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Denkpause für Club-Stürmer Esswein zeigte Wirkung

Trotzreaktion nach Heckings Tribünenlektion - 28.08.2011 20:33 Uhr

Allen Grund zum Freuen hat Alexander Esswein. Der U21-Nationalspieler kam erst in der 60. Minute rein, war aber dennoch "Mann des Spiels" mit seinem Siegtreffer.

© Zink


Der zweite Teil des Auftrags wurde zwar brav erfüllt, kopflos allerdings wirkte Esswein bei seinem Siegtreffer im bayerischen Derby keineswegs. Vielmehr bewies er beim „irgendwie Reinmachen“ durchaus geistige Flexibilität, als er mit einem überraschenden Haken gleich zwei Augsburger Abwehrspieler narrte und Keeper Simon Jentzsch per platziertem Linksschuss ins lange Eck überwand. „Eigentlich wollte ich erst nach innen gehen. Dann haben sie die Innenbahn zugemacht, also bin ich eben nach außen gegangen“, schilderte Esswein seine Aktion ganz lapidar und fügte treuherzig an: „Ich wollte das Vertrauen des Trainers ja rechtfertigen.“

Noch vor Wochenfrist war Esswein seinem Coach nur bedingt vertrauenswürdig erschienen. Für das Spiel in Dortmund hatte Dieter Hecking den talentierten Neuzugang aus dem Kader gestrichen. „Er hat in den ersten vier Wochen eine sehr gute Vorbereitung gespielt, ist dann aber in ein kleines Loch gefallen“, befand Hecking, der mit Essweins Trainingsleistungen („nicht präsent genug“) ebenso unzufrieden war wie mit dem verhaltenen Auftritt des 21-Jährigen bei der 1:2-Heimniederlage gegen Hannover. Vor allem ließe Esswein, der es einst beim VfL Wolfsburg nur auf acht torlose Kurzeinsätze brachte, noch taktische Disziplin vermissen.

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Die kleine Denkpause schien dem athletischen Außenstürmer, der mit seiner Dynamik und Torgefährlichkeit eigentlich die Idealbesetzung für die linke Seite sein könnte, gut getan zu haben. „Der Trainer hat mir erklärt, warum ich nicht dabei war. Ich habe dann versucht, im Training Gas zu geben und gute Leistungen abzuliefern. Ich denke, das ist mir ganz gut geglückt“, bilanzierte Esswein, der seine Torpremiere mit einem impulsiven, fast trotzig wirkenden Jubel zelebrierte. Einen gewissen Frust wollte der Held des Tages aber nicht hineininterpretiert wissen: „Das sind halt Emotionen. Ich habe mich einfach sehr über dieses Tor gefreut, mir sind einige Steine vom Herzen gefallen.“

Vom besonderen Potenzial des gebürtigen Wormsers, der vergangene Saison Dynamo Dresden mit 17 Toren zum Aufstieg schoss und prompt zum Drittliga-Spieler des Jahres gekürt wurde, ist Hecking fest überzeugt: „Wir wissen, dass er diese Qualität besitzt. Mit seiner Schnelligkeit ist er eine Waffe.“ Auch Augsburgs Coach Jos Luhukay zollte ihm indirekt ein Kompliment, als er beklagte, „solche Spieler“ leider nicht auf der Bank zu haben: „Darüber bin ich schon ein bisschen traurig.“

Beim Club hingegen durfte man sich freuen, dass Essweins „tolle Einzelleistung“ (Hecking) eine über weite Strecken niveauarme Vorstellung kaschieren half. „Er hat für sich ein Ausrufezeichen gesetzt und gezeigt, dass er auch in der Bundesliga treffen kann“, lobte Hecking, „ich bin sicher, dass ihm dieses Tor einen Schub gibt und er noch mehr Spiele für uns entscheiden wird.“ Zunächst aber will sich Esswein bei der deutschen „U21“ in den EM-Qualifikationsspielen gegen San Marino und Weißrussland für weitere Einsätze empfehlen, „da schaut unser Trainer ja auch hin“.

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Genau hingeschaut hat Hecking in den letzten Tagen auch bei Robert Mak. Der Slowake galt nach einer starken Vorbereitung als großer Hoffnungsträger, fiel dann aber zum Auftakt in Berlin wegen Adduktorenproblemen aus und ist seitdem auf der Suche nach seiner vielversprechenden Frühform. „Er tut sich momentan schwer, das selbstständige Handeln, das ihn normalerweise auszeichnet, abzurufen“, monierte Hecking, der Mak beim freitäglichen Abschlusstraining in einem längeren Vieraugengespräch gestenreich seine Nichtnominierung für die Partie gegen den FCA mitgeteilt hatte. „Wir haben eben trotz der Ausfälle einen Kader, der mehrere Optionen bietet“, betonte Hecking: „Wenn andere besser sind, muss man sich auch mal mit der Tribüne zufriedengeben.“ Und die entsprechende Trotzreaktion zeigen. Kollege Esswein hat es vorgemacht.

Uli Digmayer E-Mail

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