Dreimal Behrens gegen Aue: Ein Sinnbild für den FCN

23.5.2020, 15:55 Uhr
Kläglich, glücklich und im Pech: Club-Kapitän Hanno Behrens gegen Aue.

Kläglich, glücklich und im Pech: Club-Kapitän Hanno Behrens gegen Aue. © Daniel Marr/ Sportfoto Zink

Er ist viel unterwegs. Über elf Kilometer sind es beim 1:1 gegen Aue wieder einmal, die im Nürnberger Geister-Achteck bei Abpfiff für Hanno Behrens als Laufleistung notiert werden. In seiner seit geraumer Zeit wieder offensiveren Rolle kommt der Club-Kapitän auch wieder öfter dort vorbei, wo er so wertvoll für den 1. FC Nürnberg ist. Eigentlich. In der gegnerischen Gefahrenzone, wo der Verbindungsoffizier zwischen Defensive und Offensive mit seinem Gespür für Räume und seinen Abschlussqualitäten in der Vergangenheit immer wieder Nürnbergs Trumpf war. Dort, wo Hanno Behrens Nürnbergs Trumpfkarte auch am Freitag hätte spielen können, ja fast schon müssen. In der 35. Minute, aus elf Metern, freistehend im Auer Strafraum. 

Club-Coach Jens Keller hatte seinen Schützlingen vor Geisterspiel-Premiere in der Noris - so erklärte es der Coach des Auch-Weiterhin-Abstiegskandidaten vor der Verabredung mit den Veilchen zumindest - eindringlich nahegelegt, mehr Konzentration für den Abschluss aufzuwenden.


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In der 35. Minute, als Handwerker auf links antrat, Zrelak den Ball nach dessen scharfer Hereingabe gekonnt passieren ließ und Behrens blank im Auer Sechzehner zum Schuss kam, schien es jedoch, als ob Kellers mahnende Worte nach dem Chancenwucher auf St. Pauli ungehört verhallt sind. Der Spielführer der Rot-Schwarzen hat sich optimal in Stellung gebracht. Das Leder bringt er aber nicht im linken Eck der Gäste-Kiste unter. Ein bisschen zu laff, ein bisschen zu unplatziert, jedenfalls ohne die vom Trainer gewünschte Konsequenz. Aue-Schlussmann Männel kann das Pflicht-Tor des FCN verhindern – ins bedrohte Eck abtauchend, mit einer Glanzparade freilich. Ein Schockmoment bei der Geisterspielpremiere in Nürnberg ist Behrens' Fehlschuss dennoch allemal. 

Den anderen Hanno Behrens, der auf einzelne Spielszenen heruntergebrochen trotzdem so wichtig ist für den Club, sieht man gegen die Veilchen nach Stundenfrist. In der 63. Minute, noch liegt die Heimmannschaft nach Nazarovs Kontertor hinten, hat der FCN den Ausgleich einer Willensleistung seines Kapitäns zu verdanken. Und einer großen Portion Glück. Eigentlich an der Torauslinie eingekesselt, bringt Behrens den Ball nun selbst in den Gefahrenbereich. Muss man ab und zu auch. Weil es dort eben gefährlich wird. Und ein Eigentor immer drin ist. Wie in Minute 63, als Sören Gonther die Hereingabe des Club-Anführers mit dem Schienbein ins eigene Netz verlängert. Und den Elmshorner und seine sich schon davor gegen eine mögliche Niederlage stemmenden Mitstreiter jubeln lässt. 

Gejubelt - dann noch befreiter - hätte der Keller-Club beinahe noch ein weiteres Mal gegen Aue. Die 80. Minute blinkt als Spielzeit von der Stadionuhr. Wieder einmal ist es der aktive Handwerker, der im Anschluss an eine Ecke eine Club-Großchance initiert – und Behrens der Mann, der für die Endverwertung zuständig ist. Es ist ein Zittermoment in einem Auf-und-Ab-Spiel für abstiegsbedrohte Nürnberger. Eine Szene, die man in Millisekunden aufsaugt, auch Thomas Grethlein, dem wieder einmal lautstarken Aufsichtsratsboss, den Torschrei auf die Lippen treibt. Ungelenk gekonnt lenkt Abschlussspezialist Behrens den Ball nach Handwerkers scharfer Hereingabe ans linke Kreuzeck. Männel streckt sich vergebens, Grethlein schreit stumm. Der Abschluss, der ein Tor verdient gehabt hätte, hat kein Tor zur Folge. 

Auch in den Kommentarspalten von nordbayern.de und auf unseren Facebook-Seiten wird man die Leistung von Hanno Behrens wieder einmal unterschiedlich sehen. Und sie irgendwo zwischen erfüllten und nicht erfüllten Erwartungen, Können und Versagen bewerten. Mit Einschlag zum Negativen. Klar ist nur eins: Auch gegen Regensburg wird der Club-Kapitän, für den diese Saison keine gute ist und der seit nunmehr fünf Spielen auf einen eigenen Treffer wartet, wieder viel unterwegs sein. Und dann vielleicht nicht nur eine, sondern zwei oder drei Szenen für Nürnberg nutzbar machen. 

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