Freitag, 22.11.2019

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Egloffsteiner Eishockeytalent ist lieber ein Adler

Warum Moritz Wirth von den Ice Tigers zum Deutschen Meister nach Mannheim wechselt - 22.10.2019 19:35 Uhr

Künftig ein Kandidat für Adler-TV: Moritz Wirth lacht erst einmal nicht mehr in Nürnberger Kameras. © Foto: Thomas Hahn/Zink


Nach lediglich 27 Minuten und 58 Sekunden im Trikot der Ice Tigers wechselt der 20 Jahre alte Verteidiger von Nürnberg nach Mannheim – zum Erzrivalen, zum Meister, zu jener Organisation, die neuerdings in der Eishockey-Welt dafür bekannt ist, Talente auf Weltklasse-Niveau zu entwickeln. 2019 zum Beispiel Tim Stützle, einen gerade einmal 17 Jahre jungen brillanten Spielmacher, der in seinen ersten zwölf Spielen in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) nicht weniger als 13 Punkte gesammelt hat. Und 2018 zum Beispiel Moritz Seider, einen gerade einmal 17 Jahre jungen Verteidiger, der nach der Meisterfeier bei der WM als bester deutscher Abwehrspieler auffiel.

"Eine große Zukunft in Nürnberg"

Ein Jahr lang wurde Seider von den Spähern der National Hockey League beobachtet, derzeit sind dieselben Abgesandten der NHL-Klubs wieder in Mannheim zu sehen. Seider wurde bei der Talentziehung der besten Liga der Welt als sechster Spieler von den Detroit Red Wings ausgewählt. Stützle könnte 2020 noch früher ausgewählt werden. Die Namen von Stützle und Seider werden sicher gefallen sein, als Jan-Axel Alavaara nun Wirth und seinen Berater Martin Ancicka davon überzeugt hat, während der Saison nach Mannheim zu wechseln.

"Wir haben Moritz schon bei unserem Prospect Camp im Sommer beobachten können, und sind froh, dass wir ihn für unsere Mannschaft gewinnen konnten", ließ Alavaara ausrichten, nachdem er sich mit den Ice Tigers auf eine Ablösesumme geeinigt und Wirth den zweiten Ein-Jahres-Vertrag innerhalb von zwei Monaten unterschrieben hatte. "Er besticht durch seine läuferischen Fähigkeiten und bringt viel Energie und eine gesunde Arbeitseinstellung mit. Mit seiner Verpflichtung erhalten die Trainer mehr Variabilität bei der Zusammenstellung des Kaders für jedes einzelne Spiel." Auf dem Papier aber reiht sich Wirth hinter den Nationalspielern Denis Reul, Sinan Akdag und Björn Krupp ein, den Kontingentspieler Thomas Larkin, Mark Katic, Chad Billins und Joonas Lehtivuori sowie Cody Lampl und Janik Möser. Die Verletzungen von Larkin und Lampl aber sahen Coach Pavel Gross und der einstige schwedische Nationalverteidiger Jan-Axel Alavaara nun als Grund an, Wirth zu verpflichten, der wiederum als Verteidiger Nummer zehn beim Meister und erneuten Titelfavoriten bessere Chancen auf DEL-Einsätze sieht als in Nürnberg.

Im Sommer noch hatte er das offenbar anders gesehen. Für eine Mannschaft, die mit Tom Gilbert und Marcus Weber da bereits auf zwei routinierte Verteidiger hatte verzichten müssen, war der selbstbewusste 20-Jährige ein Glücksfall. Gegen den Meister gab er ein unaufgeregtes knapp neun Minuten langes Debüt in der DEL, nach dem 1:4 konnte niemand ahnen, dass ihm diese Adler wenige Wochen später ein Angebot unterbreiten würden. Es folgten 14:27 Minuten beim 5:1 in Ingolstadt, 59 Sekunden gegen Köln (4:0) und 3:39 Minuten in Schwenningen (5:3). Danach wurde er nach Bayreuth abgegeben, zum Kooperationspartner in der 2. Liga. Eine Entscheidung, die unter Fans kontrovers diskutiert wurde, weil sie auf den ersten Blick nicht zum neuen Weg der Ice Tigers passen wollte, und die Coach Kurt Kleinendorst so erklärte: "Ein junger Spieler wie er muss spielen. Wir haben gerade sechs gesunde Verteidiger, die sehr gut spielen, bei keinem würde ich mich gut fühlen, wenn ich ihn rausnehme. Soll ich Summers rausnehmen? Oder Mebus? Wirth muss spielen, in Überzahl, in Unterzahl, ja, das muss er jetzt in Bayreuth machen. Ich kann garantieren, dass er als local boy eine sehr große Zukunft hier in Nürnberg hat."

Kommende Saison fest eingeplant

Aus Bayreuth hat man gehört, dass er offensichtlich nicht ganz so gerne in Bayreuth gespielt hat. Und nachdem Wirths Berater den Ice Tigers das Angebot aus Mannheim unterbreitet hatte, setzten sich Kleinendorst und der Sportdirektor zusammen. "Wir bedauern das sehr", musste André Dietzsch danach sagen, "auch weil Manu Kofler (Co-Trainer) Tag und Nacht mit ihm gearbeitet hat und wir für ihn kommende Saison ganz klar eine feste Rolle eingeplant hatten. Letztendlich aber macht es keinen Sinn, wenn die Entscheidung längst woanders getroffen wurde."

SEBASTIAN BÖHM

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