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Edelfan Inge geht mit dem HCE durch alle Höhen und Tiefen

Sie begleitet den fränkischen Handballverein zu allen Auswärtsspielen - 03.12.2020 13:34 Uhr

Ein Herz für "Lütti": HCE-Torwart Carsten Lichtlein ist einer der Lieblingsspieler von Inge Albert-Wichmann.

02.12.2020 © Foto: Wichmann/privat


Fast fühlte man sich bei Auswärtsspielen des HC Erlangen an die Fabel vom Hasen und Igel erinnert: Kam man eine Stunde vor Anpfiff an einer Halle, egal wo in Deutschland, an, war sie schon da: Inge Albert-Wichmann, der wohl ungewöhnlichste Fan des fränkischen Handball-Bundesligisten.

Es sind ja immer einige Anhänger, die ihre Mannschaft auch in die Ferne begleiten, aber Inge Albert-Wichmann fällt in ihrem Kreis unvermeidlich auf. Nicht nur, weil sie oft ein Spielertrikot übergestreift hat, sondern wegen ihres Alters: Die Erlangerin hat vor kurzem ihren 80. Geburtstag gefeiert.

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"Bis auf Kiel und Flensburg war ich schon in allen deutschen Hallen, in denen der HCE gespielt hat", erzählt die stets adrett geschminkte "Handball-Verrückte". Ob mit dem Fanbus – "der ist leider schon lange nicht mehr gefahren" – oder mit Bekannten, "ich habe immer jemanden gefunden, der mich mitgenommen hat", irgendeinen Weg, den HCE zu begleiten, gab es immer.

Sofort hin und weg

In den Vor-Corona-Zeiten, versteht sich, ebenso wie die Tatsache, dass sie eine Dauerkarte für die Heimpartien besitzt. Die Rittal Arena in Wetzlar und die Ebert-Halle in Ludwigshafen nennt sie als ihre "Lieblingsziele" für Fahrten in die Ferne. "Obwohl wir bei einem der letzten Spiele des HCE bei den Eulen in Ludwigshafen schlimm beschimpft worden sind", gefalle ihr die intime wie hitzige Atmosphäre in der Kurpfalz.

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Vor knapp zehn Jahren hat Inge Albert-Wichmann den Handball für sich entdeckt, der ihr nach dem Tod ihres Mannes aus einem seelischen Loch half. "Zum Geburtstag hat mir mein Schwager Uli Wichman zwei Karten für ein HCE-Spiel geschenkt, "da bin ich dann mit meiner Nachbarin hin – und war hin und weg", erinnert sie sich mit einem Lachen. Das war noch in der Erlanger Hiersemann-Halle – und Uli Wichmann zu der Zeit Torwarttrainer des damaligen Zweitligisten.


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Tiefen und Höhen, die in den vergangenen Jahren überwogen, hat die 80-Jährige seither hautnah miterlebt. Und ihre Tochter längst mit dem Handballvirus infiziert. "Die ist jetzt ja noch verrückter als ich."

"Ich darf das als alte Frau sagen"

Natürlich hat Albert-Wichmann im Laufe der Jahre ihre Lieblinge gefunden. Oft sieht man sie im Torwarttrikot von Nikolas Katsigiannis, auch Carsten Lichtlein, von dem sie nur als "Lütti" spricht, und neuerdings Antonio Metzner hat sie in ihr Herz geschlossen. "Ich darf als alte Frau auch sagen, dass ich ein paar Spieler ganz hübsch und sympathisch nett gefunden habe", sagt sie. "Ich habe sie halt gern gesehen."


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Und die Freude war riesig, als ihr der mittlerweile bei den Rhein-Neckar Löwen in Mannheim spielende "Katze" Katsigiannis, per Videobotschaft zum 80. Geburtstag gratulierte. Das habe ihr in der Reha richtig gut getan, die nach einem leichten Schlaganfall und wenig später einem Lendenwirbelbruch – "der tut noch gscheit weh" – nötig geworden war.

Dicht an der Mannschaft

Die Auswärtsfahrten sind seit Monaten Corona-bedingt aus dem Kalender von Inge Albert-Wichmann gestrichen, Heimspiele in der Nürnberger Arena Corona-bedingt vorerst auch. Und so verfolgt sie die HCE-Spiele notgedrungen am Fernseher, oft in Gesellschaft ihrer Tochter und von Freunden aus dem Fanklub "Der 8. Mann", den sie mitgegründet hat.

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"Und einmal im Monat kommt zu unseren Treffen auch ein Spieler, den wir einladen", erzählt sie. So ist die langjährige Verwaltungsangestellte des hiesigen Gesundheitsamts vergleichsweise dicht an der Mannschaft. Deren Spieler sie längst alle kennen und bereitwillig zu gemeinsamen Fotos mit der handballverrückten Seniorin parat stehen.


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"Inge ist ein Phänomen, ein wertvoller Teil des HCE", würdigt denn auch Geschäftsführer René Selke den ganz speziellen Erlanger "Edelfan", dessen Begeisterung und Anfeuerungsenergie – "mit meiner Tute und Klatschpappe" – schier keine Grenzen kennt.

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