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Die große Chance: Behrens beschert den Pokal-Club nicht

Köllner-Team verbucht einige statistische Vorteile, ist aber dennoch raus - 20.12.2017 13:54 Uhr

Der muss doch rein! Oder nicht? Hanno Behrens hatte gegen Wolfsburg die Nürnberger Führung vor Augen. © Sportfoto Zink / WoZi


"Es ist sehr schade, dass der Ball nicht einmal reingerutscht ist." Dies sagte nach Abpfiff der Mann, der es zuvor - speziell in der 56. Minute – vehement versucht hatte, das Leder über die Linie des Gäste-Tores rutschen zu lassen. Nach einer flotten Nürnberger Ballstaffette über Leibold und Ishak zog Erstgenannter ab. Max Grün, der Ex-Fürther im Wölfe-Käfig, ließ das Spielgerät nach nach vorne prallen. Die Kugel landete auf dem linken Oberschenkel von Hanno Behrens und sprang von dort in Richtung Wolfsburg-Kiste. 

Doch Behrens schaffte es nicht, den Ball aus der Nahdistanz über die Linie zu drücken. Auch weil VfL-Verteidiger Marcel Tisserand den Spielverderber gab und mit seinem hervorragendem Tackling dazu beitrug, die Nürnberger Führung zu verhindern.

Dass eine Nürnberger Führung zu Beginn des zweiten Durchgangs verdient gewesen wäre, daran ließen die Protagonisten - von Michael Köllner über Behrens bis Wölfe-Dompteur Martin Schmidt - im Anschluss keinen Zweifel. "Natürlich lässt es sich nicht vermeiden, dass Wolfsburg zu Chancen kommt. Aber gefühlt hatten wir sogar mehr Möglichkeiten", konstatierte ein konsternierter Georg Margreitter und musste sich dennoch mit einem 0:2 nach Verlängerung und damit dem Pokal-Aus abfinden. Dass der Vorzeigeverteidiger aus Vorarlberg, der auch die beiden Pfostentreffer klassenhöherer Gäste, damit nicht ganz falsch lag, verdeutlicht auch die Statistik.

Energischer und zielführender 

In einem echten Pokal-Fight feuerte der FCN 23 Mal auf das VfL-Gehäuse und damit dreimal häufiger als die Millionentruppe aus der Autostadt. Auch wenn Wolfsburg mehr Pässe adressierte, an den Mitspieler brachte und mehr Ballbesitz (60 zu 40 Prozent) verbuchte, stellte Nürnberg über weite Strecken das bessere, weil energischer und zielführender agierende Team. Und daraus resultierend lange Zeit auch die Mannschaft mit den klareren Torgelegenheiten: Hatte Möhwald nach Behrens brillantem Chipball das Leder in Hälfte eins über den Kasten befördert, scheiterten kurz nach dem bereits beschrieben Hochkaräter des Club-Kapitäns auch Edgar Salli und Mikael Ishak, der insgesamt viermal das Gäste-Tor unter Beschuss nehmen sollte, an Wolfsburgs Schlussmann. 

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Dass gegen den qualitativ hochwertig besetzten Bundesligisten nicht nur Zug nach vorne, sondern auch Kampfkraft gefragt war, um die Partie offen – möglicherweise sogar zu den eigenen Gunsten - zu gestalten, war schon vor Anpfiff klar gewesen. Der FCN erfüllte diese Arbeitsanforderung famos. Als Team bestritt der Club 55 Prozent seiner Zweikämpfe siegreich. Wenn sich die Nürnberger, wie ebenfalls zu erwarten war, dann doch einmal stürmischen Wölfen gegenüber sahen, konnten sie sich in der letzten Reihe nicht nur auf Margreitter (78 Prozent gewonnene Zweikämpfe) verlassen. An der Seite des Österreichers fiel in der Defensivzentrale erneut Ewerton mit konsequenter, mitunter eleganter Abwehrarbeit auf. Hätte der aus der Sicht einiger Betrachter vielleicht zu spät eingewechselte Cedric Teuchert durch ein gelungenes Zuspiel nicht 100 Prozent als Passquote auf dem Zettel, wäre der Südamerikaner in dieser Kategorie erneut spitze!

War alles gut beim Club? Natürlich nicht. Tobias Werner, der später noch Wolfsburgs zweiten Treffer unglücklich vorbereiten sollte, hatte lediglich 19 Ballkontakte. Der im Vorwärtsgang dynamische Tim Leibold leiste sich defensiv einige Wackler - einen davon hätte Mario Gomez fast mit Wolfsburgs Führung in der regulären Spielzeit bestraft. Das Aluminium stand dem Club bei. 

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Und dennoch setzte, als es in die Verlängerung ging, zunächst weiter der FCN im Offensivbereich Akzente. Behrens‘ Kopfball nach einer Valentini-Ecke senkte sich aufs Tordach. Auf der Gegenseite wurde eine Didavi-Ecke nicht entscheidend geklärt. Über Umwege und eine Kopfball-Vorlage von Guilavogui, der Leibold im Rücken entwischt war, kam der Ball zum jungen Uduokhai. Dessen erster Spitzel-Versuch wurde von Margreitter noch geblockt. Vom Club-Ösi prallte der Ball jedoch noch einmal zum Wolfsburger, der das Spielgerät im zweiten Versuch über die Linie stocherte.

Das war andersherum gedacht 

Es war die aus Nürnberger Sicht bittere Vorentscheidung. Eine Szene, die sich Hanno Behrens so eigentlich auf der anderen Seite vorgestellt hatte.  

apö

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