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Die Toreverhinderer: Die Club-Abwehr steht felsenfest

Im Angriff gelingt dem FCN derzeit nicht viel, doch in der Defensive überzeugt er - 28.02.2018 05:56 Uhr

Georg Margreitter und seine Nürnberger wissen, wie man sich erfolgreich gegen Gegentreffer stemmt. Für ein aus Club-Sicht schönes Derby könnte dies ein Schlüssel zum neuerlichen Sieg sein. © Sportfoto Zink / DaMa


Die Berufsskeptiker im Umfeld lässt natürlich auch der 1. FC Nürnberg des Jahres 2018 nicht verstummen; wahrscheinlich werden sie nie verstummen, so lange der Verein seine Fußballmannschaft nicht vom Spielbetrieb abmeldet. Nur 0:0 in Bochum, beim abstiegsgefährdeten Revierverein. Nur 0:0 beim FC St. Pauli, dem wankelmütigen und mit Erwartungen überladenen Hamburger Kiezklub. Und so spielt ein Aufsteiger?

Zumindest auswärts hat sich die Mannschaft von Michael Köllner zuletzt ein bisschen schwergetan mit dem Toreschießen. Geht man noch etwas weiter zurück und rechnet den knappen 1:0-Erfolg beim 1. FC Union Berlin sowie das 1:1 in Kaiserslautern vor der Winterpause mit ein, dann sind ihnen in der Rückrunde auf fremden Plätzen überhaupt nur zwei Treffer geglückt.

Angst war gestern 

Andererseits, und darauf verweisen die Verantwortlichen natürlich völlig zurecht: Haben sie auch nur ein Gegentor hinnehmen müssen, sie haben sechs Punkte geholt und sind insgesamt nun seit elf Spielen ungeschlagen. Eine "Mega-Serie" nennt der Trainer das, Verteidiger Georg Margreitter sagt: "Wir haben das Gefühl, dass es schwer ist, gegen uns ein Tor zu machen." Sein Nebenmann Enrico Valentini, der am Samstag eine Gelb-Sperre absitzen muss, hat beobachtet, "dass man ohne Angst ins Spiel geht".

Mit breiter Brust und ohne Angst - so langsam beschleicht sie die leise Ahnung, unbesiegbar sein zu können. Ob sie das Verlieren vielleicht sogar verlernt hätten, wurde Valentini bei der Nachbesprechung des Bochum-Spiels gefragt. Verlernen, überlegte Valentini, könne man so etwas wohl eher nicht, aber: "Wir haben aus unseren Fehlern aus der Hinrunde gelernt und das reicht, um keine Niederlagen zu kassieren." Und weil der gebürtige Nürnberger um die Skepsis weiß, die den Club spätestens seit der Meisterschaft 1968 und dem darauffolgenden Abstieg begleitet, erinnert er noch einmal daran, dass es auch für den Tabellenführer keine Selbstverständlichkeit ist, jedes Wochenende aufs Neue wenigstens Unentschieden zu spielen. "Es vergessen einige manchmal", sagt Valentini, "wie schwierig es ist, in der Zweiten Liga nicht zu verlieren".

"Es gibt kein leichtes Spiel" 

Wie ein Mantra wiederholt Michael Köllner bei jeder sich bietenden Gelegenheit, dass die Liga vor allem in dieser Saison eine maximal ausgeglichene ist. "Es gibt kein leichtes Spiel", hat er auch nach dem Auftritt in Bochum wieder gesagt, obwohl ihnen die letzten Heimspiele gegen Aue (4:1) und Duisburg (3:1) recht überzeugend gelungen sind.

Als Beleg dafür darf die Tabelle dienen. Zwischen den Relegationsplätzen liegen nur zehn Punkte, aus einem Aufstiegs- kann selbst im letzten Saisondrittel noch ein Abstiegskandidat werden. Was die Unentschieden gegen Jahn Regensburg und den FC St. Pauli wert sind, sieht man jetzt, da die Konkurrenten aus Düsseldorf und Kiel dort verloren haben.

Bochum wiederum, da ist Köllner überzeugt, könnte kommende Woche für den FC Ingolstadt eine anspruchsvolle, vielleicht sogar zu anspruchsvolle Aufgabe werden. Der Club punktet dagegen sehr konstant, der Vorsprung auf Platz vier beträgt zehn Runden vor Schluss immerhin schon acht Punkte. Spielt so ein Aufsteiger? Vielleicht.

Multipliziertes Selbstvertrauen

Genau deswegen ist bei einem Teil der Anhänger wohl auch beim oft mit Erwartungen überladenen Club die vorherrschende Meinung, dass man so eine Mannschaft wie den VfL Bochum in der aktuellen Verfassung doch eigentlich locker besiegen müsste.

Beim 1. FC Nürnberg war man da am Sonntag naturgemäß ein wenig anderer Meinung. Georg Margreitter, der kurz vor Schluss eine von nur zwei echten Torchancen der Gäste vergab, wusste schon recht gut einzuschätzen, was seine Kollegen und er da geleistet hatten. "Wir standen weite Teile des Spiels ordentlich unter Druck", stellte er fest, "trotzdem haben sie kaum zwingende Torchancen herausgespielt".

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Immer wieder droschen die Bochumer den Ball in den Nürnberger Strafraum, eingreifen musste Torwart Fabian Bredlow aber nur selten, weil seine Vorderleute den Ball sehr konsequent aus der Gefahrenzone beförderten. 92 Prozent seiner Zweikämpfe konnte Margreitter gewinnen, Bestwert an diesem Tag.

Und ein weiterer Grund, auch die nächsten Partien mit viel Selbstvertrauen anzugehen. "Das", sagt Margreitter, "strahlt jeder aus und im Kollektiv multipliziert sich das dann noch". Mit einem guten Gefühl betreten sie derzeit das Stadion und verlassen es meistens sogar noch mit einem besseren. Vielleicht gilt das demnächst ja sogar für die ausdauerndsten Skeptiker im Umfeld. 

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Sebastian Gloser Sportredakteur E-Mail

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