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"Ein geiler Verein": Kleeblatt-Coach Leitl zieht Bilanz

Ganz zufrieden ist der Fürth-Trainer aber nicht - 05.07.2020 15:21 Uhr

Oft gut gespielt, insgesamt aber zu wenig belohnt: Stefan Leitl bejubelte elf Siege, in der neuen Saison sollen es ein paar mehr werden.

© Wolfgang Zink/Sportfoto Zink


Herr Leitl, darf man in Fürth mit Platz neun zufrieden sein?

Stefan Leitl: Wenn man die Saison Revue passieren lässt, wäre mehr drin gewesen, deswegen bin ich nicht ganz zufrieden. In vielen Spielen waren wir besser als der Gegner, in nahezu allen auf Augenhöhe, haben aber dennoch zu wenig Punkte geholt. Ich kann der Mannschaft aber keinen Vorwurf machen, weil sie fast immer ans Limit gegangen ist. Wir werden nicht viel besser spielen können, deshalb haben wir Platz neun verdient.

In der Bundesliga spielt Leverkusen ähnlich, meist attraktiv, aber längst nicht so effektiv. Lassen sich Parallelen erkennen, und an was liegt das in Fürth?

Leitl: Wir sollten uns nicht mit Leverkusen vergleichen. Bei uns fehlte es in den Phasen, in denen wir ein Spiel auf unsere Seite hätten ziehen können, an Qualität. Oft fehlte mal die Ruhe, mal der letzte Ball.

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Also?

Leitl: Wir brauchen Spieler, die uns besser machen. Wir wollen ja nicht nur auf Fehler des Gegners warten, sondern selbst nach Lösungen suchen.

Oder aber der Trainer ändert seine Philosophie . . .

Leitl: Damit tut sich jeder Trainer schwer. Ich bin von unserem Ansatz überzeugt. Trotzdem bleibt Fußball ein Ergebnissport, das heißt: Wir müssen Lösungen finden.

Rachid Azzouzi zieht Bilanz

Stichwort Mentalität – iIst der unbedingte Wille nicht auch große Qualität? Ist dieses Krieger-Gen zu wenig ausgeprägt in der Mannschaft, und wollen Sie das ändern?

Leitl: Qualität ist ein großes Wort und kann viel beinhalten, in verschiedensten Formen. Nicht nur die sportliche Qualität, die über allem steht. Welche Werte bringt ein Spieler mit in die Kabine? Darauf müssen wir besser achten.

War dieser Punkt demnach ein Manko der Saison?

Leitl: Wir sind schon einige Schritte gegangen und haben vieles hin zum Positiven verändert. Die Jungs haben gut mitgezogen. Ich möchte es nicht auf diesen Punkt reduzieren. Es waren wiederkehrende Geschichten, warum wir keine Serie starten konnten.

Und zwar?

Leitl: Unsere Vierer-Abwehrkette konnte nie über einen längeren Zeitraum zusammenspielen, einer war immer verletzt. Im Mittelfeld ist Julian Green in seiner besten Phase verletzt ausgefallen, das hat uns als Mannschaft wehgetan. Solche Spieler, die aus einer Überlegenheit dann auch Kapital schlagen, sind wichtig auf dem Platz.

Sie sprechen Führungsspieler an . . .

Leitl: Daran müssen wir arbeiten. Wir haben viele Spieler, die Profis auf dem zweiten Bildungsweg sind. Sie müssen wir auch dahin entwickeln, das geht nur über viel Vertrauen und Spielminuten.

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Das heißt, in Fürth wird Trainern der Unterschied zwischen Wunschdenken und Realität sehr schnell sehr offensichtlich. Ist das überhaupt zu vereinen, und wenn ja, wie?

Leitl: Das geht eigentlich. Wir sind mit Rachid Azzouzi (Geschäftsführer Sport, die Red.) im guten Austausch. Die Pandemie bringt uns dazu, jeden Cent nochmal umzudrehen. Klar äußere ich auch meine Wünsche, und die decken sich oft. Rachid will auch nicht das Herz der Mannschaft verkaufen, dann wäre es schwierig, den nächsten Schritt zu gehen, und wir würden in eine Situation kommen, in der die Spielvereinigung vor Jahren schon war. Das will niemand – deshalb müssen wir Lösungen finden, wie wir uns qualitativ verstärken können.

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Im Profifußball ist es so eine Sache mit Planungen. Gehen Sie aber davon aus, in Fürth etwas aufbauen zu können?

Leitl: In Fürth ist für uns als Trainerteam alles so eingetreten wie erhofft. Wichtig ist es jetzt, mit der sportlichen Leitung eine gemeinsame Ausrichtung zu finden, hinter der wir hundertprozentig stehen und unsere Ziele zu erreichen. Alles andere ist nicht in meinem Kopf, ich beschäftige mich nur mit Fürth. Die Spielvereinigung ist ein geiler Verein.

Florian Pöhlmann

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