschlag ist der ganze Stolz des LAC Quelle Fürth. Auch ihre Zukunft wäre ungewiss.

Jörg Stäcker, hauptamtlicher Teamleiter Lauf beim Bayerischen Leichtathletik-Verband, muss sich Sorgen machen. Sorgen um den Status des LAC Quelle Fürth als Bundesstützpunkt für den Nachwuchs des Deutschen Leichtathletik-Verbands. Politische Planspiele auf Bundesebene drohen seit geraumer Zeit mit der Schließung des Standorts, zugunsten einer Zentralisierung der Nachwuchsförderung. Stäcker findet klare Worte für das mögliche Szenario: "Der bayerische Verband und auch die eigenen Vereine werden dann in gewisser Weise entmachtet. Denen werden die Athleten weggenommen. Ich denke nicht, dass das sinnvoll ist. Nur einen Standort in München zu haben, ist Irrsinn."

Dem pflichtet auch Bertram Böhm bei. Der ehemalige Sport-Beirat des LAC-Quelle-Vorstands nimmt kein Blatt vor den Mund: "Man hat den Eindruck, die Verbände wissen auch nicht mehr, was los ist. Es ist ein tragikomisches Stück. Es ist erschreckend, wie sich die deutsche Sportpolitik darstellt. Wenn alle so arbeiten würden, hätten wir kein soziales Gefüge mehr im Sport, mit dem wir Kinder beschäftigen können, mit denen wir etwas Tolles machen — nichts."

Ohne den LAC bliebe in Bayern nur noch München als Ausbildungsstätte übrig. "Der Standort", so Jörg Stäcker, "ist zwar hier am Finkenschlag, aber die ganzen Nachbarvereine zählen ja auch dazu. Eckental, Höchstadt-Aisch, Katzwang und so weiter." Alle Bundeskader aus der Region dürfen in der Halle in Fürth kostenfrei trainieren. Und die infrastrukturellen Verflechtungen reichen noch weiter. Viele Studenten der hiesigen Partneruni des Spitzensports, der Friedrich-Alexander-Universität, trainieren in Erlangen. Auch die Elitesportschule Bertolt-Brecht und die FOS Lothar-von-Faber in Nürnberg tragen zum erfolgreich arbeitenden Konstrukt des Standorts bei.

Stäcker wird ernst: "Vor einem Jahr kam dann diese Idee auf, dass der Stützpunkt eventuell wackelt. Der Spitzensport hat immer weniger Geld, es soll aber trotzdem immer mehr dabei rauskommen. Das ist schon irgendwo paradox. Das kann gar nicht klappen."

Eine Art DDR-System?

Deshalb werde im Hintergrund an einer Art "DDR-System" gearbeitet, wie Stäcker die geplante Zentralisierung an wenigen Leistungszentren nennt. "Das verursacht natürlich allgemeines Kopfschütteln, einen Standort wie diesen hier auf die Streichliste zu setzen", stellt der Jugendförderer fest.

Und auch Böhm sieht es so. Denn klar sei zwar, dass der LAC nach dem Niedergang des Quelle-Versandhauses nicht mehr über die großen Geldmittel verfügt, um Olympiasieger zu finanzieren – so ehrlich müsse man sein. Doch die Nachwuchsarbeit sei weiterhin zu stark, um sportlich eine Schließung zu rechtfertigen, so der ehemalige Sport-Beirat. Stäcker weist dennoch auf vergangene Leistungen hin: "Das sieht man doch allein am Eingang. Da hängen die ganzen Schilder, die der Verein gewonnen hat."

Und in der Tat: Etliche Preise vom bayerischen Verband, das grüne Band der Dresdner Bank und viele weitere Auszeichnungen zeugen von gemachten Hausaufgaben. Zudem sind einige Landestrainer vor Ort vertreten. Neben Stäcker, der für die Langstreckenläufer zuständig ist, sind es vier weitere, wie Helmut Vetter, der mit Amelie-Sophie Lederer eine U 23-Europameisterin geformt hat. Fassen könnte eine Schließung keiner im Verein: "Ob das jetzt politisch motiviert ist und Bayern kein gutes Image hat, wenn es um solche Entscheidungen geht, wissen wir nicht genau", sinniert Stäcker.

"Ich freue mich aber, dass die Politik aus Bayern sich für uns eingesetzt hat, wie beispielsweise Innenminister Herrmann." Die Kürzungsmaßnahmen erscheinen allein schon deshalb unsinnig, weil die Halle erst vor zwei Jahren renoviert wurde und eine neue blaue Laufbahn erhielt — unter anderem finanziert durch Bundesmittel. Fällt Fürth als Stützpunkt weg, steht "die nächste Halle dann erst in Frankfurt", stellt Stäcker frustriert fest. "Wo sollen denn die ganzen Athleten hin?"

Böhm kritisiert derweil den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbunds, Alfons Hörmann. Dieser wolle das Konzept der wenigen Standorte aus dem Wintersport auf die Leichtathletik anwenden. Das funktioniere aber nicht: "Für Biathlon brauche ich in Deutschland nur zwei Standorte, weil ich nur in den Alpen Schnee habe. In der Leichtathletik könnten sie theoretisch in jedem Dorf einen Olympiasieger finden. Wenn ich die Standorte kaputtmache, dann mache ich den Sport kaputt."

Nur noch Schulsporthalle?

Stäcker blickt aus seinem Büro, durch ein Glasfenster direkt in die Halle. Gerade trainiert dort eine Schulklasse. Die Stadt Fürth zahlt eine Aufwandsentschädigung, dadurch können umliegende Schulen die Halle bis 15.30 Uhr für den Unterricht nutzen. Sieht so die Zukunft aus? Der Standort am Finkenschlag als überdimensionale Schulsporthalle? Das gilt es nach Ansicht aller vor Ort Tätigen zu verhindern, so Stäcker: "Wir hoffen, den Standort mit Leibeskräften halten zu können. Das muss das Ziel sein. Damit es weitergeht."

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