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Derby-Check: Fürth oder Nürnberg - Wer hat die Nase vorn?

Wir haben die beiden Teams unter die Lupe genommen - 22.11.2019 13:43 Uhr

Die Duelle zwischen Nürnberg und Fürth waren stets hart umkämpft. So auch im August 2014 als Jakub Sylvestr (Nürnberg) und Stephan Fürstner (Fürth) um den Ball kämpften.

© Sportfoto Zink / DaMa


 Nimmt man das aktuelle Zweitliga-Ranking als Maßstab, sind die Rollen vor dem 265. Derby am Sonntag (13.30 Uhr) klar verteilt: Während die SpVgg Greuther Fürth als Tabellensechster in Lauerstellung hinter den Aufstiegsrängen liegt, ist für den 1. FC Nürnberg acht Plätze weiter unten die Abstiegszone in gefährliche Nähe gerückt. Allerdings trennen die beiden fränkischen Rivalen gerade mal vier Punkte. Der Derby-Check, für den die Nürnberger Zeitung alle Mannschaftsteile von Club und Kleeblatt unter die Lupe nahm, soll helfen, das reale Kräfteverhältnis etwas besser einzuschätzen.

Zwischen den Pfosten

Fürth: Schon kurz nach seinem Amtsantritt im Februar hatte sich Cheftrainer Stefan Leitl auf eine klare Hierarchie festgelegt. Youngster Marius Funk muss sich hinten anstellen. Sascha Burchert, der unter Leitls Vorgänger Damir Buric zumindest nicht unumstritten war, gehört das volle Vertrauen. Der bei Hertha BSC groß gewordene Berliner genießt in der Mannschaft und bei den Fans in seinem dritten Jahr am Laubenweg längst großes Ansehen. Leistete er sich in der Vorsaison noch den einen oder anderen Patzer, der Fürth etwa in Darmstadt und Kiel Punkte kostete, ist Burchert in dieser Spielzeit eine verlässliche Konstante. Bei Flanken bleibt er zwar gerne auf der Linie kleben, aber dieses Defizit weiß der 30-Jährige mit starken Szenen im Eins gegen Eins auszugleichen.

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Nürnberg: Auch wenn sich Trainer Jens Keller öffentlich noch nicht festlegen mochte, darf man davon ausgehen, dass im Derby der fünfte Keeper dieser Torhüter-Seuchensaison seine Premiere feiert. Der seit Sommer vereinslose Felix Dornebusch hat im Probetraining überzeugt, unterschrieb Anfang der Woche einen Vertrag bis 2020 und wird wohl den talentierten, aber glücklosen Nachwuchskeeper Benedikt Willert ablösen. Dornebusch bringt aus acht Jahren beim VfL Bochum einiges an Zweitligaerfahrung mit. Zudem wirkt der 1,93-Meter-Mann nicht gerade so, als würden ihm vor seinem brisanten Debüt die Nerven flattern. "Einen besseren Anfang gibt es nicht. Da steckt alles drin, um was es beim Fußball geht: Rivalität, Kampf, Leidenschaft", sagte Dornebusch. Inwieweit der 25-Jährige schon ins Team integriert ist und ob sich fehlende Wettkampfpraxis bemerkbar macht, bleibt abzuwarten.
Vorteil: Fürth 

Der Abwehrverbund

Fürth: Die Abwehr hat sich im Vergleich zur Vorsaison fraglos stabilisiert – was auch nicht besonders schwer war. Aus der Schießbude der Liga ist eine halbwegs sichere Defensive geworden. Auch und gerade dank der geglückten Rückholaktion von Mergim Mavraj, der zusammen mit Marco Caligiuri im Zentrum verteidigt. Der Kapitän der albanischen Nationalmannschaft hat sich nach einem schleppenden Saisonbeginn aufgrund von Verletzungen und wenig Urlaub zuletzt wieder seiner Top-Form genähert. Allerdings plagt sich Mavraj gerade mit Schmerzen in der Schulter – muss der 33-jährige Innenverteidiger wie bei der Last-Minute-Niederlage in Sandhausen auch im Derby passen, ist das eine klare Schwächung für das Kleeblatt.

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Nürnberg: Man muss wahrlich kein Statistikexperte sein, um beim Blick auf die Tabelle Nürnbergs aktuelle Problemzone zu ermitteln: Mit 27 Gegentoren in 13 Spielen stellt der Club die Schießbude der Liga. Auch wenn das Defensivverhalten natürlich nicht nur Abwehrsache ist, gab die Viererkette oft kein gutes Bild ab. Am Valznerweiher musste man erkennen, dass die Abgänge der Stammkräfte Ewerton und Tim Leibold zum Hamburger SV nicht kompensiert werden konnten. Abwehrchef Georg Margreitter ist keine feste Größe, weil er immer wieder mit körperlichen Problemen zu kämpfen hat. Der junge Lukas Mühl wirkte unter Ex-Trainer Damir Canadi extrem verunsichert. Neuzugang Asger Sörensen bringt zwar gewisse Offensivqualitäten mit (drei Tore), ist aber im direkten Duell oft zu langsam. Patrick Erras und Lukas Jäger waren im Abwehrzentrum allenfalls Notlösungen. Und auf den Außenpositionen konnten weder die Routiniers Enrico Valentini und Oliver Sorg noch die Youngster Tim Handwerker und Fabian Nürnberger konstant überzeugen. Vorteil: Fürth

Das defensive Mittelfeld

Fürth: Konträrer kann eine Position kaum besetzt sein. Zwischen dem spielstarken Paul Seguin und Hans Nunoo Sarpei klaffen fußballerisch Welten. Während Seguin dem Spiel als Denker und Lenker seinen Stempel aufzudrücken vermag, gilt der in der letzten Winterpause vom VfB Stuttgart geholte Ghanaer eher als kerniger Ausputzer vor der Abwehr. Beides hat seinen Charme und kann je nach Gegner und Spielstand variabel angepasst werden. In Sandhausen musste Seguin nach einem üblen Foul mit einer Blockade im Rücken noch vor der Pause raus, anschließend verloren seine Kollegen die Souveränität und am Ende das Spiel.

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Nürnberg: Der bei seinem Landsmann Canadi auf der Sechser-Position gesetzte Jäger verlor unter Interimscoach Marek Mintal seinen Stammplatz, der kampfstarke, aber fußballerisch limitierte Österreicher dürfte es wohl auch bei Keller schwer haben. Allerdings konnte beim 1:5 gegen Bielefeld auch der aus der Versenkung hervorgeholte Ondrej Petrak kaum überzeugen. Bliebe noch die Variante mit Erras. Kapitän Hanno Behrens schien seine Formkrise zwischenzeitlich überwunden zu haben und trat auch dreimal wieder als Torschütze in Erscheinung, ging zuletzt aber ebenfalls mit unter. Johannes Geis hat sich dank seiner Ballsicherheit und Schusskraft auf Anhieb etabliert und führt mit fünf Treffern und vier Vorlagen sogar die interne Scorerliste an. Allerdings mangelt es dem Ex-Fürther an Tempo, Dynamik und defensiver Konsequenz.
Vorteil: Unentschieden

Das offensive Mittelfeld

Fürth: Mit Julian Green, Sebastian Ernst und dem hinter den Spitzen lauernden Havard Nielsen schickt die Spielvereinigung eine Mischung aus Technik, Kondition und Kampf ins Rennen. US-Nationalspieler Green kann mit seinem feinen rechten Fuß bei Freistößen wie zuletzt in Sandhausen und bei Versuchen aus der Distanz eine Waffe sein. Ernst spult beinahe in jeder Partie die meisten Kilometer ab, muss aber mehr den Weg in den Strafraum als zuletzt suchen. Der Norweger Nielsen, den ein kaum zu verwechselnder Laufstil herausstechen lässt, ist als kaum zu bremsender Terrier für jede Abwehr lästig. Zumal er zuletzt deutlich besser in Form kam. Mit Marvin Stefaniak und Tobias Mohr sitzen zwei Spieler gerade nur auf der Bank, die bei vielen Zweitligisten sicher zum Stammpersonal gehören würden.

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Nürnberg: Prinzipiell ist der Club hier überdurchschnittlich gut besetzt. Allerdings tauchte das österreichische Schlitzohr Nikola Dovedan nach gutem Start immer mehr ab, auch der Portugiese Iuri Medeiros kam über passable Ansätze bislang nicht hinaus. Felix Lohkemper könnte Tempo ins Spiel bringen, blieb bei seinem Startelfdebüt gegen Bielefeld aber ebenso blass wie der dribbelstarke U 21-Nationalspieler Robin Hack, der aber durchaus als Entdeckung dieser Saison gelten darf. Für Sebastian Kerk bleibt meist nur eine Jokerrolle.
Vorteil: Club 

Der Angriff

Fürth: In der letzten Saison musste Daniel Keita-Ruel nicht selten den Alleinunterhalter in vorderster Front geben. Das machte Fürth sehr schnell sehr ausrechenbar und dem gebürtigen Wuppertaler mit französischen Wurzeln wenig überraschend überhaupt keinen Spaß. Dank des von Leitl im Sommer etablierten Systems mit zweieinhalb Angreifern hat der bullige Strafraumstürmer deutlich mehr Freiheiten. Mit der Verpflichtung des bundesligaerfahrenen Schweden Branimir Hrgota, der nach Stationen bei Borussia Mönchengladbach und Eintracht Frankfurt am Laubenweg so etwas wie einen Neuanfang startet, verdient die Abteilung Attacke diese Bezeichnung auch. Ein Bulle und ein Schlitzohr – bringen die Mitspieler die Stürmer in Position, birgt diese Mischung fraglos Explosivität.

Folge 19: Palikuca über Trainerwechsel und Derbyfieber

Nürnberg: Michael Frey ist seit seiner Verpflichtung im Sturmzentrum gesetzt, weil er keinen Ball verloren gibt, den Körper geschickt einsetzt und so Räume für die Kollegen schafft. Allerdings gestaltet sich die persönliche Bilanz des bulligen Schweizers mit bislang zwei Toren und zwei Vorlagen noch recht überschaubar. Mikael Ishak hat sich nach längerer Verletzungspause wieder an das Team herangekämpft, muss sich aber wohl weiterhin zunächst über die Bank empfehlen. Auch Adam Zrelak braucht nach seinem Kreuzbandriss noch Geduld. Dafür könnte am Sonntag Fabian Schleusener erstmals in den Kader rutschen. Der Freiburger hat seinen Schienbeinbruch auskuriert und deutete im Training an, dass er eine wertvolle Alternative im Angriff sein könnte.
Vorteil: Fürth 

 

 

Uli Digmayer und Florian Pöhlmann E-Mail

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