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Der Club verlor das Derby und viel Ansehen

Ein Abend der Schande - 22.12.2011 08:00 Uhr

Erst eine Spezialeinheit konnte die Rowdies stoppen.

© Wolfgang Zink


Die Fürther Spieler und ihr jubelndes Trainerteam begaben sich noch in Sicherheit. Sie sahen rechtzeitig, was da auf den Gästeblock zugestürmt kam. Etwa 120 schwarz gekleidete und meist vermummte Chaoten hatten sich zunächst auf der Tartanbahn des Stadions gesammelt und waren dann in Richtung Südkurve gelaufen.

Nach Darstellung des 1. FC Nürnberg war ein Tor unter dem extremen Druck der Zuschauer im Block aufgesprungen, zwei weitere Tore wurden durch bereits im Innenraum befindliche Personen geöffnet. Es habe sich eindeutig nicht um eine Extremsituation gehandelt, in der die Stadiontore aus Sicherheitsgründen geöffnet werden müssen.

Als der Ordnungsdienst erkannte, dass er die heranstürmende Masse nicht würde aufhalten können, war es bereits zu spät. Der Mob war nicht mehr zu stoppen, von Einsatzkräften der Polizei war zu diesem Zeitpunkt nichts zu sehen. „Für die Sicherheit im Stadion ist der Veranstalter verantwortlich“, sagt Polizei-Pressesprecherin Elke Schönwald: „Erst, wenn dieser um Unterstützung bittet, kommt die Polizei im Stadionbereich zum Einsatz.“

Es ist zwar eine kleine Gruppe, die für diese Ausschreitungen verantwortlich ist. Aber so etwas darf es nicht geben“, sagte FCN-Vorstand Ralf Woy zu dem Sturmlauf sogenannter Fans.

© Wolfgang Zink


Sieben Menschen, darunter vier Ordner, wurden bei diesem Vorfall verletzt. Dass nicht mehr passierte, war dem Eingreifen einer Spezialeinheit der Polizei zu verdanken, die den Tumult nach zwei Minuten mit dem Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray auflöste. Der Schock saß trotzdem tief. „Ich finde es beängstigend.

Solche Szenen haben wir in den letzten Monaten zuhauf gesehen“, erinnerte der Fürther Trainer Mike Büskens an die steigende Gewaltbereitschaft in Stadien: „Ich dachte, dass ist ein Sport, wo man mit der Familie und Kindern hingehen kann. Das macht mich traurig, bei aller Freude über den Sieg.“ Sein Kollege Dieter Hecking wirkte ebenfalls reichlich fassungslos, eine Erklärung für diesen Ausraster hatte auch er nicht. „Ich hoffe nur, diesen Leuten wird keine große Plattform eingeräumt.“

Allerdings schaltete sich bereits der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ein und hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Club eingeleitet. Auch die Fürther, von deren Block zweimal eine Leuchtrakete abgefeuert worden war, werden wohl belangt werden. Dem Club aber droht eine empfindliche Strafe.

Vor einigen Wochen war Dynamo Dresden als Wiederholungstäter vom nächsten Pokal-Wettbewerb ausgeschlossen worden, nachdem es beim Spiel in Dortmund zu schweren Ausschreitungen gekommen war. Eine derart drakonische Konsequenz ist nun nicht zu erwarten, eine empfindliche Geldstrafe aber allemal.

„Der 1. FC Nürnberg distanziert sich von diesen Vorfällen auf das Entschiedenste. Aktivitäten dieser Art haben in keinem Stadion etwas zu suchen“, veröffentlichte der Club auf seiner Internetseite und kündigte konsequentes Handeln an: „Wir werden mit aller Härte und Entschlossenheit und mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln die von der Polizei identifizierten Täter, die nachweislich ein Fehlverhalten oder eine Straftat begangen haben, zur Rechenschaft ziehen.“

Florian Pöhlmann

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