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Druckvoller Zweiter: Das kann Club-Gegner Bochum

Der VfL erlaubt sich in dieser Runde bislang kaum Schwächen - 16.01.2021 05:45 Uhr

Der nächste Sieg: Die Fußballer des VfL Bochum jubelten am vergangenen Sonntag in Regensburg.

13.01.2021 © Foto: Wolfgang Zink


Folge 77: Die Geburt einer neuen Mannschaft

Die Grundordnung . . .

. . . kombiniert Ballbesitz und direktes Spiel. Der VfL ist gleichzeitig die Mannschaft mit dem zweitmeisten Ballbesitz und den meisten – aber auch den genausten – langen Pässen in der zweiten Liga. Bochum profitiert in dieser Ausrichtung auch davon, dass sich zuletzt eine klare Stammformation gebildet hat, die Abläufe kennt und sich aufeinander abgestimmt hat. Aus einem 4-2-3-1 heraus baut der VfL auf, die drei Zentrumsspieler Losilla, Tesche und Zulj lassen dabei den Ball kreisen und verlagern dann das Spiel auf die Außen: Gerrit Holtmann links, Ex-Cluberer Danny Blum rechts.

Passgenau? Und wie!

Heraus sticht bei den Bochumern, dass sie bei jener Art von Pässen, die für direkten und potenziell gefährlichen Spielaufbau stehen, die höchste Passgenauigkeit unter allen Zweitligisten aufweisen können. Die Kombination, dass eine Mannschaft sowohl bei den Pässen ins letzte Drittel, den Pässen für Raumgewinn und den langen Bällen immer Bestwerte hat, ist ungewöhnlich. Paart man sie noch mit der hohen Flankenanzahl und dem hohen Ballbesitz, wird deutlich, dass hier eine Mannschaft am Werk ist, die den Gegner enorm unter Druck setzen kann. Das wird durch die Tatsache unterstützt, dass kein Zweitligist mehr Ballkontakte in der gegnerischen Hälfte hat.

Jener Druck wird auch auf andere Weise aufgebaut. Immer wieder geht Bochum ins Angriffspressing über, stört die gegnerischen Innenverteidiger und Torhüter beim Spielaufbau. Ziel ist es dabei, den Ball in Tornähe zu erobern. Doch auch wenn das Pressing nicht gelingt, führt es oft dazu, dass der Gegner unkontrolliert wegschlagen muss. Jene weggeschlagenen Bälle kann der VfL dann oft für sich gewinnen. Das wiederum führt dazu, dass Bochum in der Kombination von Anzahl und Anteil mehr Bälle im Mitteldrittel erobert als jede andere Mannschaft. Auch insgesamt gehört der VfL in Sachen Balleroberungen zu den drei besten Teams der Liga. Das ist für ein Team mit so viel Ballbesitz ungewöhnlich.

Die letzten Spiele . . .

. . . hat der VfL gewonnen, so dass er jetzt auf Platz zwei der Tabelle steht. In sechs der letzten acht Partien ging Bochum als Sieger vom Platz. Zuhause hat Bochum bislang nur gegen die SpVgg Greuther Fürth verloren und ist damit insgesamt die drittbeste Heimmannschaft der Liga. Der VfL übertraf bei den Siegen in den vergangenen acht Wochen die zu erwartenden Tore deutlich. 9,65 expected goals standen 18 geschossenen Toren gegenüber. Bei den beiden Niederlagen wiederum 2,79 expected goals nur einem eigenen Tor.

Blum ballert auch von weiter weg

Das zeigt zum einen eindrucksvoll, wie sehr Fußball dann doch Glück und Pech unterliegt. Damit einher geht die Tatsache, dass der VfL Bochum in den vergangenen acht Spielen fünf Tore von außerhalb des Strafraums erzielt hat. Bestwert in Liga zwei. Von diesen Weitschusstoren hat Danny Blum zwei erzielt. Zuvor hatte er 56-mal in Folge in Liga und Pokal von außerhalb des Sechzehnmeterraums aufs Tor geschossen, ohne zu treffen, dann aber in fünf Versuchen zweimal (gegen den HSV und Heidenheim). Auch Thomas Eisfeld, der gegen Regensburg und Heidenheim von außerhalb des Strafraums traf, hatte zuvor in fast fünf Jahren nur ein Fernschusstor erzielt. Bei 37 Versuchen. Fußball ist eben auch ein Zufallsspiel.

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Die Schwächen . . .

. . . sind bei einer Mannschaft mit den zweitwenigsten Gegentoren und den drittmeisten Toren schwer auszumachen. Die bisherigen Niederlagen geben auch nur einige Anhaltspunkte. Gegen Hannover hatte der VfL große Probleme mit dem aggressiven und frühen Pressing der Niedersachsen. Bei den Niederlagen in Kiel und Braunschweig dagegen fand Bochum selbst nicht ins Pressing, hatte deutlich schlechtere Pressingwerte als in einem normalen Spiel. Ein Schlüssel für den FCN könnte also sein, das eigene Pressing zu verschärfen oder das gegnerische auszuhebeln. Beides riskante Ansätze.

Immer auf die Jungen! Oder über links

Mögliche Angriffspunkte – gerade im Pressing – sind Armel Bella-Kotchap (19) und Maxim Leitsch (22). Die Juniorennationalspieler und Eigengewächse des VfL bilden die Innenverteidigung, gerade Bella-Kotchap wird eine große Karriere vorausgesagt. Beide haben viel Potential und verteidigen an guten Abenden auf sehr hohem Niveau.

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Dennoch unterliegen die zwei Youngster in der Innenverteidigung noch Schwankungen in den Leistungen. Beide haben in dieser Saison schon Elfmeter verschuldet, haben noch Probleme damit, mit Geschwindigkeit auf sie laufende Angreifer zu verteidigen. Dabei scheint die rechte Seite mit Bella-Kotchap, unterstützt von Rechtsverteidiger Cristian Gamboa oder dessen Vertreter Herbert Bockhorn, etwas anfälliger und zweikampfschwächer als die linke mit Leitsch und Danilo Soares.

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Florian Zenger

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