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Die Breitschuhs: Drei Generationen Kleeblatt-Fans

Der Uropa war Spielgestalter der Fürther, der Urenkel ist jüngster Ronhof-Racker - 06.07.2020 06:02 Uhr

Ob er mal Torwart wird? Liam Paul Breitschuh auf dem Arm von Mama Saskia vor seiner Krippe im Kleeblattdesign. Angefertigt hat sie Opa Peter Breitschuh.

© Foto: Markus Eigler


Friedlich schläft Liam Paul Breitschuh in seiner weiß-grünen Wiege. Ob er schon vom Kleeblatt träumt? Unwahrscheinlich, doch der Fußball wurde ihm im wahrsten Sinne des Wortes in die Wiege gelegt. Liam ist das jüngste Mitglied der fußballverrückten Familie Breitschuh – und mit fünf Monaten das wohl jüngste Mitglied der Ronhof Racker. Opa Peter hatte ihn gleich nach der Geburt angemeldet.

Drei Generationen Kleeblattfans – so könnte man das Erbe Paul Breitschuhs bezeichnen. Die Geburt seines Urenkels erlebte der ehemalige Spielmacher noch. Am 3. März ist Breitschuh im Alter von 81 Jahren verstorben. Er hinterlässt eine Familie, die ihre Spielvereinigung lebt und liebt. Groß ist der Stolz, einen Ahnen zu haben, der in den sechziger Jahren die letzte Erstliga-Spielzeit bis 2012 auf dem Platz mitgestaltet hat.

Paul Breitschuhs Karriere glich seinerzeit der von so vielen Fußballern, als der Kommerz im Sport allenfalls ein Schattendasein fristete. Von Profitum konnte kaum die Rede sein. Der Fußball war meist Nebenverdienst, im Brotberuf ging man einer anderen Tätigkeit nach. So war Paul Breitschuh Kaufmann bei Siemens. Deutlich mehr Spieler kickten in den höchsten Ligen in "ihrer" Stadt oder Region, nationale oder internationale Transfers waren eine Seltenheit.

Tipps vom Weltmeister

Der Beruf war auch verantwortlich für den Wechsel von der SpVgg, wo Breitschuh als 18-Jähriger zwischen 1956 und 1958 bei den Amateuren seine ersten Schritte als Fußballer machte, zum VfL Neustadt bei Coburg. Nach der kaufmännischen Ausbildung in einem Fürther Malerbetrieb fand der gebürtige Nürnberger bei Siemens in Oberfranken Arbeit und zog mit 20 Jahren samt Frau und dem gerade geborenen Sohn Wolfgang um.

Fußballerisch war der Abschied von der Heimat nicht unbedingt ein Nachteil. Der VfL Neustadt spielte damals in der 2. Liga Süd, für den Spielgestalter bot sich in jungen Jahren also die Chance, auf hohem Niveau als Stammspieler Erfahrungen zu sammeln. Zudem dürften die Tipps seines Trainers Gold wert gewesen sein. Name: Fritz Walter.

119 Spiele bestritt der technisch versierte Breitschuh für die Oberfranken und erzielte dabei 37 Tore. Das blieb auch in Fürth nicht unbemerkt. Toni Wolf, dritter Präsident der Spielvereinigung, zugleich Gesellschafter der Eckart-Werke und Gründer von Wolf-Werbung, fragte bei der jungen Familie an.

"Für meinen Vater war das eine leichte Entscheidung, er wollte immer nach Fürth zurück", erinnert sich Wolfgang Breitschuh. "Er ist auch in dieser Zeit öfter nach Fürth zu den Heimspielen gefahren." Dann ging alles ganz schnell: Über ein paar Ecken fand sich ein Arbeitsplatz bei Siemens auf der Hardhöhe, wo man der jungen Familie gleich noch eine Wohnung vermittelte – schon war der Wechsel perfekt.

Beim Kleeblatt absolvierte Paul Breitschuh 1962/63 ein Jahr vor Einführung der Bundesliga noch eine Saison in der Oberliga Süd, damals mit den anderen fünf Oberligen die höchste Spielklasse Deutschlands. Das war die letzte Hochphase des alten Kleeblatts. Es folgten drei Jahre in der Zweitklassigkeit, bis der Kaufmann seine Fußballstiefel an den Nagel hängte.

Doch weil das Kleeblatt Breitschuhs Herzensangelegenheit war, übernahm er einen Job im so genannten Spielausschuss. Das Gremium verteilte seinerzeit die Aufgabe eines Teammanagers auf mehrere Schultern. Allerdings legte Breitschuhs Frau ein Veto ein, Motto: Was zu viel ist, ist zu viel.

Was blieb, waren die Stadionbesuche im Ronhof – lieber auf der Gegengerade als auf der Haupttribüne, "dort wurde ihm immer zu viel geredet. Mein Vater wollte in Ruhe das Spiel ansehen und erst hinterher darüber sprechen", berichtet der Sohn. Auf s 70 Jahre Mitgliedschaft brachte es Paul Breitschuh schlussendlich – was für eine innige Liebe zur Spielvereinigung. Eine Liebe, die in der Familie fortlebt.

MARKUS EIGLER

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