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Der letzte Erlanger: Christopher Bissel verlängert beim HCE

Linksaußen fühlt sich in Stadt und Verein pudelwohl - 20.02.2021 08:00 Uhr

Christopher Bissel hebt ab: Beim HCE ist er für die Tempogegenstöße zuständig.

18.02.2021 © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink


Christopher Bissel hat schlecht geschlafen. Und knirscht noch immer mit den Zähnen, wenn man ihn etwa 15 Stunden nach der Schlusssirene auf das verlorene Bundesliga-Derby gegen Coburg anspricht. "Die Gemütslage am Tag danach ist selten besser als unmittelbar nach dem Spiel", erklärt der Linksaußen des HC Erlangen. "Man hat viel Zeit nachzudenken" und das mache es nicht einfacher, diese 26:27-Niederlage vom Donnerstagabend zu verdauen.

"Derby hin oder her, es fällt schon auf, dass wir es nicht schaffen, in Phasen, in denen es nicht gut läuft, den Schaden möglichst gering zu halten", versucht sich Bissel an einer Erklärung. "Vielleicht herrscht dann zu viel Aktivismus vor, dass wir Gegentore direkt wieder gut machen wollen." Eins ergibt dann das andere – und der Negativstrudel wird immer stärker.

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Bissel ist Leistungssportler, natürlich nehmen ihn Niederlagen wie diese doch sehr vermeidbare mit. Bissel ist aber auch Erlanger, der letzte verbliebene im Bundesligakader, und identifiziert sich zu 100 Prozent mit seinem Verein, es geht ihm also immer auch ums große Ganze. "Viele junge Sportler träumen davon, bei ihrem Heimatverein auf höchstem Niveau spielen zu können", sagt Bissel. "Ich habe dieses Privileg und sehe keinen Grund, warum ich das aufgeben sollte." Irgendwie "selbsterklärend" war es daher für ihn, dass er das Angebot einer Vertragsverlängerung bis 2022 beim HC Erlangen annahm. Er weiß, was er an dem Verein, für den er seit über 15 Jahren spielt, und der Stadt, in der er Jura studiert und mit seinen Teamkollegen regelmäßig Kaffee trinken geht, hat. "Barista Community" nennt Bissel diese Runde, die sich in Pandemie-Zeiten natürlich nicht trifft. Und dennoch sind all das weiche Standortfaktoren, die einen Spieler am Ende dazu bewegen, einem Verein treu zu bleiben.

Eine Entscheidung übrigens, die Bissel für sich alleine getroffen hat. Sein Vater ist Aufsichtsratschef des Vereins, hat eigener Aussage zufolge von der Unterschrift des Sohnes aber von HCE-Geschäftsführer René Selke erfahren. Obwohl sich Vater und Sohn vorher ausgetauscht hatten. "Aber über solche Dinge rede ich mit ihm als Vater, nicht als Funktionär", sagt Christopher, das gelte dann auch für seine Mutter.

Der Handballer schätzt sein Umfeld und wird vom Klub geschätzt. "Chrissi ist ein wahnsinniger Mentalitätsspieler, bringt immer maximale Kampfkraft und ist sehr sehr ehrgeizig", lobt sein Trainer Michael Haaß. " Er hat sich super entwickelt und über seine Abwehrleistung müssen wir gar nicht reden." Auch das meint Haaß lobend, denn Bissel überzeugt vor allem durch seine regelmäßigen "Steals", wenn er dem gegnerischen Team überraschend den Ball klaut. Zehnmal ist ihm das im Laufe der Saison bisher gelungen, nur drei Spieler schafften das öfter. "Das ist Teil meines Spiels", bestätigt der 25-Jährige, der auch in der Defensive "aktiver Teil der Mannschaft sein will." Als Mischung aus Instinkt und regelmäßigem Training bezeichnen Bissel und Haaß dieses Talent des Rechtsaußen.

"Das sind Situationen, die einen höheren emotionalen Boost für das Team bringen als normale Abwehraktionen", meint Bissel. Und im Idealfall dann noch ein Tor. Gegen Coburg hatte der gebürtige Erlanger keinen solchen Moment, einmal flutschte ihm der Ball nach einem Klau über die Seitenauslinie, worüber er sich sichtbar ärgerte. Zu diesem Zeitpunkt hatte seine Mannschaft noch komfortabel geführt, der Einbruch kam erst nach der Pause. Und die Derby-Niederlage. Und die unruhige Nacht.

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