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Drauf auf die Fortuna! Als Wild für den FCN wichtig wurde

Der gebürtige Nürnberger erzwang 1962 den Club-Titel - 04.11.2020 16:54 Uhr

Brillant belauscht: Düsseldorfs Manfred Krafft vertändelt in der Verlängerung den Ball, Tasso Wild bugsiert ihn ins Tor. Der Club ist Pokalsieger!

27.08.2012 © Archiv Schmidtpeter


Tasso Wild geht es gut. Das ist die Hauptsache. Für seinen Club, für den der Nürnberger in über 250 Spielen - seine Einsätze in der Ober- und Bundesliga, Deutschlands höchster Spielklasse also, eingerechnet - die Fußballschuhe schnürte, gilt das momentan nur bedingt. "Das zieht sich durch, Woche für Woche. Ich begreife das nicht", ärgert sich der 79-Jährige. "Du führst, aber statt aufs nächste Tor zu gehen, den Gegner vom eigenen Kasten wegzuhalten, das nächste Tor zu machen und dem Gegner den Wind aus den Segeln zu nehmen, ziehst du dich zurück. Und lädst den Gegner selbst zum Toreschießen ein", bringt Nürnbergs einstiger Vorzeigespieler das Problem von Nürnbergs Immer-noch-Vorzeigeverein auf den Punkt. Ein Problem, das dadurch verschärft wird, dass sich der Club - wie auch Wild feststellt - mindestens einmal pro Spiel einen “groben Abwehrfehler leistet“. Wie es besser wird gegen die Fortuna? 

Finale Veredlung und ein Fingerbruch

"Ich wünsche mir, dass wir weiterkommen. Wir müssen es eigentlich auch. Vom Image und vom Finanziellen her wäre das verdammt wichtig", hatte Tasso Wild im Spätherbst vor fünf Jahren bereits erklärt. Abseits vom Image und vom Finanziellen klappte das im Oktober 2015 dann auch ziemlich gut. Mit 5:1 fegte der von René Weiler trainierte Club die Fortuna aus dem eigenen Stadion. In der zweiten Pokalrunde leistete der FCN Wilds Wunsch damals Folge, führte bereits zur Pause mit 4:0. Wie man Duelle mit Düsseldorf im Cup-Wettbewerb siegreich gestaltet, hatte dieser freilich schon davor gewusst. Im Spätsommer 1962 veredelt der Club einen Erfolg bei der entsprechenden Trophäenjagd mit seinem dritten Titel. Nürnbergs Offensivkraft hat wesentlichen Anteil daran. In Hannover vor 41.000 Zuschauern, als FCN und Fortuna den Pokalsieger ermitteln.

Im Juni 1936 hatten sich die Vereine bereits schon einmal zu einem Endspiel verabredet, der Club mit 2:1 gewonnen. Karl Gußner heißt der Mann, der den Verteidigern vom Flinger Broich - trotz Fingerbruch im ersten Durchgang - in der Verlängerung enteilt, die Kugel ins Netz drischt und die geschundene Hand kurz darauf an die Meistertrophäe legen darf.

In der der Neuauflage des finalen Wettstreits indes, am 28. August 1962, scheint die Partie dem FCN zumindest anfangs aus den Fingern zu gleiten. Die vom späteren Bundestrainer Jupp Derwall trainierten Düsseldorfer machen mächtig Druck. Mit "Volldampf“ - wie Wild sagt - drängen sie fahrige Franken in die Defensive. Tasso Wild und Halbstürmer-Kollege Kurt Haseneder müssen verstärkt Deckungsarbeit verrichten. Chancen hat ein zu passiver Club ("Wir hatten nicht unseren besten Tag") in der ersten Hälfte zwar: Heinz Strehl etwa trifft den Pfosten. Letztlich aber, erinnert sich Tasso, ist es ausschließlich einem famos haltenden Roland Wabra zu verdanken, dass es 0:0 zur Pause steht.

"Ich habe ihn belauscht"

Nach einer knappen Stunde steht es nicht mehr 0:0. Düsseldorf ist erneut schwungvoll aus der Kabine gekommen. Der agile Josef Wolfframm verantwortet frei vor Wabra die Fortunen-Führung. Doch nun dreht der Club auf. Wild und Haseneder quittieren den Abwehrdienst, zeigen sich jetzt unaufhörlich im Vorwärtsgang. "Wichtig, an diesem Tag wahrscheinlich am wichtigsten sogar", ist es schließlich, dass Haseneder Nürnbergs Angriffsanstrengungen in den Ausgleich überführt, in der 71. Minute zum 1:1 trifft. "Ab dann hat die ganze Mannschaft geglaubt, dass wir irgendwann ein weiteres Tor machen. Und so sind wir marschiert", erinnert sich Wild, der gegen entkräftete Rheinländer in der dritten Minute der Nachspielzeit selbst die Entscheidung besorgt. "Ich habe ihn belauscht, habe - seitlich von ihm postiert - gesehen, dass er an der Fünfergrenze umherschaut und eine Anspielstation sucht", erzählt Nürnbergs Pokalheld und meint Gegenspieler Manfred Krafft.

Das kurze Zögern - ein fataler Fehler des Fortunen-Stoppers. "Ich bin hineingegrätscht und habe den Ball ins Tor gespitzelt", komplettiert Tasso seine Titelgeschichte. "Kein schöner, aber ein wichtiger Treffer", schiebt der verdiente Club-Recke hinterher. Dass einem seiner Nachfolger ein solcher Treffer, wenn es im Liga-Betrieb gegen Düsseldorf geht, gelingt… Dafür drückt Nürnbergs Pokalexperte die Daumen. Damals hätte man dank Haseneder das Momentum erwischt und Selbstvertrauen getankt. Selbstvertrauen durch ein Tor.

"Billig, aber wertvoll"

Man hätte gemerkt, “die packmer jetzt“, sagt Wild. Man habe nicht verharrt, sondern wäre “drauf, drauf, drauf“. Gegen einen “logischerweise dann verunsicherten Gegner“. So wie er in der dritten Minute der Nachspielzeit, im Endspiel gegen Düsseldorf, als sein "billiges, aber wertvolles Tor“ die Entscheidung brachte. Im Spätsommer 1962, als es Tasso Wild und seinem Club richtig gut ging. 

apö

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