Leichtathletik 

Diskus-Talent aus Freystadt hat die Winterpause gut genutzt

29.5.2021, 11:49 Uhr
Herr des Ringes: Jakob Nützel hat sich im Diskuswerfen enorm gesteigert und zählt jetzt zur deutschen Spitze beim Nachwuchs.
 

Herr des Ringes: Jakob Nützel hat sich im Diskuswerfen enorm gesteigert und zählt jetzt zur deutschen Spitze beim Nachwuchs.   © André De Geare, NN

Auf die neue persönliche Bestleistung von 51,39 Metern schleuderte er den Diskus im Dante-Stadion und erfüllte damit bei den U18-Junioren ziemlich locker die Qualifikationsnorm für die Deutschen Meisterschaften Ende Juli/Anfang August in Rostock. Die nötige Weite hatte 48,48 Meter betragen. Eine Leistung, die den 17-Jährigen vom TSV Freystadt gar nicht allzu sehr überrascht hat. Anfang Mai hatte er die Quali-Norm bei einem Wettkampf in Erfurt mit 48,37 Metern noch knapp verfehlt, ein Fingerzeig in die richtige Richtung war es aber gewesen. Denn der Auftritt in Thüringen war Nützels erster in diesem Jahr gewesen. „Da war ich schon etwas nervös, nach drei Stunden Anfahrt war es auch nicht leicht“, sagt Nützel, für den diese Weite allerdings auch schon eine neue Bestleistung mit der 1,5-Kilogramm-Scheibe war.


Diskuswerfer aus Freystadt verfolgt ehrgeizige Ziele im Corona-Sommer


Auf das um 500 Gramm schwerere Wurfgerät war der Freystädter nach seinem Altersklassenwechsel im Vorjahr umgestiegen. „Ein halbes Kilo mehr wirkt ordentlich, aber das Gefühl kommt mit der Zeit“, erklärt er die Feinheiten seines Sports. Daran feilen konnte er auch noch bei einem Wettkampf in Halle und am vergangenen Pfingstwochenende bei einem Vergleich der Landes-Kaderathleten aus Bayern, Baden-Württemberg und Hessen in Ulm. Da reichte es zu 46,77 Meter und Platz zwei - nur zwei Zentimeter hinter dem Sieger.

Neuer Fitnessraum im Keller

Zumal er die nötige Technik mitbringt, „da bin ich gut“, schätzt er sich selbst ein, „an der Kraft hat es anfangs gefehlt“. Wohl dem, der Eltern hat, die selbst als Trainer in der Leichtathletik aktiv sind. Mit Vater Wilfried und Mutter Heike trainierte Jakob Nützel nicht nur auf der Anlage in Freystadt (für Kadersportler ist dies erlaubt), bereits im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 wurde im heimischen Keller ein Fitnessraum eingerichtet.

„Da habe ich in diesem Winter noch einige Kilos draufgepackt“, sagt Nützel, der zusätzlich mit einem geänderten Ablauf im Alltag zu Recht kommen musste. Von der Realschule war er im vergangenen Jahr auf die Fachoberschule gewechselt, geht im regelmäßigen Wechsel der Schule in Neumarkt und seiner Arbeit bei einem Farbenfachhandel in Freystadt nach.

Wobei, Alltag ist in Corona-Zeiten so eine Sache. In der Schule ging es erst kürzlich vom Distanzunterricht in den Wechselunterricht. Jakob Nützel sieht das Hin und Her pragmatisch. „Es ist alles machbar“, sagt er, und schließt die Trainingszeiten dabei mit ein. Anfang des Winters ging er da noch voll motiviert zur Sache, doch mit jeder weiteren Absage eines Wettkampfes und der anhaltend geschlossenen Sportschule in Oberhaching schwand diese Motivation, gibt der 17-Jährige zu.

DM-Norm als Motivationsschub

Da kam der Kaderwettkampf in München – der freilich ohne Zuschauer und unter strengen Hygiene-Auflagen stattfand – gerade recht. Die persönliche Bestleistung und die damit erfüllte DM-Norm wirken als Motivationsspritze, zumal das Ende der Fahnenstange nicht erreicht ist. Bereits im Dantestadion warf Jakob Nützel den Diskus auf über 53 Meter, der Versuch wurde wegen Übertretens aber als ungültig gewertet.

Er hat dem Freystädter aber gezeigt, dass das Ziel „Top-8“ bei den Deutschen Meisterschaften in Rostock realistisch ist – und er liebäugelt sogar mit einer Medaille. Der anvisierte Höhepunkt, die Leichtathletik-Europameisterschaft der Junioren in Italien, wurde zwar für dieses Jahr abgesagt, bei einem Wettkampf in Brixen/Südtirol Ende September winken aber noch internationale Vergleiche. Die Herbst-Tristesse sollte nach dem Frühjahrserwachen also auch in einem weiteren Corona-Jahr noch auf sich warten lassen.

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