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Der Club in Liga zwei: Wiedererkennbar, aber torgefährlicher

FCN will auf die im Abstiegskampf gezeigte Mentalität bauen und sich verstärken - 14.05.2019 05:48 Uhr

"Mission Wiederaufstieg", die Shirts überreichte der Anhang: Kapitän Hanno Behrens, Matheus Pereira und Patrick Erras (von links) gehören zu den Spielern, die der 1.FC Nürnberg dafür brauchen könnte. © Sportfoto Zink / DaMa


Robert Palikuca hat schon einmal um Matheus Pereira geworben, da war er noch Manager bei Fortuna Düsseldorf - und tat es vergebens, die Gunst des Brasilianers fiel dem 1. FC Nürnberg zu. Palikuca ist daraufhin nach Lissabon geflogen, er hat es gerade am Rande eines Interviews mit den Nürnberger Nachrichten erzählt. Er wollte wissen, warum es nicht Düsseldorf wurde, und er wollte sich nicht einfach so geschlagen geben.

Werben um einen Ballartisten

Der Verteidiger Palikuca war ein Kämpfer, der Manager Palikuca ist das auch, und der Flug nach Lissabon könnte sich gelohnt haben. Das Verhältnis zu Matheus Pereiras Vater ist seither gut, das könnte hilfreich sein, denn wieder einmal wirbt Palikuca um den 23 Jahre alten Flügeldribbler - diesmal in seiner Eigenschaft als Sportvorstand des 1. FC Nürnberg, der Pereira, ausgeliehen vom Sporting Club de Portugal, gerne noch ein weiteres Jahr behalten würde.

Erwünscht: Tordrang

Die Personalie ist eine von mehreren, die jetzt, nach dem Abstieg aus der Bundesliga, zur Klärung anstehen, aber es ist eine besondere. Pereira ist der beste Fußballer im Team, aber vor allem hat er in den entscheidenden Wochen des verlorenen Abstiegskampfes gezeigt, wie diese Mannschaft funktioniert - weil er sie erst wieder für sich gewinnen musste nach der Dummheit von Düsseldorf.

Dort, beim 1:2 Ende Februar gegen die Fortuna, sah er wegen einer Tätlichkeit die früheste Rote Karte in Nürnbergs Bundesliga-Geschichte und nahm seinem Team nach drei Minuten alle Chancen. "Es geht nicht, dass man in so einem wichtigen Spiel so früh vom Platz fliegt", sagte Torwart Mathenia stellvertretend für alle. Aber alle wussten auch, dass sie ihn brauchen würden, und vor allem zeigte Pereira, geboren in Belo Horizonte, aufgewachsen in Portugal, ehrliche Reue - das hörte man aus der Mannschaft, und das machte Eindruck auf die Mitspieler.

Auch beim Anhang bat Pereira um Entschuldigung, der via Twitter geäußerte Satz klang nicht, als habe ihn eine PR-Agentur entworfen: "In dieser schwierigen Moment ich sage Entschuldigung liebe Fans". Die verziehen ihm spätestens, als er bei seinem Comeback gegen den FC Augsburg entscheidend zu einem 3:0-Heimsieg beitrug. Einen "Unterschiedsspieler" nennt ihn Palikuca, vor allem bringt Pereira mit, was dem Club abgeht und was Fußball attraktiv macht: Tordrang.

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Aber ob Perreira nicht zu gut ist für die zweite Liga? Abwarten, sagt Palikuca, das Einvernehmen mit Vater und Sohn stimmt ihn offenbar zuversichtlich, überhaupt macht der Sportvorstand momentan den Eindruck, den vielen Gerüchtebörsen einen Schritt voraus zu sein. Die Aufgabe ist ja höchst anspruchsvoll: Der Club, der trotz des Abstiegs die emotionale Bindung zu seinem Anhang nie verlor, soll im Juli wiederzuerkennen sein, aber auch besser aufgestellt. Pereira steht für beides, seine Karriere beginnt gerade erst.

Sitzplatz-Ultras, Folge 38: Der Club ist tot, es lebe der Club

Am Samstag steckte auch er in einem jener Trikots, die die Fans in der Nordkurve ihren Fußballern überreicht hatten. "Mission Wiederaufstieg", stand darauf, für wen es ein Bekenntnis war und für wen nicht, werden die nächsten Tage zeigen. Einen Ausverkauf wie nach dem Abstieg 2014 soll es nicht geben; mit Georg Margreitter, Mikael Ishak und Enrico Valentini haben drei Eckpfeiler der Mannschaft bereits signalisiert, dass sie bleiben wollen, besonders bemühen will man sich um den Kapitän. Hanno Behrens hat in nun vier Jahren in Nürnberg eine besondere Bindung zu diesem Club entwickelt - und umgekehrt, sein Trikot gehört Jahr für Jahr zu den am meisten verkauften, und der 29 Jahre alte Elmshorner bringt mit, was man in Franken besonders schätzt: Er ist ein großer Kämpfer und ein Teamspieler, im Auftreten muss er sich um Volksnähe gar nicht erst bemühen.

Behrens bleibt wohl als Vorkämpfer

Im Club ist man bestrebt, Hanno Behrens, dessen Vertrag noch zwei Jahre gilt, zu einem Gesicht des Vereins und zum Kopf einer Mannschaft zu machen, die in die zweite Liga mitnimmt, was sie in der Bundesliga auszeichnete. "Wir nehmen den Kopf hoch, wir werden versuchen, in Freiburg ein ordentliches Spiel abzuliefern - und dann zurückzukommen", das sagte Behrens am Samstag nach dem 0:4 gegen Mönchengladbach. Am Montag ergänzte Nürnbergs Nordlicht, dass aus seiner Sicht sehr viel für eine Weiterbeschäftigung beim Altmeister spricht. "Die Tendenz geht ganz klar dahin. Ich fühle mich hier sehr wohl und habe nicht vor, wegzugehen", erklärte Behrens der Nürnberger Zeitung. Der Nachschub des Club-Captains: "Man muss schon wissen, was man hier in Nürnberg hat. Und das weiß ich"

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Und doch gibt es für Nürnbergs Spielführer - wie für Tim Leibold, Eduard Löwen, Ewerton, Christian Mathenia, Patrick Erras und Lukas Mühl - ambitionierte Interessenten; Leibold, Löwen und auch Mathenia werden kaum zu halten sein, Transfereinnahmen sind ein wichtiger Posten im Etat.

Zweite Liga? Nix für Nürnberg 

Perspektive statt viel Geld, so etwa werden die meisten Verhandlungen, die Palikuca jetzt führt, aussehen - auch die mit dem künftigen Trainer, falls diese Personalie nicht schon entschieden ist. Der Kandidat werde "keine finanziellen Probleme mit uns haben", sagt Palikuca. Den gemeinsamen Anspruch hat Verteidiger Margreitter schon formuliert: "Ein Verein wie Nürnberg wird sich niemals mit der zweiten Liga zufriedengeben." 

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