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Der Gögging-Club! Wiesinger redet viel - und den FCN stark

Der Altmeister will den Abstieg abwenden - 02.07.2020 19:29 Uhr

Interimscoach Michael Wiesinger will beim Club das Gemeinschaftsgefühl stärken.


Der beschauliche Kurort Bad Gögging war dem 1. FC Nürnberg schon öfter eine Zuflucht in turbulenten Zeiten. 2007 etwa stimmte Hans Meyer sein Team zwischen Hallertau und Altmühltal auf das DFB-Pokalfinale ein – bekanntlich durchaus erfolgreich. Seit Donnerstag logiert der Club mal wieder im bewährten "Marc Aurel Resort", um sich in Ruhe auf die Relegation vorzubereiten – die für den Zweitligisten ja auch eine Art Finale ist, nur geht es diesmal nicht um eine hübsche Trophäe, sondern um die Zukunft des Vereins.

21 Feldspieler und drei Torhüter haben Interimscoach Michael Wiesinger und sein Assistent Marek Mintal für das spontane Mini-Trainingslager in Niederbayern nominiert – und den Kader auch gleich ein bisschen ausgesiebt. Edelreservist Iuri Medeiros hat sich, wie berichtet, bereits in seine portugiesische Heimat verabschiedet, neben Felix Lohkemper (Aufbautraining) musste überraschend auch Sebastian Kerk in Nürnberg bleiben. "Ich glaube nicht, dass er uns am Dienstag weiterhelfen wird", erklärte Wiesinger den Verzicht auf die formschwache Offensivkraft.

Dem 47-Jährigen geht es bei dem viertägigen Donau-Trip vor allem darum, eine hilf- und leblose Ansammlung von Einzelkämpfern, denen der Teamgeist etwas abhanden gekommen schien, wieder zu einer verschworenen Gemeinschaft zu formen. Nicht zuletzt die Corona-Krise und die damit verbundenen Kontaktbeschränkungen könnten die Entfremdung in der Kabine begünstigt haben, glaubt Wiesinger. "Eine Fußballmannschaft lebt auch vom Miteinander. Wir müssen dafür sorgen, dass intern wieder mehr miteinander geredet wird."

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Deshalb nutzt das Trainerduo jede Gelegenheit zum persönlichen Austausch. Im Mittelpunkt dieser "Gesprächstherapie" soll aber weniger die Ursachenforschung stehen oder gar eine Aufarbeitung dieser frustrierenden Saison. "Die letzten Wochen waren schwierig für die Mannschaft.


So wollen Mintal und Wiesinger den 1. FC Nürnberg retten


Es bringt nichts, dauernd darüber zu reden", findet Wiesinger: "Wir wollen hier ja eine Aufbruchstimmung erzeugen, das geht nur über Kommunikation." Und eben über Emotion. Der frühere Club-Kapitän möchte "die Jungs an der Ehre packen, in ihre Herzen rein", der ungebrochene Enthusiasmus, mit dem er die heikle Rettungsaktion angeht, ist auch über die Telefonleitung spürbar.

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Ein Wunderheiler kann und will Wiesinger nicht sein, "man darf nicht glauben, dass von heute auf morgen alles anders wird". Dennoch sei er nach der ersten gemeinsamen Trainingseinheit am Mittwoch "mit einem positiven Gefühl heimgefahren". Wiesinger glaubt "felsenfest" an diese Mannschaft und daran, das finale Ziel mit ihr zu erreichen, "große Experimente" schließt er auch angesichts der Kürze der Zeit aus. Natürlich sei er bei seinen Personalentscheidungen "geprägt von dem, was ich bislang gesehen habe", sagt Wiesinger, der ja alle Saisonspiele im Stadion oder vor dem Fernseher verfolgt hat, "es ist nicht so, dass jetzt jeder bei Null anfängt".


Jens Keller und der Club: Der Weg an den Rand der Katastrophe


Aber vielleicht auf einer anderen Position. Nikola Dovedan etwa, der bei Jens Keller über die Außenbahn kam und damit wenig glücklich wirkte, ist für Wiesinger "eher so ein Freigeist, der im Zentrum seiner Wege gehen muss".

"Ka Depp": Mintal übernimmt

Die Zahl der potenziellen Relegationsgegner hat sich seit Mittwoch zwar von sieben auf fünf verringert, eine Entscheidung wird aber erst am Samstag fallen. "Wir haben alle auf dem Schirm", versichert Wiesinger, eines weiß er jetzt schon: "Es wird eine Mannschaft sein, die erfolgreich war und im Flow ist." Trotzdem appelliert er an das Selbstverständnis seiner Profis: "Wir sind der Zweitligist, ich möchte, dass wir auch so auftreten und unser Ding auf den Platz kriegen, egal wer da kommt."

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Wichtig sei aber eine gewisse Spielkontrolle, den offenen Schlagabtausch will der Coach unbedingt vermeiden, "weil alle Drittligisten dann gefährlich werden". Wiesinger weiß, wovon er spricht: Den FC Ingolstadt führte er 2010 "als Underdog" via Relegation gegen Hansa Rostock in die 2. Liga. Die Basis gelegt wurde damals: in Bad Gögging.

Uli Digmayer

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