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Der FCN und das Fast-Finale! Tasso zügelt die Rüpel-Spanier

Doppeltorschütze spricht über ein großartiges 2:1 und das Rückspiel vor 115.000 - 11.04.2020 08:32 Uhr

Alle Härte und alles Zeitspiel nutzt den Spaniern in den gestreiften Trikots nichts - weil Tasso Wild doppelt trifft. © Archiv


Tasso Wild geht es gut. Die wichtigste Frage in diesen Pandemie-Wochen beantwortet der Pokalsieger von 1962, als wir am Karfreitag telefonieren, freilich erst, nachdem er sich nach meinem Befinden erkundigt hat. Tasso Wild ist einer der freundlichsten, höflichsten - aufgrund seiner Bescheidenheit werden ihm diese Superlative sicherlich zuwider sein, wurscht jetzt - nettesten Menschen, die ich kenne. Seine Höflichkeit ist nicht gespielt, kein Relikt aus einer Zeit, in der man eben höflich war. Tasso Wild ist Tasso Wild und 79 Jahre alt.

"Wir spielen unser Spiel und basta"  

Vor exakt 57 Jahren war Tasso Wild 22 Jahre jung und beim 2:1-Heimsieg gegen Atletico Madrid im Halbfinal-Hinspiel des europäischen Pokalsieger-Wettbewerbs der Matchwinner. In der Sonne, seinem Garten in Langwasser sitzend, erzählt mir Tasso davon. Berichtet in warmen und punktgenauen Bildern von diesem 10. April 1963, der ein besonderer war für Nürnberg. In Bildern, die mit Witz und Pointen ausgeschmückt sind, aber nicht grell oder überladen wirken. Mit Worten, die zwei Spiele nahbar machen, in denen sich der FCN einer Final-Teilnahme auf europäischem Parkett annäherte wie niemals davor. Und auch danach nicht mehr. 

“Das Stadion war schon vier Wochen vorher ausverkauft, zusätzliche Tribünen wurden aufgebaut, sogar Bierbänke neben dem Spielfeld aufgestellt“, schildert die Damals-noch-Offensivkraft, die als eine der talentiertesten der bald 120-jährigen Club-Geschichte in Erinnerung bleiben wird, vom Run der Nürnberger darauf, ein Teil der Auseinandersetzung mit Atletico zu werden. Von den Bemühungen der Anhänger, ganz nah dran zu sein an ihrem Lieblingsverein. Und an einem Kontrahenten, den Tasso Wilds Club nicht näher kannte. “Natürlich, das war ein richtiges Brett - gespickt mit spanischen, argentinischen und brasilianischen Nationalspielern.“, berichtet der Mann, der bei Nürnbergs Meisterschaft 1961 bereits zum Aufgebot gezählt und den FCN im Folgejahr in Hannover zum Pokalsieg gepressschlagt hatte, was man vor dem Aufeinandertreffen mit den Rojiblancos, den mit viel Vorschusslorbeeren angereisten Vollprofis aus Spaniens Hauptstadt, wusste. Das, was dem ballgewandten Bäcker-Sohn und Teilzeit-Profi und seinen Spielkameraden an diesem Ausnahmetag im April aber auch herzlich egal ist. “Wir sind in die Partie gegangen mit der Ansage: Wir spielen unser Spiel und basta“, rekapituliert Wild das, was Erfolgscoach Widmayer, er und seine Teamkollegen sich gegenseitig verordnet hatten. 

Folge 38: Der Instagram-Trainer vom Club

Das mit dem Wir-spielen-unser-Spiel gelingt dem Club gegen die Madrilenen dann auch außerordentlich gut. Der von Max Morlock angeführte FCN - Nürnbergs Größter hat erst wenige Wochen zuvor seinen “Rücktritt vom Rücktritt“ erklärt - lässt sich auf heimischem Feld weder von Atleticos Führungstreffer noch von der unsportlichen Spielweise der Spanier beeindrucken. “Das waren Hünen, wir mit Ausnahme vom Wenauer so schlanke Dinger. Und dennoch haben die sich dauernd hinfallen lassen und Zeit geschunden“, erinnert sich Tasso daran, was weniger beim Schiedsrichter als bei erbost pfeifenden Zuschauern zusehends Eindruck macht. Und dadurch verstärkt wird, dass die Spanier bei gegnerischem Ballbesitz (“die haben geholzt, das kannten und konnten wir gar nicht“) sowie auch abseits des Spielgeschehens mit einem rüden, schlichtweg unfairen Vortrag auffällig werden. 

"Der Ball ist so schön gehupft" - den Spaniern wird's zu wild 

Die Antwort gibt Tasso Wild, Nürnbergs Halblinker - und zwar doppelt. Nach einer halben Stunde, zehn Minuten nach der Gästeführung nur, markiert der 22-Jährige den Ausgleich. “Bei einer Ecke sind wir beide hochgestiegen, der Max (Morlock - Anmerkung der Redaktion) und ich. Ich habe den Ball schön erwischt und ins Dreieck gewuchtet“, beschreibt Tasso seinen ersten Streich, dem er gegen weiter rüpelhaften Madrilenen in Minute 71 den zweiten folgen lässt. “Der Ball ist 22 oder 23 Meter vor dem Tor so schön gehupft. Ich habe ihn volley genommen und er ist rein, das war das 2:1.“ Nürnberg ist dem dritten Treffer anschließend näher als Atletico dem Ausgleich, was dazu führt, dass es den rabiaten Spaniern endgültig zu wild wird. “Entweder sind diese Hünen weiterhin umgefallen wie kleine Kinder oder es gab versteckte Tritte oder Schläge. Wenn der Schiri nicht hingeschaut hat, haben sie dir eine verpasst.“ Nach einer entsprechend fiesen Aktion von Atletico-Schlussmann Madinabeytia gegen Heinz Strehl schließt diese sogar einen Platzsturm der Club-Fans mit ein, die den spanischen Rüpeln in der aufgeheizten Atmosphäre nun ihrerseits an den Kragen wollen. Mit Müh und Not kann ein Spielabbruch verhindert werden. Und der Club im Rückspiel in Madrid die Chance wahrnehmen, ins Finale des europäischen Pokalsiegerwettberbs einzuziehen.

Rückspiel im Bernabeu: Nürnberg ist so nahe dran wie nie zuvor  

Vor 115.000 Ballsport-Begeisterten im Bernabeu - in der Heimstätte Reals, des Stadtrivalen der Rot-Weißen, wohin Atletico aufgrund des immensen Zuschauerinteresses ausweicht - nutzt der FCN diese Chance nicht. In erneut aufgeheizter Atmosphäre - die spanischen Gazetten haben im Vorfeld das ihre dazu beigetragen - führt der Favorit durch zwei Kontertore nach der Pause mit 2:0. Zu verhaltene Nürnberger setzen in der letzten halben Stunde zwar zu einem energischen Sturmlauf an, können diesen aber nicht in den Anschlusstreffer überführen, der bei Spielende ein Entscheidungsmatch bedeutet hätte. "Der Club war einem Europacup-Endspiel nie zuvor so nahe", wird Herbert Widmayer, sein Coach, im Anschluss wehmütig zu Protokoll geben.

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Auch Tasso Wild denkt noch heute das Anrennen des Altmeisters vor den 115.000 - an die guten Chancen, an “das Spiel auf ein Tor“, in das Nürnbergs Abschlussexperte im Gegensatz zum Hinspiel dieses Mal nicht trifft. Später wird Max Merkel ihn vergraulen, seinen Wechsel zu Hertha BSC befördern. In der Hauptstadt, nicht in der spanischen, wird der Hochbegabte in defensiverer Rolle tätig werden, gegen Juventus und Dino Zoff erneut zum Traumtorschützen und beinahe Meister. Seit vielen Jahren ist Tasso Wild wieder zurück in seiner Heimatstadt. In Nürnberg, das Tasso Wild im rot-schwarzen Kollektivgedächtnis gespeichert hat. Zurück beim Club, dem er eine zeitlang Vizepräsident war und in dessen Halle auf dem Vereinsgelände er in Nicht-Corona-Zeiten noch immer montags Fußball spielt. Tasso ist keine 22 Jahre mehr. Die Erinnerung an den 10. April 1963, die er aus seinem sonnigen Garten transportiert, hält ihn jedoch ebenso jung wie sein freundliches Wesen. Das Wichtigste ist, dass es Tasso Wild gut geht. 

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