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Doppel-Kempe! Ideenloser Club elfmetert sich zu KSC-Sieg

FCN findet über weite Strecken der Partie keinen Weg zum Tor - 31.03.2017 21:42 Uhr

Er kam von der Bank - und wurde zum Matchwinner: Tobias Kempe, hier bei seiner freitäglichen Paradedisziplin, dem Elfmeter.

31.03.2017 © Sportfoto Zink


Die Gefahr, sich einen schönen Tag abends beim Fußball zu verderben, ist in Nürnberg allgegenwärtig. Am Freitagabend war sie besonders groß, weil tagsüber der Sommer vorbeischaute und abends der Karlsruher Sportclub. Letzter ist der einst große KSC in der 2. Bundesliga, seitdem der Trainer Mirko Slomka die Badener übernommen hat, geht es steil bergab. In der Rückrunde gelangen nur sieben Punkte – eine Bilanz die dummerweise auch der 1. FC Nürnberg aufweist. 25.313 Zuschauer ließen sich von den trüben Aussichten nicht schrecken und schauten vorbei im Frankenstadion.

Sie wurden belohnt. Zwar wurden über lange Zeit die schlimmsten Ahnungen bestätigt, am Ende aber hatte Nürnberg durch zwei Elfmetertreffer in der zweiten Halbzeit den Pausen-Rückstand gedreht und wahrscheinlich zur eigenen Überraschung am Ende 2:1 gewonnen. Der erhoffte Fortschritt in Sachen Spielfreude aber war die Partie nicht, dabei hätte gerade das besser werden sollen.

Hufnagel kommt zu Startelf-Debüt

Weil sich die Liga nach der 0:1-Niederlage des Clubs bei Union Berlin und wegen der EM-Qualifikation in eine zweiwöchige Pause verabschiedete, rief Trainer Michael Köllner am Valznerweiher eine Mini-Vorbereitung aus. Köllner hat den Club ja erst vor kurzem übernommen, wohin es geht, steil nach oben oder nach unten, weiß man noch nicht. Man wollte die Zeit nutzen, um sich ein wenig besser kennen zu lernen und gemeinsam eine Idee vom Spiel zu entwickeln.

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Präsentieren sollte die Ergebnisse des Tuns eine Mannschaft, die Köllner wieder einmal umgebaut hatte im Vergleich zur vorherigen Partie: Lukas Mühl, Constant Djakpa, Hanno Behrens, Lukas Hufnagel und Tim Matavz standen aus den unterschiedlichsten Gründen neu in der Startelf – spätestens nach zehn Minuten dürften das die meisten der Beteiligten bereut haben.

Der FCN im Rückstand überfordert

So schlecht wie in diesen ersten 45 Minuten gegen den KSC hat man den 1. FC Nürnberg lange nicht gesehen, was eine erstaunliche Leistung ist angesichts der sportlichen Misere, die den Club schon durch die komplette Spielzeit begleitet. Kaum ein Pass, der dort ankam, wo er hätte ankommen sollen. Torchancen ergaben sich so selbstverständlich nicht.

Und weil auf der Gegenseite die Karlsruher ähnliche Schwierigkeiten mit dem Spiel hatten, brauchte es ein wenig Situationskomik für den ersten Treffer des Abends: Miso Brecko wehrte einen Ball unkontrolliert ab, was Florian Kamberi ins Spiel brachte. Der fand keine Anspielstation, schoss aus 25 Metern und mit dem schwächeren, rechten Fuß – eigentlich weit am Tor vorbei, hätte nicht Brecko den Ball unhaltbar für Raphael Schäfer ins eigene Tor abgefälscht (24.).

Kempe kommt - und ist humorlos

Karlsruhe konnte sein Glück kaum fassen, Nürnberg sah nun mit dem Rückstand als Bürde noch überforderter aus. Auffällig wurden bis zur Pause nur noch die Zuschauer, die das schlechte Spiel mit Routine kommentierten – es wurde gepfiffen im Frankenstadion. „Aufgeben ist keine Option“ stand auf einem Spruchband, das die Karlsruher Anhänger zu Beginn der beiden Halbzeiten präsentierten. Es hätten sich zu Beginn der zweiten 45 Minuten wohl nicht wenige Nürnberger gefunden, die über die Option nicht wenigstens hätten nachdenken wollen.

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Es ging aber weiter. Auf Wechsel verzichtete Köllner in der Pause etwas überraschend, wahrscheinlich im Vertrauen darauf, dass die Spieler ein Interesse daran hatten, den Eindruck des ersten Durchgangs zu korrigieren. Nunja. Die erste Gelegenheit hatte wieder der Gast, aber Schäfer lenkte Kamberis Versuch aus 20 Metern zur Ecke (53.). Dann wurde Nürnberg tatsächlich besser und hatte Glück: Nach einem Pass von Djakpa ging Möhwald – leicht berührt von Gaetan Krebs – im Strafraum zu Boden, Schiedsrichter Martin Petersen entschied auf Elfmeter (65.). Der eingewechselte Kempe traf vom Punkt und durfte das kurz darauf wiederholen. Diesmal hatte Bjarne Thoelke einen Freistoß im Strafraum per Hand abgewehrt, wieder schoss Kempe, es stand nach 70 Minuten tatsächlich 2:1 für Nürnberg.

Es war ein kurzes Aufflackern fränkischen Fußballglücks, danach ging es so unansehnlich weiter wie zuvor. Immerhin der Abend eines schönen Frühsommertages war gerettet – irgendwie.


+++ Den Live-Ticker zum Nachlesen gibt's hier +++

1. FC Nürnberg: Schäfer - Brecko, Mühl, Bulthuis, Djakpa - Petrak - Hufnagel (Kammerbauer, 82.), Behrens (Löwen, 63.), Möhwald, Salli (Kempe, 58.) - Matavz

Karlsruher SC: Orlishausen - Mavrias, Kinsombi, Thoelke, Sallahi - Krebs (Yann, 85.), Meffert - Valentini, Mehlem (Reese, 74.), Yamda -  Kamberi (Mugosa, 75.)

Tore: 0:1 Sallahi (24.), 1:1 Kempe (65.), 2:1 Kempe (70.) | Gelbe Karten: Möhwald (67.), Bulthuis (80.) - Kinsombi (69.), Mehlem (70.) | Schiedsrichter: Petersen (Stuttgart) | Zuschauer: 25.000.

Fadi Keblawi

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