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Der Gegner-Check: Das erwartetet den Club gegen Dortmund

Der Tabellenführer wartet seit vier Pflichtspielen auf einen Sieg - 17.02.2019 05:25 Uhr

Die beiden Leistungsträger Mario Götze und Axel Witsel hatten beim BVB in letzter Zeit wenig zu lachen. © Bernd Thissen / dpa


So ist die Lage: Vor ein paar Wochen schien es so, als sei die Borussia nicht aufzuhalten auf dem Weg zur neunten deutschen Meisterschaft – womit sie nebenbei bemerkt mit dem 1. FC Nürnberg gleichziehen würde. Auch im DFB-Pokal und in der Champions League durfte man den Dortmundern einiges zutrauen. Doch der Tanz auf drei Hochzeiten endete jäh im Pokal-Achtelfinale gegen Werder Bremen (3:3, 2:4 im Elfmeterschießen). In der Königsklasse bedarf es nach dem 0:3 in London gegen Tottenham Hotspur eines Fußballwunders, wenn der Traum vom Viertelfinale doch noch wahr werden soll. In der Bundesliga ließ der Spitzenreiter zuletzt in Frankfurt (1:1) und gegen Hoffenheim (3:3 nach 3:0-Führung!) Punkte liegen, hat aber immer noch fünf Zähler Vorsprung gegenüber Verfolger FC Bayern München.

Beeindruckend: So gut wie Ende Januar stand die Borussia noch wie da. Nach dem 19. Spieltag hatte sie bereits 48 Punkte auf dem Konto – mehr als zum vergleichbaren Zeitpunkt in den Meisterjahren 2012 (40), 2011 (47), 2002 (42) und 1996 (44). Die erste und bislang einzige Niederlage setzte es für die Überflieger der Hinrunde erst am 16. Spieltag mit 1:2 beim Aufsteiger Fortuna Düsseldorf. In Sachen Offensivkraft (54 Tore nach 21 Partien, 2,6 im Schnitt) sind die Dortmunder momentan eindeutig der Branchenführer.

+++ Als Wücks Club-Debüt gegen Dortmund traumhaft geriet +++

Ausbaufähig, ganz klar: Die Abwehrarbeit der letzten Wochen. Neun Gegentore in drei Spielen – das ist höchst ungewöhnlich für den Spitzenreiter und löst fast schon ein Krisenszenario aus. Vor allem beim Verteidigen von Flanken leistete man zu wenig Widerstand. Co-Trainer Manfred Stefes bezeichnete das Defensivverhalten nach dem Hoffenheim-Spiel als "naiv", der "kicker" schrieb von "Leichtsinn und einer manchmal an Arroganz grenzenden Sorglosigkeit".

Im Fokus: Kopf der Mannschaft, Dreh- und Angelpunkt, Dauerbrenner: Axel Witsel ist neben Kapitän Marco Reus das Gesicht der Borussia. Der belgische Nationalspieler bestritt als einziger BVB-Profi alle bisherigen 21 Bundesligaspiele, 20 davon von Beginn an. Bei dem Chefstrategen mit der markanten Haarpracht laufen im Mittelfeld alle Fäden zusammen. Die 20 Millionen Euro, die der BVB im Sommer für den 30-Jährigen an Tianjin Tianhai nach China überwiesen hat, waren bestens investiert. Auch Mario Götze, der zeitweise regelrecht in der Versenkung verschwunden war, stand in den letzten Monaten wieder im Fokus. Das Tempo früherer Jahre bringt der WM-Finalheld von 2014 zwar nicht mehr auf den Platz, doch dank seiner großartigen Technik und Spielintelligenz hat er seine Nische im Team gefunden. Gegen Hoffenheim gelang ihm sein 50. Bundesligator.

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Das Hinspiel: Au weia! Unter Flutlicht im Signal Iduna Park war der Aufsteiger aus Franken gnadenlos überfordert. Das 0:7 am 26. September 2018 war die höchste Niederlage in der Bundesliga seit fast 35 Jahren: Am 5. November 1983 hatte der Club beim VfB Stuttgart ebenfalls ein 0:7-Debakel erlebt. Der totalen Dominanz des BVB hatten die biederen Gäste nichts entgegenzusetzen und zahlten eine Menge Lehrgeld. Angetrieben vom überragenden Reus, der selbst zweimal traf, spulten die Dortmunder fast wie im Training ihr Pensum herunter. Jacob Bruun Larsen, Achraf Hakimi, Manuel Akanji, Jadon Sancho und Julian Weigl erzielten die weiteren Tore in dieser erschreckend einseitigen Partie.

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Wer/Was ist neu? Nach der grandiosen Hinserie bestand beim souveränen Herbstmeister im Prinzip kein Handlungsbedarf auf dem Transfermarkt. Die Verpflichtung des argentinischen Abwehrtalents Leonardo Balerdi für 15,5 Millionen Euro von Boca Juniors gilt als Vorgriff auf die neue Saison. Der 20-jährige lief auch noch gar nicht für den BVB auf, sondern repräsentierte im Januar sein Land bei der südamerikanischen "U 20"-Meisterschaft. Nicht mehr auf er Gehaltsliste steht der japanische Nationalspieler Shinji Kagawa, er wurde Besiktas Istanbul ausgeliehen.

Und sonst so? Der sportliche Durchhänger der Borussia mit vier sieglosen Pflichtspielen in Folge, vor allem das kaum noch vermeidbare Aus in der Champions League, hat die Aktien des einzigen börsennotierten deutschen Fußballvereins in den Keller absacken lassen. Am Tag nach der 0:3-Packung bei Tottenham fiel der Kurs um mehr als sechs Prozent auf 7,83 Euro ab. Dass die Dortmunder in London möglicherweise nicht bis in die Haarspitzen motiviert waren, hat aber sicherlich nichts mit der Präsenz von Starfriseur Sheldon Edwards aus Jamaika im Mannschaftshotel zu tun. Dort hatte er einen temporären Salon für die BVB-Profis eingerichtet und einigen von ihnen einen modischen Schnitt verpasst. 

Harald Büttner

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